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Greifswald Greifswalder Firma liefert riesige Module für den nächsten Kreuzfahrt-Giganten
Vorpommern Greifswald Greifswalder Firma liefert riesige Module für den nächsten Kreuzfahrt-Giganten
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13:49 05.12.2019
Bauleiter Olaf Nehls, Projektchef Andreas Labahn und Schlosser Heiko Below (v.r.) freuen sich nach der Verladung der Module, den Auftrag für die MV Werften fristgerecht fertiggestellt zu haben. Quelle: Petra Hase
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Greifswald

Das war ein hartes Stück Arbeit: Auf dem Firmenhof der Energieanlagen Greifswald GmbH (EAG) sind am Mittwoch drei riesige Module für das zweite Kreuzfahrtschiff der Global Class auf Schwerlasttransportern verladen und in der Nacht nach Warnemünde auf die Reise gegangen. Noch vor Sonnenaufgang trafen sie beim Auftraggeber, den MV Werften, ein.

„Das schwerste Teil wiegt 19 Tonnen“, berichtet Projektleiter Andreas Labahn. Bei den drei Stahl- und Gusselementen mit einem Auftragswert von über 600 000 Euro handele es sich um komplette Funktionseinheiten, die demnächst allesamt im Maschinenraum des Megaschiffes versenkt werden. Sie sind bis zu vier Meter lang und drei Meter breit.

Kiellegung für Global Class Schiff geplant

Das Greifswalder Unternehmen mit Sitz Am Eckhardsberg gehört damit zu einer ganzen Reihe von Zulieferern für die MV Werften. „Es gehört zu unserer Strategie, für die Global Class große Arbeitspakete in Auftrag zu geben“, sagt Sprecher Stefan Sprunk. Nachdem der erste Koloss vor knapp zwei Wochen von Warnemünde nach Wismar geschleppt wurde, ist die Arbeit am Schwesternschiff bereits im vollen Gang. Auch dieses ist wieder für 9500 Passagiere und 2200 Crewmitglieder konzipiert. „Am Montag feiern wir im Dock die Kiellegung“, blickt Sprunk voraus. Das erste Event dieser Art im September 2018 verfolgten über 1000 Mitarbeiter und Gäste.

Derweil widmet sich die Energieanlagen GmbH der Fertigstellung anderer Aufträge. „Der weiteste kommt aus Chile. Eine Misch- und Dosieranlage für Ammoniumnitrat“, sagt Geschäftsführer Michael Lüdeke und beziffert das Auftragsvolumen mit einer Viertelmillion Euro. Noch vor Weihnachten werde geliefert.

Größter Auftraggeber sei derzeit mit 4,6 Millionen Euro der Volkswagen-Konzern in Wolfsburg. Die Greifswalder sollen laut Labahn das Kühlwassersystem im Werk modernisieren. „Ab Januar werden dort etwa 25 Kollegen für acht bis zehn Monate zum Einsatz kommen“, berichtet Michael Lüdeke. Ein anderer Auftrag werde Schlosser und Schweißer im Frühjahr nach Finnland führen. Norwegen, Schweden, Holland, Belgien: Die Mitarbeiter des Unternehmens sind europaweit auf Tour. „Von der Auslastung her sind wir zu 30 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, den großen Rest anderswo“, verdeutlicht Lüdeke. Und in seinen Worten schwingt leise Stolz mit.

Derzeit 120 Mitarbeiter in Greifswald und Berlin

Denn noch vor drei Jahren war an diese gute Entwicklung kaum zu denken: EAG mit seinen derzeit etwa 120 Mitarbeitern an den Standorten Greifswald und Berlin ist zu großen Teilen aus dem Anlagen- und Kraftwerksrohrleitungsbau (AKB) hervorgegangen. Die AKB-Gruppe musste 2016 Insolvenz anmelden. „Das neue Unternehmen haben wir 2017 gegründet, mittlerweile erreichen wir wieder einen Jahresumsatz von zehneinhalb bis elf Millionen Euro“, sagt Jan Grabowski. Wie Lüdeke ist auch er geschäftsführender Gesellschafter. Dritter Gesellschafter ist Uwe Lüdemann, Geschäftsführer der Energieanlagen GmbH Neubrandenburg. Ziel sei es, diese Summe im kommenden Jahr noch einmal zu toppen. „Wir rechnen mit 13 bis 14 Millionen Euro Umsatz“, so Grabowski. Zu drei Vierteln seien die Auftragsbücher bereits jetzt gefüllt.

Das Erfolgsrezept neben jeder Menge Erfahrung, Kompetenzen der Mitarbeiter und umtriebiger Geschäftsbeziehungen: „Wir haben uns breit aufgestellt. Wenn etwa die Werften wieder ins Schlingern geraten sollten, wirft uns das nicht um“, versichert Michael Lüdeke. Der international agierende Industriedienstleister setze heute auf mehrere Standbeine. Der Betrieb widme sich neben dem Rohrleitungs- und Stahlbau auch dem Rückbau von Kernkraftwerksanlagen – etwa bei PreussenElektra, verschaffe sich mit Ingenieurs- und Konstruktionsleistungen sowie der Sonderteilfertigung einen Namen und arbeite Aufträge für die Energiewirtschaft ab.

Max-Planck-Institut zählt zu den Kunden

Zu den Partnern zählten daher auch Unternehmen wie die Stadtwerke, EWN Lubmin oder das Max-Planck-Institut. „Unsere Kunden und Lieferanten haben immer mitgezogen“, würdigt Lüdeke die Kooperationen. Einzig die Beziehungen zu Banken seien kritisch. „Nach einer Insolvenz werden die Bedingungen schwierig“, kommentiert Lüdeke knapp.

Problematisch auch: die Gewinnung von Arbeitskräften. Im Angestelltenbereich gebe es keine Sorgen, doch im gewerblichen Bereich sei das Unternehmen auf der Suche. Schlosser, Schweißer, Vorrichter... Auch Azubis seien willkommen. Es werden technische Zeichner, Anlagen- sowie Konstruktionsmechaniker ausgebildet. Die Konditionen für die Beschäftigten seien sehr gut, versichern Grabowski und Lüdeke unisono. Natürlich zahle EAG Tarif und dazu gebe es eine Reihe von Vergünstigungen beziehungsweise Zulagen.

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Von Petra Hase

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