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Greifswald Greifswalder Barbier fordert fairen Wettbewerb
Vorpommern Greifswald Greifswalder Barbier fordert fairen Wettbewerb
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09:29 05.07.2019
Ivan Shabo gehört der Barbershop "Bartzart". Shabo ist Friseurmeister und war 2013 der erste Barbier Greifswalds. Heute ist er Inhaber von drei Filialen in Greifswald und einer in Stralsund. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

 Unter den Barbieren der Hansestadt herrscht Konkurrenz. Insgesamt fünf dieser Herrenfriseure buhlen um Kundschaft. Einer von ihnen vermutet ungleichen Wettbewerb: Ivan Shabo findet es unfair, dass er der einzige Barbier der Stadt mit Meisterbrief ist, während andere Barbiere ohne den höchsten Titel im deutschen Handwerk arbeiten. Zuletzt stieg der Frust, als er seine Pläne für eine Neueröffnung in Neubrandenburg auf Eis legte. Die Handwerkskammer hatte Einwände eingebracht.

Shabo eröffnete 2013 Greifswalds ersten Barbershop

„Mir wurde in einem Gespräch davon abgeraten, einen weiteren Laden zu eröffnen“, sagt Ivan Shabo, Inhaber von drei Filialen in Greifswald und einer in Stralsund. 2013 war er der erste Barbier in Greifswald. Der gebürtige Iraker floh 2001 mit seiner Familie nach Greifswald und wurde hier Friseurmeister. „Für den Meisterbrief habe ich einen Kredit aufnehmen müssen. Ich bin dafür zeitweilig nach Berlin gezogen.“ Er habe Geld und Zeit investiert, seine ersten Mitarbeiter eingestellt. Die Geschäfte liefen.

Zwei seiner ehemaligen Mitarbeiter eröffneten selbst eigene Barbershops. „Ich möchte endlich verstehen, warum mir davon abgeraten wird, einen weiteren Laden aufzumachen, aber andere ohne Meisterbrief eröffnen“, klagt Shabo. Er bemerke die Konkurrenz an sinkenden Umsätzen.

Friseur kann sein, wer einen Meistertitel hat

Als Betriebsleiter muss Shabo persönlich vor Ort sein können. In Stralsund und Greifswald gerade so möglich, in Neubrandenburg nicht. „Die Handwerkskammer hat Ivan Shabo nicht verboten, eine weitere Filiale zu eröffnen“, so Axel Hochschild, Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Die Kammer hätte gesagt, dass Shabo eine Person als Betriebsleiter benennen müsse. Betriebsleiter könne in der Regel sein, wer einen Meisterbrief hat. „Ich würde gerne einen Meister einstellen. Aber ich finde zurzeit keinen“, bedauert Ivan Shabo.

Der Friseur ist in Deutschland ein zulassungspflichtiges Handwerk. So legt es die Handwerksverordnung fest, das „Handwerks-Grundgesetz“. Zuständig für die Eintragung ist die Handwerkskammer. In der Regel darf nur selbstständig einen Betrieb führen, wer wie Ivan Shabo Meister ist. So sollen hohe Qualität gewährleistet und gleicher Wettbewerb gefördert werden. Ausnahmen macht die Kammer beispielsweise, wenn jemand meisterähnliche Fähigkeiten hat oder eine Meisterprüfung unzumutbar wäre. Stuft die Kammer eine Tätigkeit als Spezialtätigkeit ein, erteilt sie eine Ausnahmebewilligung.

Handwerkskammer erteilte zwei Ausnahmebewilligungen für Barbiere

So geschehen in Greifswald. Die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern erteilte zwei Ausnahmebewilligungen für Herrenfriseure, sagt Axel Hochschild, der selbst Malermeister ist. Wegen der speziellen Technik der Ausführung hätte die Handwerkskammer bei Barbieren eine Spezialtätigkeit angenommen.

Axel Hochschild ist Präsident der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern Quelle: Handwerkskammer

Das Besondere an Barbershops ist die Bartpflege. Häufig werden Ohrenhaare in Barbershops mit Feuer entfernt, Nasenhaare mit Wachs aus der Nase gerissen. Die Techniken stammen zumeist aus dem Nahen Osten. Der Haarschnitt gehört jedoch auch zum Angebot – eine klassische Friseurtätigkeit. „Die Erteilungen der Ausnahmebewilligungen erfolgten zur Zeit der sogenannten Flüchtlingskrise. Sie wurden nach bestem Wissen und Gewissen erteilt“, so Hochschild. Seit Anfang 2017 bekämen Herrenfriseure keine Ausnahmen mehr. Die erteilten Bewilligungen bleiben aber gültig, informiert die Pressestelle der Handwerkskammer. Sie sind bestandskräftig.

Ivan Shabo fordert neue Friseurausbildung

Dass kaum Meister in Barbershops arbeiten, dafür seien die Inhalte der Friseurausbildung verantwortlich, argumentiert Shabo: Zur Pflicht gehören unter anderem dekorative Kosmetik und Maniküre. Wissen, das ein Barbier nicht brauche. Drei Auszubildende hätten deswegen ihre Ausbildung bei Shabo abgebrochen. „Es braucht eine Spezialisierung auf den Herrenbereich.“ Dazu müsste die Ausbildungsverordnung geändert werden. Bisher nur ein frommer Wunsch.

Hochschild und Shabo waren deswegen bereits 2017 aneinandergeraten, als Shabo in einem Bericht der OZ dieselbe Forderung stellte. Hochschild, neben seiner Funktion als Präsident der Kammer ist er Vorsitzender der CDU in der Greifswalder Bürgerschaft, forderte, ebenfalls in der OZ, Toleranz und Offenheit für die Berufsbildungsmodalitäten des Gastlandes auch von Flüchtlingen wie Shabo. Er lehnte die Forderung ab. Heute sagt er auf OZ-Nachfrage: „Sollte der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks eine Änderung diskutieren, würden wir uns als Kammer dem nicht verschließen.“

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Christopher Gottschalk

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