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Greifswald Greifswald in der Mikrobe, Dinosauriern und im All
Vorpommern Greifswald Greifswald in der Mikrobe, Dinosauriern und im All
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09:17 27.08.2019
Stefan Meng, Kurator der geologischen Sammlung der Uni Greifswald, zeigt das Fossil eines 250 Millionen Jahre alten Reptils. Der Weigeltisaurus gilt als das älteste flugfähige Reptil und ist nach dem Greifswalder Geologen Johannes Weigelt (1890–1948) benannt. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Himmelskörper, Mikroben und Fossile tragen den Namen der Hansestadt Greifswald. Gleich doppelt traf es den Muschelkrebs (Ostrakode) „Gryphiswaldensia gryphiswaldensis“, den ihr Entdecker Roger Schallreuter 1967 nach der Hansestadt benannte. Sie stammt aus dem mittleren Ordovizium, das rund 465 Millionen Jahre zurückliegt. Schallreuter wählte den Namen aus dem einfachen Grund, weil das Originalfundstück in Greifswald lagert. Er hatte es in einer Schicht Backsteinkalk auf Hiddensee gefunden.

Die Namensvergabe für wissenschaftliche Entdeckungen regeln strenge Konventionen der einzelnen Fachbereiche. So bestehen die Namen in der Biologie stets aus dem Namen der Gattung und einem ergänzenden Adjektiv. „Der Beschreiber einer Art legt den Namen der Art innerhalb der Konvention frei fest. Die Gründe können sein, dass ein Fund aus Greifswald stammt und deswegen nach dem Ort benannt wird“, sagt Peter Michalik, Leiter der Zoologischen Sammlung Greifswald

Bei den Astronomen können zwischen Entdeckung und Benennung von Himmelskörpern Jahre liegen. Die Kleinplaneten „Greifswald“ und „Gryphia“ ziehen ihre Bahnen zwischen Mars und Jupiter. Jahrzehntelang glaubten Astronomen, dass „Gryphia“ nach dem Dichter Andreas Gryphius (1616–1664) benannt wurde. Recherchen im Jahr 2013 ordneten den Kleinplaneten wieder der Hansestadt zu. „Gryphia“ wurde 1902 vom Heidelberger Professor Max Wolf entdeckt.

Eine Urkunde zur Benennung des Kleinplaneten „Greifswald“ hängt im Rathaus der Hansestadt. Quelle: Christopher Gottschalk

Greifswald“ erhielt seinen Namen im Jahr 2001, entdeckt wurde er 1992. Zudem ist ein Mondkrater nach dem Greifswalder Astronomen Paul ten Bruggencate (1901–1961) benannt. Auch die an der hiesigen Uni wirkenden Andreas Mayer (1716–1782), Lambert Hinrich Röhl (1724–1790) und Franz von Krbek (1898–1984) dienten bereits als Namensgeber. Nach der Hansestadt ist zudem die Gallmücke Peromyia gryphiswaldensis benannt, die Mathias Jaschhof 1997 hier in einem Laub-Nadel-Mischwald entdeckte und beschrieb. Diese Mückengattung erreicht eine Größe von 1,2 bis 1,7 Millimetern.

Das einzige nach Greifswald benannte Bakterium Magnetospirillum gryphiswaldense kürte die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie mit Sitz in Frankfurt/Main gar zur Mikrobe des Jahres 2019. Dirk Schüler entdeckte das magnetische Bakterium 1990 als Biologiestudent im Ryck. Mit Hilfe winziger Magnetite orientiert sich das Bakterium im Wasser und gilt heute als einer der wichtigsten untersuchten Modellorganismen dieser Bakteriengattung.

Das einzige nach Greifswald benannte Bakterium Magnetospirillum gryphiswaldense ist Mikrobe des Jahres 2019 Quelle: OZ

Die Knochen eines 180 Millionen Jahre alten Dinos fand Werner Ernst von der Uni Greifswald 1963 in Klein Lehmhagen bei Grimmen. So wurde der Vogelbeckensaurier auf Emausaurus Ernsti getauft. Heute lagern die rund 50 Knochenreste aus dem Sensationsfund in einem Schrank in der Landessammlung im Institut für Geographie und Geologie in Greifswald. 2014 wurden die Zerfallsprozessen ausgesetzten Knochen restauriert.

Stefan Meng, Kurator der geologischen Sammlung der Uni Greifswald, zeigt eine Darstellung des Emausaurus ernsti, dessen Knochen 1963 in der Nähe von Grimmen gefunden wurden. Das Gemälde stammt von Cornelia Haubold. Quelle: Christopher Gottschalk

Der Weigeltisaurus ist entgegen seinem Namen kein Saurier, sondern das älteste bekannte gleitflugfähige Reptil. Die Art ist nach dem Greifswalder Professor Johannes Weigelt (1890–1948) benannt. Er hatte bereits an dem Fossil, das seit 1913 der Uni Greifswald gehört, geforscht, die Namensgebung erfolgte später durch den Paläontologen Oscar Kuhn. Die 250 Millionen Jahre alte Platte aus Kupferschiefer ist 17 Zentimeter lang und lagert im Institut für Geologie.

Das Fossil der rechten Schädelhälfte von Emausaurus ernsti lagert in der Landessammlung im Geologischen Institut für Geographie und Geologie. Quelle: Christopher Gottschalk

Dort befindet sich auch die Meteoritensammlung. Petrograph und Mineraloge Emil Cohen (1842–1905) hatte sie begründet. Fast alle Fundstücke stammen von Cohen, der sich in seinen Schriften mit Eisenmeteoriten befasste. Nach ihm wurde 1889 das Mineral Cohenit benannt. Eine Gedenktafel in der Wolgaster Straße erinnert noch heute an den Forscher.

In der Meteoritensammlung der Uni Greifswald lagert ein Röhrchen mit dem Mineral Cohenit – benannt nach dem Begründer der Meteoritensammlung, Emil Cohen (1842–1905). Quelle: Christopher Gottschalk

Viele weitere Pflanzen und Tiere tragen die Namen von Greifswalder Forschern. Botaniker Julius Münter (1815–1885) ist Namensgeber der Rubus muenteri, einer Beerenart. Der Wolgaster Apotheker Theodor Marsson hatte sie 1869 zuerst beschrieben. Die Zierpflanze Weigelia wurde zu Ehren von Christian Ehrenfried von Weigel (1748 – 1831) benannt, Exemplare sind heute zu finden im Arboretum der Universität.

Eine kuriose Geschichte dreht sich um eine Federmilbe namens Coraciacarus muellermotzfeldi, benannt nach dem Greifswalder Entomologen Professor Gerd Müller-Motzfeld (1941–2009). Forscher fanden sie auf zwei Präparaten des seit 1907 ausgestorbenen Lappenhopfs, die sich in der zoologischen Sammlung befinden. Der Vogel lebte in Neuseeland, mit ihm starb auch die hochangepasste Federmilbe aus.

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Von Christopher Gottschalk

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