Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswald pflegt Kontakte zu China
Vorpommern Greifswald Greifswald pflegt Kontakte zu China
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
15:42 06.01.2019
„Eine Zeitreise durch die Dynastien“ lautete der Titel einer farbenfrohen Modenschau während des sehr vielfältigen Bühnenprogramms zum chinesischen Neujahrsfest im Greifswalder St.Spiritus. Quelle: fotos (3): Petra Hase
Anzeige
Greifswald

Prachtvolle Gewänder aus edlen Stoffen, fernöstliche Snacks und Musik, die Fernweh erzeugt: Studierende und Wissenschaftler aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde feierten am Sonnabend in Greifswald mit vielen Gästen das traditionelle chinesische Neujahrsfest. Nach dem chinesischen Mondkalender beginnt das neue Jahr, das im Zeichen des Schweins steht, zwar erst am 5. Februar. Doch dann herrscht Prüfungsstress, bleibt wenig Zeit für Vorbereitungen.

„Seit 2015 veranstaltet der studentische Verein CSSA Greifswald jährlich dieses Fest, vor zwei Jahren war es erstmals öffentlich“, sagte Präsidentin Yishan Bu. Sie ist eine von 53 chinesischen Studierenden an der Universität Greifswald. Das Event, das gemeinsam mit dem CSSA Stralsund organisiert wurde, habe sich inzwischen zum Treffpunkt nicht nur der chinesischen Community, sondern auch Interessierter anderer Länder etabliert, berichtete die 28-Jährige.

Anzeige
Dr. Zheng Chen, Zweiter Sekretär der Abteilung für Bildungswesen der Botschaft der Volksrepublik China in der BRD, besuchte das Neujahrsfest und überbrachte ein Grußwort von Dr. Lixin Liu, Gesandter-Botschaftsrat. Quelle: Petra Hase

Davon konnten sich die rund 140 Mitstreiter und Besucher, darunter auch Dr. Zheng Chen von der chinesischen Botschaft, im Sozio-kulturellen Zentrum St. Spiritus überzeugen. Er überbrachte ein Grußwort von Dr. Lixin Liu, Gesandter-Botschaftsrat.

Ein farbenfrohes, internationales Programm dokumentierte die Vielfalt der Kulturen. Musik und Gesang, Tanz, Kabarett, Kampfsport und Kalligraphie sorgten für eindrucksvolle Stunden. Wobei neben chinesischen Studierenden auch Kommilitonen sowie weitere Gäste deutscher, russischer, syrischer und englischer Herkunft auftraten.

„Die chinesischen Studierenden sind nach der syrischen und der polnischen Landsmannschaft die drittgrößte Gruppe an unserer Universität“, berichtete Prorektorin Prof. Katharina Riedel. China sei ein sehr forschungsstarkes Land, immer mehr deutsche Hochschulen gingen Patenschaften ein. „Dieser Entwicklung möchten wir uns nicht verschließen“, sagte Riedel und kündigte an, nach einer Hochschule Ausschau zu halten.

Yishan Bu, Präsidentin des Vereins CSSA in Greifswald. Sie hat bereits ein abgeschlossenes Masterstudium Germanistik, belegt aktuell den Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre. Quelle: Petra Hase

Die Hansestadt Greifswald ist da bereits ein ganzes Stück weiter, pflegt eine Kooperation mit der im Nordosten Chinas gelegenen Stadt Benxi. „2014 und im vergangenen Jahr besuchte eine Greifswalder Delegation Benxi und Shenyang, 2015 und 2016 konnten wir chinesische Gäste in Greifswald begrüßen“, erinnerte Sylvia Schönfeld, die als Persönliche Referentin des Oberbürgermeister Stefan Fassbinder beim Neujahrsfest vertrat. Ein großer Wunsch der Stadt sei es, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) in Greifswald zu etablieren. Im April 2018 sei es gelungen, konkrete Schritte zu vereinbaren. „So ist ein Austausch von Studierenden und Absolventen der medizinischen Fakultäten der China Medical University Shenyang und der Greifswalder Unimedizin geplant“, sagte Schönfeld. In Greifswald werde es ein Lehrangebot zur TCM sowie gemeinsame Kolloquien geben. Im Gegenzug interessierten sich die chinesischen Partner für die Erfahrungen in der Tele- und Community Medicine.

Prof. Jianan Sun, Direktor des Konfuzius-Instituts Stralsund. Quelle: Petra Hase

Zudem bestünde beidseitig Interesse an Kooperationen von Schulen. Darüber berichtete während des Neujahrsfestes auch Prof. Jianan Sun, Direktor des 2015 gegründeten Konfuzius-Instituts Stralsund. Es ist eines von 500 weltweit, das sich der Verbreitung der Kultur und Sprache Chinas widmet. „Zurzeit lernen in Greifswald zwölf Schüler der Montessorischule und 16 Schüler des Humboldtgymnasiums die chinesische Sprache“, sagte Geschäftsstellenleiterin Andrea Döteberg. In Stralsund werde Chinesisch am Hansa-Gymnasium unterrichtet. Zudem widme sich das Institut der Vermittlung der Traditionellen Chinesischen Medizin, sehe sich dabei als Kooperationsplattform für kleine und mittelständische Unternehmen.

Ruiyuan Wang aus Peking freute sich, fern der Heimat ein so schönes Neujahrsfest zu feiern. Denn es sei traditionell das wichtigste Fest in seiner Heimat. Der 24-Jährige bereitet sich derzeit mit einem Sprachkurs auf sein Masterstudium der Plasmaphysik vor. „Deutschland ist auf diesem Gebiet führend in der Welt“, begründete er seine Entscheidung, nach dem Bachelorabschluss zu Hause ins Ausland zu gehen. Greifswald gefalle ihm ausgesprochen gut: „Eine kleine, aber sehr schöne Stadt“, lobte er.

Ruiyuan Wang aus Peking will in Greifswald Plasmaphysik studieren, absolviert gerade einen Sprachkurs. Quelle: Petra Hase

Das empfindet auch Guokai Zhang so. Der 30-jährige Physiker aus Shangdong arbeitet seit 2015 am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP). „Auch die Menschen hier sind alle sehr freundlich und hilfsbereit“, so Zhang. Vereinspräsidentin Yishan Bu kann das nur unterstreichen. Die 28-Jährige entschied sich nach ihrem erfolgreichen Masterabschluss in Germanistik 2016 für den Diplomstudiengang Betriebswirtschaftslehre. Bu kündigte an, sich mit ihren Kommilitonen künftig mehr ins kulturelle Leben der Stadt einbringen zu wollen.

Der Verein der chinesischen Studierenden und Wissenschaftler CSSA in Greifswald feierte am 5. Januar 2019 mit vielen Gästen im St. Spiritus das chinesische Neujahrsfest. Es war ein Fest der Freude.

Petra Hase

Usedom Wieder Direktflüge nach Dortmund - Insel-Hoteliers chartern eigene Maschine
04.01.2019
Anzeige