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Greifswald Greifswalder Denkmal „darf“ weiter verfallen
Vorpommern Greifswald Greifswalder Denkmal „darf“ weiter verfallen
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18:00 22.10.2019
Das Geburtshaus der Dichterin Sybilla Schwarz in der Baderstraße Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Schlechte Nachrichten für eines der bedeutendsten Denkmale Greifswalds, das Haus Baderstraße 2. Das Gebäude „darf“ weiter verfallen. Seit zweieinhalb Jahren prüft die Stadt, ob der Eigentümer über ein sogenanntes Instandsetzungs- und Modernisierungsgebot zur Verschönerung der Fassade und der Sicherung gezwungen werden kann.

Aber das Gebot wird es nicht geben, so Sonja Gelinek, die Vorsitzende des Sybilla-Schwarz-Vereins. „Darüber hat mich Bauamtsleiter Thilo Kaiser telefonisch informiert. Dies sei auch durch das Rechtsamt bestätigt.“ „Ich bin wütend“, kommentiert Gelinek diese Nachricht. Sie fordert, endlich Eigentümer Cornelius Siller zu enteignen. Der Sybilla-Schwarz-Vereins will im Haus eine Gedenkstätte mit Bibliothek und Café einrichten, und zwar ursprünglich zum 400. Geburtstag der Greifswalder Bürgermeistertochter 2021.

Es ist ein Trauerspiel: Das Geburtshaus der von Fachleuten hochgelobten Barockdichterin Sybilla Schwarz steht seit über 20 Jahren leer. Eigentümer Cornelius Siller hat bisher keine Kaufangebote akzeptiert und erst im Januar eine neue konkrete Planung vorgelegt. Den bisherigen Ideen für eine Schaubäckerei und einen Dönerladen folgte jetzt ein Konzept kommerziellen Nutzung im Erdgeschoss – ein Geschäft oder Gastronomie - und sonstiger Wohnraumnutzung. 2002 lag der Verkehrswert für das Haus bei gerade einmal 41.000 Euro. Sillers Vater hatte nach der Wende einen Rückgabeanspruch für das Haus für 400 000 Mark erworben.

Ein Blick zurück: Die Enteignung hatte die Bürgerschaft im Juni 2015 auf Antrag der Bündnisgrünen schon beschlossen. Aber das zuständige Innenministerium signalisierte, dass eine Enteignung wenig Aussicht auf Erfolg habe. Denn Eigentum stehe unter besonderem Schutz. Schwerin regte ein milderes Mittel, ein Instandsetzungs- und Modernisierungsgebot, an. Das ist zwar nicht viel mehr als Fassadenpflege, aber das Schwarz-Haus wäre nicht mehr ein hässliches Entlein inmitten restaurierter Häuser. Daraus wird nun auch nichts.

„Wir müssen jetzt politischen Druck auf die Verwaltung ausüben“, sagt Sonja Gelinek. „Darum haben wir uns als Verein an alle Fraktionen der Bürgerschaft gewandt.“ Der Stadtverwaltung fehle die Kreativität, um etwas zu bewegen, schätzt Frank Hardtke, Vorsitzender der Fraktion „Kompetenz für Vorpommern“, ein. Der Eigentümer müsse massiv unter Druck gesetzt werden, nette Briefe reichten nicht, meint der Rechtsprofessor. „Die Rückendeckung der Bürgerschaft hat der OB“, sagt Hardtke. Er spricht sich dafür aus, eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, denn Selbstständige seien bedeutend kreativer als Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Deren Vorschläge müsste die Verwaltung ohne wenn und aber umsetzen.

CDU-Fraktionschef Axel Hochschild erinnert daran, dass die Stadt 2002/3 188.000 Euro für die Sicherung ausgab. „Der Eigentümer hat nichts dazugegeben und ist 15 Jahre immer noch nicht bereit, das Baudenkmal mit neuen Fördermitteln zu retten. Er gehört enteignet.“ Auch Thomas Meyer, Vorsitzender der Fraktion Bürgerliste/FDP, spricht sich persönlich für die Enteignung aus.

Wir werden „jedes weitere Vorgehen der Verwaltung unterstützen“, das dem gemeinsamen Ziel der Wiederherstellung des herausragenden Denkmals diene, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Kerath. Möglicherweise habe das Innenministerium angesichts fehlender Fortschritte seine Einstellung zur Enteignung verändert. Grüne und Linke wollen sich jetzt genauer mit den Unterlagen befassen, um dann, wie von Gelinek vorgeschlagen, unter Einbeziehung des Vereins einen Plan B zu entwickeln, sichern die Vorsitzenden Alexander Krüger und Jörn Kasbohm zu.

Ein Trauerspiel

Seit 1992 befindet sich das Haus Baderstraße 2 im Besitz der Familie Siller

Zehn Jahre später veranlasste die Stadt für 188 000 Sicherungsmaßnahmen ohne Beteiligung des Eigentümers.

Von 2007 stammt eine Kostenschätzung für die Sanierung, damals waren 950 000 Euro nötig. In dieser Zeit soll es Kaufangebote der Krupp-Stiftung gegeben haben, die Rückseite der Baderstraße 2 liegt am Hof des Krupp-Kollegs. Siller bestreitet dies.

2013 bleibt das erste Kaufangeboteiner schwedischen Nachfahrin von Sybilla Schwarz unbeantwortet. Im gleichen Jahr wird der Verein Sybilla Schwarz e. V. gegründet.

2015 legt der der Sybilla-Schwarz-Verein ein Nutzungskonzept vor: Museum, Ausstellungsraäume, Café, Arbeitsräume für Wissenschaftler

Im Juni 2015 beschließt die Bürgerschaft die Enteignung und im Mai 2016 dann die Prüfung für den Erlass eines Instandsetzungs- und Modernisierungsgebotes

Eckhard Oberdörfer