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Greifswald Greifswalder Cinestar: „So lange es Emotionen gibt, wird es auch das Kino geben“
Vorpommern Greifswald Greifswalder Cinestar: „So lange es Emotionen gibt, wird es auch das Kino geben“
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19:00 21.11.2019
Ben Ansorge ist Area-Manager der Cinestar-Kinos in Mecklenburg-Vorpommern. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

„Der König der Löwen“, „Avengers Endgame“ und „Der Junge muss an die frische Luft“: Es sind die bisherigen Kassenschlager 2019 im Greifswalder Kino. Nach dem Einbruch der Besucherzahlen im vergangenen Jahr durch die Fußball-WM und dem heißen Sommer ging es in diesem Jahr für das Cinestar in der Dompassage wieder bergauf. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2018 gingen in ganz MV 762 103 Menschen ins Kino. Im diesjährigen ersten Halbjahr waren es laut Filmförderungsanstalt (FFA) 824 273 Kinobesucher.

Streaming-Angebote stehen im Wettbewerb zum Kino

Trotz des leichten Aufschwunges muss weiterhin investiert werden, sagt Ben Ansorge, Area-Manager der Cinestar-Kinos in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 17 Jahren ist der heute 47-Jährige Teil der Kette. Im vergangenen Jahr erlebte die gesamte Kinobranche einen Besucherrückgang, so Ansorge. Doch der Regionalleiter blickt optimistisch in die Zukunft. „Die Bedeutung von gemeinsamen Freizeitaktivitäten ist wieder gestiegen. Das betrifft auch das Kino.“ Den Vorteil des klassischen Kinos gegenüber Streamingdiensten wie Netflix oder Amazon Prime sieht Ansorge vor allem bei einem Punkt: „Es sind die Emotionen auf großen Leinwänden, die es bei Streaming nicht gibt.“

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Während Kim nur selten ins Kino geht und Streaming-Angebote nutzt, verschlägt es ihren Freund Daniel häufiger ins Filmtheater.  Quelle: Christin Lachmann

Gut die Hälfte der Nutzer von Streaming-Angeboten waren laut Filmförderungsanstalt im vergangenen Jahr auch gleichzeitig Kinogänger. „Es ist richtig, dass die Streaming-Angebote im Wettbewerb zu den Kinos, vor allem aber zu den Fernsehsendern stehen. Andererseits sind die Nutzer der Streaming-Dienste auch filmaffin und gehen häufiger ins Kino, als dies ‚Online-Abstinente‘ tun“, sagt Jens Steinbrenner, Pressesprecher der FFA.

Kino hat seinen Preis

Die beiden Studenten Kim und Daniel waren erst vor Kurzem im Greifswalder Filmtheater. Dort haben sie sich den Film „Joker“ angeschaut, eine US-amerikanische Comicverfilmung mit Joaquin Phoenix. „Davor war ich lange nicht mehr im Kino, weil keine so guten Filme liefen“, meint die 20-Jährige Kim, die Streaming-Dienste bevorzugt. „Kino hat eine gute Atmosphäre und eigentlich gehe ich gern ins Kino, aber es hat auch seinen Preis. Da muss man dann an Popcorn und Getränke sparen“, sagt Daniel.

Weiter mit den Kinopreisen heruntergehen, sei nicht möglich, erklärt Ben Ansorge. „Wir werden nicht staatlich gefördert. Wir haben Kosten für Miete, Strom und Personal.“ Zudem gebe es noch vergünstigte Angebote und Sondervorstellungen.

150 Filme laufen pro Jahr im Greifswalder Kino

Derzeit werden die sechs Säle mit insgesamt 944 Plätzen nach und nach neu bepolstert. Teils werden die Wände neu gestrichen. Etwa 30 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Kino. Davon sind rund 75 Prozent Studenten. Neben Actionfilmen bevorzugen die Greifswalder laut Ansorge auch Kinderfilme. Doch auch Sondervorstellungen von Filmen, die es nicht in das klassische Programm geschafft haben, laufen sehr gut: „Das liegt eben auch an den Studenten hier“, ist sich Ansorge sicher.

Die beiden Greifswalder Sebastian Gaßmann (22) und Jan Mathis Lühring (22) kamen als Stormtrooper ins Kino. Quelle: Elisabeth Woldt

Doch wer entscheidet eigentlich, welche Filme es ins das Greifswalder Programm schaffen? Zum einen obliege das der Programmplanung von Cinestar, die sich in Lübeck befindet. Zum anderen haben die Filmverleiher ein Mitspracherecht, da sie an den Filmumsätzen beteiligt werden, erklärt Ansorge. Rund 150 Filme flimmern pro Jahr in Greifswald über die Leinwände. Hinzukommen zweimal wöchentlich Sondervorstellungen, „die meist anspruchsvoller sind“, sagt der 47-Jährige.

Weitere Aktionen sind wichtig

Ansorge ist sich sicher: „So lange es Emotionen gibt, wird es auch das Kino geben.“ Dennoch weiß er um die Wichtigkeit von weiteren Aktionen. So zum Beispiel die Live-Übertragung der Met-Opera oder die Premiere der Dokumentation über den Greifswalder Fußball-Weltmeister Toni Kroos in der Hansestadt, zu dem die Eltern von Kroos und der Regisseur gekommen waren.

Die Dokumentation über den Fußballer war der Film, den Isabella Ames zuletzt im Kino gesehen hat: „Ich fand den sehr gelungen.“ Eigentlich ist die 56-Jährige ein großer Kino-Fan. „Doch oft habe ich nicht die Zeit dafür.“ Streaming-Angebote nutzt sie nicht: „Ich habe noch ein Prepaid-Handy und wir fangen gerade erst an, Musik online zu hören.“

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Von Christin Lachmann

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