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Greifswald: Neue Plattform für Gründerinnen

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16:17 14.02.2020
Powerfrauen unter sich: Ines Henkelmann mit Tilda (2), Annelie Bänsch (Witeno), Dinah Hansen und Gudrun Mernitz (Witeno). Quelle: Anne Ziebarth
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Greifswald

“Waaas? Du willst ein Unternehmen gründen?“ Diesen Satz hören immer noch die meisten Frauen, wenn sie sich auf den Weg machen, den Traum von der eigenen Firma zu verwirklichen. Kein Wunder, weibliche Gründer sind in Deutschland aktuell deutlich unterrepräsentiert. Laut dem Global-Entrepreneurship-Monitor kamen 2018 in Deutschland auf eine Gründerin zwei Gründer, eine Studie der Commerzbank geht noch weiter: In Deutschland seien gerade einmal 22 Prozent der Unternehmensgründer weiblich. Kurzum: Gründerinnen gelten als etwas Besonderes.

„Eine Frau muss mit aufs Bild!“

„Ich habe selbst entsprechende Erfahrung gemacht“, erzählt Gudrun Mernitz, Projektleiterin beim Wissenschafts- und Technologiepark Nordost (Witeno). „Als ich mit einer Freundin 2007 ein Biotechnologieunternehmen gegründet habe, waren wir Exoten in einer Männerdomäne.“ Man habe sie damals unbedingt mit einem Foto auf einem Werbebanner für die Universitätsstadt Greifswald haben wollen. „Nur, damit auch eine Frau dabei ist. Ich habe mich damit überhaupt nicht wohlgefühlt.“ Heute ist sie bei Witeno selbst als Coach für die Beratung junger Unternehmensgründer zuständig.

Haben Frauen mehr Hemmungen?

Nach wir vor lassen sich deutlich mehr Männer als Frauen beraten. Was Mernitz aufgefallen ist: „Frauen sind in den Runden auch zurückhaltender, haben wahrscheinlich mehr Hemmungen.“ Man habe bei Witeno lange überlegt, wie man die Situation für potenzielle Gründerinnen verbessern könne, um generell mehr Menschen zur Firmengründung zu ermutigen. HGWomen heißt das neue mit europäischen Fördermitteln ermöglichte Projekt, das mehr Frauen motivieren soll, ihre Unternehmensideen wahr werden zu lassen. Eine ganztägige Veranstaltung mit Referaten und Workshops macht den Anfang, sie findet am 29. Februar im Technologiezentrum Vorpommern statt. Annelie Bänsch, Projektleiterin bei Witeno, ergänzt: „Wir wollen die Frauen auch untereinander vernetzen, ein regelmäßiges Forum schaffen, wo sie sich über Fortschritte oder Ideen austauschen können.“

HGWomen im TZV

Am Sonnabend, den 29. Februar findet von 10 bis 16 Uhr die erste Veranstaltung des Netzwerks HGWomen „Frauen starten durch“ im Technologiezentrum in der Brandteichstraße statt. Auf dem Programm stehen Vorträge und Workshops, unter anderem zum Thema „Zeitmanagement und Work-Life-Balance“ (Sophia Hammer) und „Vom Schauspiel lernen – selbstbewusst und sicher auftreten! Rhetorik, Körpersprache, Präsentation“ (Eva Gosciejewicz und Jessica Steinke). In einem Abschlussplenum sollen Wege gefunden werden, wie häufig weitere Treffen stattfinden sollen und wie die Zusammenarbeit aussehen könnte. Eine Anmeldung auf der Internetseite www.witeno.de (Über uns/Veranstaltungen) oder per Mail an baensch@witeno.de ist bis zum 25. Februar erforderlich, das Treffen ist kostenfrei.

Anlaufpunkt für Familien mit Kindern

Eine der Teilnehmerinnen ist Ines Henkelmann. Die 28-jährige würde gerne eine Art Mutter-Kind-Café gründen. „Nicht nur ein Café, sondern eine ganztägig geöffnete Begegnungsstätte für alle Menschen, die irgendwas mit Familie zu tun haben.“ Die Mutter der zweijährigen Tilda habe sich in den vergangenen Jahren oft alleingelassen gefühlt. „Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, sagt sie. „Dieses Zentrum, dieses Dorf fehlt mir hier.“ Es gebe zwar Beratungsstellen in Greifswald, aber die seien weit verstreut und das Angebot auch häufig termingebunden. „Ich wünsche mir einen Ort in der Innenstadt, wo man sich unkompliziert treffen und austauschen kann“, sagt sie. „Abends könnte man dann Veranstaltungen zu Familienthemen machen.“

Bedenken und Zurückhaltung statt Unterstützung

Die Idee hat die 29-jährige Psychologin bereits länger, hat sich auch schon über Finanzierungsmöglichkeiten informiert. „Aber ich traue mich einfach nicht“, sagt sie und lacht dabei. „Dabei ist es doch unlogisch. Ich stehe voll dahinter. Trotzdem habe ich Angst. Ich glaube, ich bräuchte da einfach jemanden, der mich an die Hand nimmt.“ Das Phänomen kennt Dinah Hansen, die über eine Gründung einer eigenen Plattform mit psychologischem Schwerpunkt im Medienbereich nachdenkt. „Man bekommt auch nicht gerade viel Ermunterung aus der Umgebung“, sagt die 25-Jährige, die seit einem halben Jahr in Greifswald lebt und Psychologie studiert. „Ich habe von der Familie und den Freunden überwiegend Bedenken gehört.“ Gudrun Mernitz nickt bestätigend. „Und bei einem Mann wird sofort gesagt: Toll, wie viel Risiko er auf sich nimmt!“, sagt sie. „Vielleicht ist das traditionelle Rollenbild der Frau aber auch tiefer in den Köpfen verankert, als wir meinen“, gibt Dinah Hansen zu bedenken. „Immerhin hat sich erst im vergangenen Jahrhundert die Stellung der Frau in der Gesellschaft so richtig gewandelt. Unterbewusst spielen viele Muster bestimmt noch eine Rolle.“

Immer noch viele Hindernisse für Frauen auf dem Arbeitsmarkt

Generell sei der Arbeitsmarkt, was die Bedingungen für Frauen angeht, noch lange nicht am Ziel. Frauen müssten sich immer noch mehr Gedanken um Arbeitszeitmodelle machen oder eventuelle Kinderbetreuung als Männer, betont Annelie Bänsch, eine Einstellung auf 30-Stunden-Basis sei nicht selbstverständlich. „Dabei ist es arbeitspsychologisch erwiesen, dass man bei einer Arbeitszeitverknappung viel effektiver arbeitet“, sagt sie. Zumindest auf dem Feld der Gründungen scheint aber etwas in Bewegung zu geraten. „Es ist ein positiver Trend zu beobachten“, sagt Gudrun Mernitz. „Kamen früher vielleicht zwei Frauen zu einer Beratungsrunde mit zwanzig Teilnehmern beim Programm Techno-Start-up MV, waren es im vergangenen Jahr schon acht.“

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Von Anne Ziebarth

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