Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Wenn Eltern Sorgen haben – das Elterntelefon hilft
Vorpommern Greifswald Wenn Eltern Sorgen haben – das Elterntelefon hilft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
09:06 23.08.2019
Marianne Jülich berät Eltern am Elterntelefon des Kinderschutzbundes in Greifswald Quelle: Martina Rathke
Anzeige
Greifswald

Drogenprobleme mit dem minderjährigen Sohn, ein verweigertes Umgangsrecht nach der Trennung vom Partner, eine 13-jährige Tochter mit einem 19-jährigen Freund: Wenn es einen Ort gibt, an dem Eltern in Mecklenburg-Vorpommern ihre Sorgen abladen können, dann befindet er sich in Greifswald. In der oberen Etage der Kita „Friedrich Wolf“ betreibt der Kinderschutzbund das Elterntelefon. Ehrenamtliche Berater hören sich hier die Probleme von Eltern aus Schwerin, Binz, Stralsund, Anklam oder Greifswald an, versuchen Lösungsangebote zu unterbreiten, geben Hinweise, wo die Eltern, die sich hilflos und überfordert fühlen, staatliche oder juristische Hilfe erhalten können. Nun sucht der Kinderschutzbund neue Mitstreiter, die die verantwortungsvolle ehrenamtliche Aufgabe wahrnehmen möchten.

Eltern werden bei Konfliktlösung unterstützt

Marianne Jülich arbeitet seit mehr als fünf Jahren für das Elterntelefon. Dass sie sich für das Ehrenamt entschied, habe sie nie bereut und es habe sie in positivem Sinne verändert, sagt sie. „Ich habe gelernt, Probleme anzunehmen, nicht dazwischenzugehen, nicht zu werten“, sagt sie. „Ich bin geduldiger geworden.“ Zweimal im Monat arbeitet Marianne Jülich jeweils zwei Stunden für das Elterntelefon, nimmt die Sorgen entgegen und freut sich, wenn ihr Gesprächspartner in dem Telefonat einen Weg findet, wie er seinen Konflikt lösen kann. „Wir geben den Betroffenen nichts vor“, sagt Jülich.

Doch nicht immer lassen sich die Probleme, die unlösbar erscheinen, mit Hilfe des ehrenamtlichen Beraters klären, manchmal braucht es staatliche oder juristische Hilfen. Marianne Jülich erinnert sich an einen Fall, als eine Mutter anrief und berichtete, dass ihre Tochter im Netz von einem Mann belästigt wird und Hinrichtungsvideos erhält. Die Frau sei verunsichert gewesen, ob sie Anzeige erstatten soll und wie sie ihre Tochter schützen kann. „In solch einem Fall braucht es Hilfe von außen“, sagt Jülich. Sie habe die Frau ermutigt, die Belästigung anzuzeigen. In der Schule hat eine auf Cybermobbing spezialisierte Rechtsanwältin die Schüler aufgeklärt und ermutigt, um Hilfe zu bitten, wenn sie in eine ähnliche Situation geraten. Die Kontakte der Tochter, wie Mail-Adresse und Handynummer, wurden gesperrt, damit der Mann das Mädchen nicht mehr tyrannisieren kann. „Es ist schön, wenn sich durch uns Probleme klären lassen“, erinnert sich Jülich.

Themen haben sich verschoben

In den vergangenen Jahren haben die Berater eine Verschiebung der Themen bemerkt. Die Trennung vom Partner und das Verbot, den Sohn oder die Tochter zu sehen, seien noch immer Schwerpunkt. Aber zunehmend rufen Eltern an, die sich Sorgen machen, weil ihr Kind süchtig nach dem Internet ist, Drogen nimmt oder weil das Kind sexuell belästigt wird. Auch das Cybermobbing habe zugenommen.

Etwa 15 Berater arbeiten ehrenamtlich beim Elterntelefon, das in Greifswald jede Woche von Montag bis Freitag zwischen 9 und 11 Uhr und von Dienstag bis Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr für Eltern erreichbar ist. Der Bedarf, sich anonym und kostenlos beraten zu lassen, sei groß, sagte Heidrun Eywill, Projektleiterin für Beratungsangebote beim DKSB. Die Berater seien in der Regel berufstätig, so dass nun weitere Unterstützer gesucht werden. Das Elterntelefon arbeitet nach den Richtlinien des Dachverbandes „Nummer gegen Kummer“, dem auch der Kinderschutzbund angehört. Als ehrenamtlicher Berater kann jeder tätig werden, wenn er 21 Jahre alt ist und Interesse an Gesprächen mit anderen Menschen mitbringt. Eine pädagogische Vorbildung ist nicht Voraussetzung, ebenso muss man nicht selbst Kinder haben, um Eltern zu beraten, sagt Eywill.

Berater lernen das Zuhören

80 Stunden dauert die hochwertige Ausbildung, die für die Teilnehmer kostenlos ist. In ihr lernen die Berater, wie Familienprozesse ablaufen, welche typischen Entwicklungsphasen Kinder und Jugendliche durchlaufen, wie eine professionelle Gesprächsführung aussieht, wie in einem Telefonat der Dialog befördert werden kann, erläutert Familienberaterin Doreen Hohm, die die Ausbildung der ehrenamtlichen Berater leiten wird. „Das Wichtigste aber ist, das Zuhören zu lernen.“

Der neue Kurs startet am 17. September. Interessenten können sich unter der Telefonnummer 03834 - 811009 oder info@kinderschutzbund-greifswald.de melden.

Von Martina Rathke

Seit Mittwoch wurde in Greifswald ein 56 Jahre alter Mann vermisst. Am Samstag wurde er gefunden.

24.08.2019

Na, Hunger? Oder Appetit? Dann schauen Sie mal her! Diese Köche aus Vorpommern zaubern viele regionale Leckereien auf die Teller – vom Hering über Wild bis zum Sanddorn. Und manche Restaurants, in denen sie arbeiten, sind echte Geheimtipps.

22.08.2019

Nach einem Streit über die Bewirtschaftung von städtischen Agrarflächen und dem Rückzug der Succow-Stiftung aus der Greifswalder Agrarinitiative will die Stadt nun Vergabekritierien für die Pächter einführen.

22.08.2019