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Greifswald „Greifswald vergisst, dass es Oberzentrum der Region ist“
Vorpommern Greifswald „Greifswald vergisst, dass es Oberzentrum der Region ist“
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00:00 17.06.2017
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Greifswald

Sie ist offen und direkt. Greifswalds neue Bausenatorin Jeannette von Busse (38, CDU), sagt, was sie denkt. Zum Beispiel: „Greifswald macht viel für seine Einwohner, vergisst aber, dass es das Oberzentrum der Region ist.“ Ein solcher Satz wirkt in der zweiten Amtswoche wie ein roter Eintrag ins Klassenbuch der bisherigen Stadtpolitik.

Jeannette von Busse (CDU) ist nach Uta-Maria Kuder (CDU) und Gabriele Dönig-Poppensieker (SPD) die dritte Frau auf einem Beigeordneten-Posten im Greifswalder Rathaus. Quelle: Foto: Peter Binder

Eine weitere Verkehrsberuhigung des Zentrums sieht sie kritisch. „Ich kann verstehen, dass die Einwohner gerne in der Innenstadt sitzen wollen. Wir müssen aber auch den anderen Blick mitbringen.“

Dieser fällt Jeannette von Busse als Nicht-Greifswalderin oder auch Neu-Greifswalderin vielleicht ein Stück leichter. Von Busse lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Krummin auf der Insel Usedom. Ihr ist wichtig, Touristen, Firmen und all jenen, die aus dem Umland in die Stadt wollen, einen reibungslosen Zugang zu ermöglichen. Dazu gehört auch, dass sie Fahrradstreifen auf Hauptverkehrswegen ablehnt. „Wirtschaftsunternehmen werden sich nur ansiedeln, wenn Verkehrsfluss und Parken stimmen.“

Die Bausenatorin, die am 1. Juni ihren Posten übernommen hat, stellte sich und ihre Ziele diese Woche dem Wirtschaftsrat der CDU vor. Klar ist der Besuch bei den Parteikollegen ein Heimspiel.

Trotzdem ist die Begeisterung für die junge Frau sogar überdurchschnittlich groß: „Es ist ganz erfrischend, dass sich jemand aus der öffentlichen Verwaltung fürs Geldeinnehmen interessiert statt nur fürs Ausgeben“, lobt der Unternehmer Edwin Engelmann. Jeannette von Busse legt sofort nach: „Verkehr und Wirtschaft gehören zusammen. Dafür habe ich meine kaufmännische Lehre.“ Ihre Ausbildung im Groß- und Außenhandel, Bereich Heizung und Sanitär, machte sie nach dem Abitur am Wolgaster Gymnasium in Greifswald. „Das ist untypisch für eine Frau“, hat sie damals immer mal wieder gehört. Sie selbst hatte nie Berührungsängste. Im Gegenteil. Da ihr Vater Meister für Heizung und Sanitär war, lag die Wahl sogar nahe. Nach der abgeschlossenen Lehre studierte von Busse Jura in Greifswald, arbeitete nach dem zweiten Staatsexamen eine kurze Zeit als Rechtsanwältin in Zinnowitz, wechselte von dort in den Politikbetrieb.

„Die CDU suchte 2012 jemanden, der den parlamentarischen Untersuchungsausschuss zur Pleite der P+S-Werften begleitet“, so von Busse. Sie reichte ihre Bewerbung ein, ohne sich große Chancen auszumalen und bekam den Job. Ähnlich war es Anfang des Jahres, als die Juristin ihren Hut für den Posten des Greifswalder Vize-OB in den Ring warf. Ihr Vorgänger Jörg Hochheim (CDU) hatte das Amt niedergelegt, weil ihm die Unterstützung in der Bürgerschaft fehlte. Dort herrscht seit Jahren ein Patt zwischen linkem Bündnis (SPD, Linke und Grüne/Forum 17.4) und konservativem Lager (CDU, Bürgerliste, FDP, Kompetenz für Vorpommern, AfD). Wie eine Abstimmung ausgeht, hängt mitunter davon ab, auf welcher Seite mehr Abgeordnete fehlen. Am Wahltag für den Senatorenposten waren alle 43 Mitglieder anwesend. Die Wahl von Jeannette von Busse gelang, weil ein oder mehrere Mitglieder aus dem linken Bündnis für die Juristin gestimmt hatten. „Es war eine knappe Sache“, sagt von Busse.

Für sie ist es ein Schritt zurück in die Heimat. Bislang hatte sie ein Apartment in Schwerin, in dem sie wochentags wohnte, während ihr Mann und die beiden Kinder (2 und 6) in Krummin auf Usedom leben. „Zurzeit pendle ich jeden Tag nach Greifswald“, sagt von Busse. Sie freut sich, dass sie ihre Kinder nun abends ins Bett bringen oder morgens in die Kita fahren kann. Natürlich längst nicht immer. Denn wenn sich der Bauausschuss trifft, so wie diese Woche, dauert es schon mal bis 22 Uhr oder länger.

Auf dem Schreibtisch steht ein Foto der Familie. Mehr hat sie in ihrem Büro noch nicht eingerichtet. „Jetzt sind erstmal andere Dinge wichtig. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte mich so schnell wie möglich in alles einarbeiten“, sagt von Busse, während sie eine Karte mit allen Bebauungsplänen der Stadt ausbreitet. „Die soll an die Wand.“ Die neuen Wohngebiete an der Hafenstraße, am Bahnhof, in der Stadtrandsiedlung, das Fachmarktzentrum am Elisenpark – für von Busse ist klar: Es gibt viel zu tun.

Ehrenamtliche Bürgermeisterin

Seit Mai 2014 ist Jeannette von Busse ehrenamtliche Bürgermeister der Gemeinde Krummin auf Usedom (258 Einwohner). Diesen Posten möchte sie weiter ausüben. Außerdem ist die 38-Jährige Mitglied des Kreistages.

Während ihres Referendariats arbeitete von Busse unter anderem am Landgericht in Stralsund, bei der Staatsanwaltschaft in Stralsund und im Rechtsamt des damaligen Landkreises Ostvorpommern.

Katharina Degrassi

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