Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswalder Bauschutt als Quell der Erkenntnis
Vorpommern Greifswald Greifswalder Bauschutt als Quell der Erkenntnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 12.08.2019
Der Bauhistoriker André Lutze zeigt das unverputzte Stück Stadtmauer Richtung Karl-Marx-Platz. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

 Dank der Sammelleidenschaft von André Lutze verfügt Greifswald über die größte Sammlung von beim Bau verwendeten Formsteinen in ganz Mecklenburg-Vorpommern. Sie umfasst derzeit etwa 14 000 Stück und wird laufend erweitert. „Ich habe immer alle – auch die nicht vollständig erhaltenen – mitgenommen“, sagt er. „Darum wissen wir heute viel mehr über die Verbreitung der Formsteine und können durch Vergleiche Datierungen vornehmen. Mit der Sammlung verbanden sich immer wissenschaftliche Fragestellungen.“

Bis etwa Mitte der 2000er Jahre hätten Bauherren solche Untersuchungen recht problemlos als Auflage bekommen. Der damalige Greifswalder Denkmalpfleger, der jetzige Bauamtsleiter Thilo Kaiser, habe die Bauhistoriker sehr unterstützt. „Wir haben sehr gut mit ihm zusammengearbeitet.“

Baubecon gab Mittel für Untersuchungen

Zweiter Pluspunkt: Damals war noch die Baubecon für Greifswald als treuhändischer Sanierungsträger tätig. Mit den von dieser verwalteten Städtebaufördermitteln wurden die Arbeiten von Archäologen und Bauhistorikern zumindest teilweise finanziert.

Heute sei der Druck hoch, möglichst schnell fertig zu werden und möglichst billig zu bauen. „Das ist der Geist der Zeit“, schätzt Lutze ein. Bauherren drängten darauf, dass nur noch oberflächliche Betrachtungen statt Untersuchungen zur Beantwortung gezielter Fragestellungen erfolgten. „Wenn ich in Dörfern tätig bin, ist es manchmal noch anders“, schätzt Lutze ein.

Statt anspruchsvoller Architektur Gebäude mit Löchern

Dieser Geist der Zeit präge neue Häuser, auch öffentliche Bauten. André Lutze wohnt in der Hunnenstraße. „Die neue Bibliothek auf dem benachbarten Campus Loefflerstraße der Universität wird dem Anspruch der alten Gebäude aus der preußischen Zeit nicht gerecht.“ Es entständen nur noch Gebäude mit Löchern. Das neue Hörsaalgebäude sei auch nicht besser.

Dabei habe die nach der Wende mögliche intensive Beschäftigung mit alten Mauern und anderen Resten im Boden viele Erkenntnisse ermöglicht. André Lutze gilt als „Mauerflüsterer“, dem allein mittels noch vorhandener mittelalterlicher Mauerreste jahrzehntgenaue Datierungen gelingen. Er hat ferner den Bauschutt als wichtige archäologische Quelle etabliert. Darum wissen wir heute sehr viel über die vor über 200 Jahren abgerissene Greifswalder Franziskanerkirche.

Schutt als Quelle der Erkenntnis

Sie stand auf dem Gelände des heutigen Pommerschen Landesmuseums. Der Bauschutt wurde von unseren Vorfahren im Boden des Nachfolgebaus, der Stadtschule an der Mühlenstraße, recycelt. Bei der Fundamentsanierung in Vorbereitung des Umbaus zur Gemäldegalerie wurde Schutt wieder entnommen. Lutze sah die Formsteine und wies die Denkmalpflege auf den möglichen Erkenntnisgewinn hin. Thilo Kaiser nahm die Anregung auf, es gab eine Auflage, der Spur nachzugehen.

Was Bergen und Greifswald verbindet

Der Bauhistoriker sammelte daraufhin die Formsteine beziehungsweise die Reste aus dem Schutt heraus. „Darum wissen wir, dass nicht nur der Chor der Kirche eingewölbt war.“ Da Formsteine der Franziskanerkirche auch in der Bergener Marienkirche verwendet wurden, ist inzwischen eine recht genaue Datierung in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts möglich. Dank gefundener Farbreste an Steinen wurde eine Rekonstruktion des Aussehens des Innern der Ende des 13. Jahrhunderts errichteten Kirche möglich. So gab es eine Werksteine nachahmende großquadrige Fugenmalerei.

 

 

Von Eckhard Oberdörfer

Das war mal eine Punktlandung: Um 11.11 Uhr kam eine kleine Greifswalderin am vergangenen Mittwoch zur Welt. Eine weitere bemerkenswerte Zahl verfehlte sie nur knapp.

12.08.2019
Greifswald Polizei bittet um Mithilfe - 80-Jähriger aus Löcknitz vermisst

Seit Sonntagmittag wird der 80-Jährige Herr Tesch aus Löcknitz vermisst. Er ist vermutlich mit einem weinroten Elektro-Krankenfahrstuhl unterwegs. Die Polizei bittet um Mithilfe bei der Suche.

12.08.2019

Ein sechsjähriges Mädchen und seine Mutter sind am Sonntag bei einem Auffahrunfall in Gribow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) verletzt worden. Ein Autofahrer kollidierte auf der B 111 mit dem Auto von Mutter und Tochter.

11.08.2019