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Greifswald Greifswald soll Fair-Trade-Stadt werden
Vorpommern Greifswald Greifswald soll Fair-Trade-Stadt werden
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17:00 24.02.2018
Michael Haufe (v.l.), bei der Stadt für Klimaschutz und Umweltvorsorge zuständig, Camille Damm, Sprecherin der Initiative für den Titel „Fairtrade-Stadt“ und Claudia Howe vom Weltladen stehen im Laden. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Greifswald soll eine Stadt des fairen Handels werden. Dieses Anliegen verfolgen eine Initiative und die Stadtverwaltung unter der Führung des Grünen-Oberbürgermeisters Stefan Fassbinder (Grüne). Fairer Handel bedeutet unter anderem, Produzenten, die hauptsächlich in Afrika und dem Nahen Osten sind, einen zugesicherten Lohn zu zahlen. Gleichzeitig setzt sich die Stadt dafür ein, sich zu den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen zu bekennen. Die Bürgerschaft entscheidet Anfang April über eine enstprechende Beschlussvorlage.

Eine Auswahl der siebzehn Ziele: 

Armut überall beenden

Hunger beenden

Gute Gesundheitsversorgung

Gleichberechtigung der Geschlechter

Sauberes Wasser und Sanitäre Einrichtungen für alle schaffen

Ungleichheiten reduzieren

Nachhaltige Städte und Gemeinden stärken

Ozeane und Meere erhalten und nachhaltig nutzen

Frieden und Gerechtigkeit

„Die Stadt hat das Potential Fairtrade-Stadt zu werden“, sagt Camille Damm (21), Sprecherin der Initiative. Zur Initiative gehören auch Claudia Howe vom „Weltladen“ und Romy Plonus von der Bildungsinitiative „verquer“. 

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Bereits 32 Läden seien bereit, mitzumachen, sagt Jurastudentin Damm, darunter die Nähwerkstatt „Kabutze“. In einer Stadt von der Größe Greifswalds (61.000 Einwohner) müssen insgesamt 13 Geschäfte und sieben Restaurants dabei sein. Die Stadtverwaltung muss mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. „Noch kaufen wir nur den Kaffee, Saft und Kekse mit Fair-Trade-Siegel in Greifswalder Geschäften. Wir müssen uns künftig damit auseinandersetzen, ob und wo Produkte, die wir ausschreiben, auch als Fair-Trade-Ware erworben werden kann“, sagt Fassbinder

Ein Beispiel könnte Dortmund sein: Dort wurde Arbeitskleidung für Feuerwehr, Kindergärtner und Tiefbauamt aus Bio-Baumwolle und fairer Produktion für 100.000 Euro gekauft. 

Zu den weiteren Kriterien zählen eine Kirche, eine Schule und ein Verein, die fair gehandelte Produkte anbieten und Bildungsarbeit leisten. Eine Schule und einige Kirchen hätten bereits Interesse gezeigt, teilt Camille Damm mit. 

Die Stadt will mehr als fairen Handel: Die Umsetzung der siebzehn Nachhaltigkeitsziele der UNO für das Jahr 2030 (siehe Infokasten). Grundlage für das Bekenntnis der Stadt ist eine Resolution des Deutschen Städtetags, laut der die teilnehmenden Städte und Landkreise sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. „Ich unterstütze, dass wir uns als Universitäts- und Hansestadt zu den UN - Nachhaltigkeitszielen entsprechend der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ bekennen“, sagt OB Fassbinder

Dazu braucht es einen Sinneswandel. Vor zwei Jahren wollte die Bürgerschaft sich nämlich nicht zu den UN-Zielen bekennen. Den Antrag hatten Ulrich Rose (Alternative Liste) und die Fraktion der Linken gestellt, der neue Antrag stammt aus der Verwaltung. „Wir hoffen, durch die Teilnahme zivilgesellschaftlicher Akteure eine breitere Basis zu haben“, sagt Michael Haufe, Abteilung Umwelt- und Naturschutz im Stadtbauamt. 

Jörn Kasbohm, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Bürgerschaft, betont die Bedeutung politischer und gesellschaftlicher Unterstützung. Da die Initiative von „unten nach oben“ wachse, gelte es, auch die Leute zu überzeugen, die die dem Thema nicht selbstverständlich wohlwollend gegenüberstehen. „Die Massen stellen sich andere Fragen“, sagte Kasbohm im St. Spiritus. „Ihr braucht eine Fraktion, die hinter euch steht.“ Wird das die Linke? Das hätte man noch nicht diskutiert, aber das Anliegen bewertet er positiv, so Kasbohm

Unterstützung findet das Projekt auch bei Martin Nätscher, Geschäftsführer von „Martins BIO GmbH“. „Der Titel ,Fairtrade-Stadt’ könnte ein Standortvorteil für Greifswald sein“, sagte Nätscher. Seine Firma verarbeite bereits fair gehandelte Ananas und Mango. Eine Kooperation mit Schulen in der Bildungsarbeit könne er sich vorstellen. 

Weltweit gibt es über 2000 Fairtrade-Städte in 28 Ländern, darunter Rostock und Greifswalds Partnerstadt Osnabrück. In Osnabrück dauerte es von der Idee bis zur Umsetzung ein Jahr. Die Ziele der UN 2015 verabschiedete die UN-Generalversammlung die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“. 

Degrassi Katharina

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