Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Trotz Minustrend: Greifswald bleibt Fahrradhochburg
Vorpommern Greifswald Trotz Minustrend: Greifswald bleibt Fahrradhochburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:04 23.04.2019
Rund 40 Prozent der Greifswalder nutzen das Rad für alltägliche Besorgungen und Wege. Da wird es an den Abstellplätzen mitunter eng. Quelle: Martina Rathke
Greifswald

Greifswald bleibt eine Fahrradhochburg Deutschlands, doch die Stadt verliert im aktuellen Ranking des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) an Attraktivität. Unter den 106 Städten mit 50000 bis 100000 Einwohnern verteidigt Greifswald beim Fahrradklima-Test den Platz 6 der Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2016. Die Test-Radfahrer attestieren der Stadt allerdings eine leichte Verschlechterung von Note 3,3 auf Note 3,5.

Kurze Wege, viele Diebstähle

Punkten kann die Hansestadt mit der guten Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 1,7), mit der Öffnung von Einbahnstraßen in die Gegenrichtung (Note 1,9) und damit, dass in der Stadt alle Altersgruppen – ob Jung oder Alt – in die Pedale treten (Note 1,8). Als besonders schlecht (Note 5) werden die häufigen Fahrraddiebstähle und die mangelhaften Mitnahmemöglichkeiten von Rädern in Bussen bewertet. Auch der Winterdienst auf den Radwegen und die Konflikte mit dem KFZ-Verkehr werden mit der Note 4 nur als mangelhaft eingeschätzt.

ADFC kritisiert die Stadtverwaltung

Während sich Stadtplaner Thilo Kaiser über das erneut sehr gute Platzierung der Stadt in der Spitzengruppe freut, legt der ADFC den Finger in die Wunde. „Ein Gesamtdurchschnitt von 3,5 ist nicht wirklich gut. Solche Noten wünscht sich kein Schüler“, kommentierte Gerhard Imhorst, Vorstand der ADFC-Regionalgruppe Greifswald-Usedom, die Ergebnisse. Greifswald habe in den vergangenen Jahren zu wenig für Radfahrer und sichere Radwege getan. Andere Städte seien inzwischen viel weiter. Von der Nutzung her sei Greifswald zwar noch immer eine Fahrradhochburg, von den Bedingungen aber nicht mehr. „Da wird es langsam peinlich“, ergänzte Co-Vorstand Steffen Ahmels.

Bauamtsleiter: Alle Verkehrsteilnehmer im Blick

Bauamtsleiter Thilo Kaiser hält eine solche Einschätzung für nicht gerechtfertigt. „Greifswald belegt in der Studie Platz 1 in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist ein Spitzenwert“, sagte er. Die Stadt dürfe nicht nur einseitig auf Radfahrer schauen, sondern müsse alle Verkehrsteilnehmer im Blick haben, neben Radfahrern auch Fußgänger, Busnutzer und Autofahrer. Außerdem plane die Stadt mit dem Ausbau des Hanserings und der Sanierung der Mühlenstraße deutliche Verbesserungen für den Radverkehr. „Mit einem Radweg am Hansering ensteht eine durchgängige Fahrradmagistrale vom Campus Loeffler-Straße bis nach Wieck.“

Radstation soll endlich kommen

Die Liste der aus Sicht des ADFC notwendigen Veränderungen ist lang: Die seit Jahren angekündigte Radstation am Bahnhof sei noch immer nicht gebaut. Angesichts der von den Testern bemängelten hohen Zahl an Fahrraddiebstählen sei es unverständlich, dass in der neuen Fahrradabstellsatzung keine Fahrradständer vorgeschrieben werden, an denen auch der Fahrradrahmen gesichert werden könne, sagte Imhorst. Die Fahrradstraße in der Domstraße sei wegen der am Rand parkenden Autos eng und gefährlich. Die Luftpumpenstationen am Mühlentor, in Wieck und am Bahnhof seien kaputt. Die Schutzstreifen auf der Anklamer Straße seien lediglich ein Kompromiss für Radfahrer. „Greifswald muss umsteuern, aus Klimagründen und damit die Stadt ihrem Namen als Fahrradstadt gerecht wird“, so das Fazit des ADFC-Mannes Ahmels. Gestützt sieht sich der ADFC durch die deutlich schlechtere Bewertung der kommunalen Fahrradförderung in Greifswald. Dieser Wert ist innerhalb von zwei Jahren am stärksten abgesackt – von 3,1 auf 3,7.

Nach Angaben der Stadt soll der Bau der Radstation am Bahnhof noch in diesem Jahr beginnen. Zuwendungsbescheid wie auch Baugenehmigung lägen vor, sagte Kaiser. Dass die öffentlichen Pumpenstationen kaputt seien, sei eine Folge von Vandalismus. Für die Anschaffung neuer Stationen müssten Investitionsmittel freigegeben werden. „Es dauert eine Weile, bis die ersetzt sind.“ Als weitere, wenn auch noch in Ferne liegende Großrojekte nannte Kaiser den geplanten Umbau der Europakreuzung mit einer Diagonalquerung für Radfahrer und den Radweg von Riems nach Greifswald als Teil des Ostseeküsten-Radweges. „Wir entwickeln den Radverkehrsplan weiter“, sagte Kaiser. Zudem bemühe sich die Stadt um Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Mobilitätswerkstatt 2025.“

Radfahrer haben steigende Ansprüche

Andere Städte ziehen nach: So ist Konstanz von Platz elf auf Platz drei vorgerückt. Deutschlandweit hat sich das Fahrradklima, also die Zufriedenheit der Befragten beim Radfahren, nach Einschätzung der Teilnehmer aber generell verschlechtert. 2014 wurde das Fahrradklima noch mit der Note 3,7 bewertet, 2018 mit der Note 3,9. ADFC-Vorstand Steffen Ahmels räumt ein, dass Radfahrer immer anspruchsvoller werden. „Die Fahrräder werden schneller, deswegen erwarten Radfahrer auch breitere Radwege mit besseren Belegen.“ Stadtplaner Kaiser sieht in dem erhöhten Anspruchsdenken sogar einen Mitgrund für das etwas schlechtere Abschneiden Greifswalds im Vergleich zum Vortest. „Die Erwartungshaltung einiger Radfahrer ist inzwischen so gestiegen, dass sie glauben, dass sich die Situation verschlechtert hat.“

Es gibt aber auch lobende Worte der Greifswalder ADFC-Vertreter: Als positives Beispiele nannten die Radlobbyisten die Bahnhofstraße, in der es anstatt des gestrichelten Schutzstreifens für Radfahrer einen richtigen Radfahrstreifen mit durchgezogener Linie gibt. Vieles lasse sich mit wenig Geld lösen, sagte Ahmels. So sollte sich die AG Mobilität auch wieder stärker dem Radverkehr widmen. Bei gemeinsamen Schilderschauen konnten in der Vergangenheit so Gefahrenquellen analysiert und anschließend entschärft werden.

Hier geht´s zu den Ergebnissen:
Fahrradklima-Test

Martina Rathke

Vom 24. bis 28. April veranstaltet die offene Nähwerkstatt Kabutze eine Aktionswoche gegen die Ausbeutung in der Textilindustrie. Zur Eröffnung ist eine weltweite Fotoprotestaktion auf dem Markt geplant.

23.04.2019

Die Hansestadt lockte hunderte Besucher zu zahlreichen österlichen Veranstaltungen. Ein weiteres Highlight gab es in Lubmin. Die Freiwillige Feuerwehr entzündete dort ein großes Osterfeuer.

22.04.2019

Unbekannte zündeten am Ostermontag einen Sattelauflieger eines am Straßenrand parkenden LKW an. Auch die Dachrinne eines eingrenzenden Hauses wurde durch das Feuer beschädigt. Der Schaden beläuft sich auf 25 000 Euro.

22.04.2019