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Greifswald Fischer in Greifswald-Wieck funken SOS
Vorpommern Greifswald Fischer in Greifswald-Wieck funken SOS
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16:40 13.06.2019
Der Fischer Ulrich Drews auf seinem Kutter „Jennifer“ Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Zwischen Brüssel und Greifswald-Wieck liegen 700 Kilometer Luftlinie: Doch wenn Fischer Ulrich Drews auf seinem Kutter im Hafen an der Wiecker Klappbrücke steht, spürt er den Atem der Brüssler EU-Politik: Schonzeiten für Fische, Stillliegezeiten für Kutter, Fangquoten-Begrenzungen und Ausgleichszahlungen. Im zweiten Jahr in Folge droht nun den Fischern ein Heringsfangverbot. Zumindest hat der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) ein solches auch für 2020 empfohlen. „Jetzt wird es richtig kritisch“, sagt Drews. An einen totalen Fangstopp glaubt er zwar nicht, aber er ist sich sicher, dass sich die EU-Fischereiminister im Herbst auf eine erneute drastische Absenkung der Fangmengen einigen werden. „Wenn eine weitere Absenkung der Quote kommt, sind wir in einer Woche mit dem Heringsfang fertig“, sagt der 60-Jährige.

23 Tonnen Hering – ein Klacks

Für dieses Jahr konnte ein Fangverbot gerade noch abgewendet werden - zugunsten eine Quotenreduzierung um 49 Prozent. 23,7 Tonnen Fisch durfte Drews im Frühjahr aus dem Greifswalder Bodden holen – ein Klacks! „In zwei Wochen waren wir in diesem Frühjahr mit der Heringsfischerei durch“, sagt er. „Früher haben wir zwei bis drei Monate dafür gebraucht.“ Außerhalb der Heringsfangzeit fängt Drews nicht quotierte Arten wie Flunder, Barsch, Hecht oder Aal. „Ist doch logisch, dass bei der anhaltenden Absenkung der Heringsquote der Druck auf diese Arten zunehmen wird.“

Der Heringsbestand in der westlichen Ostsee ist laut dem Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei seit Jahren in einem schlechten Erhaltungszustand. Als Ursache gilt die anhaltend niedrige Larvenproduktion. „Seit 2004 produziert dieser Bestand immer schwächer werdende Nachwuchsjahrgänge“, erläutert Institutsdirektor Christopher Zimmermann. Der Bestand sei inzwischen so klein, dass nur eine Schließungsempfehlung zu einem Anwachsen beitragen könne.

Fischer nicht Schuld an schrumpfenden Beständen

Obwohl die Forscher klimabedingte Faktoren für die schlechte Nachwuchsproduktion ausmachen, ist die Fischerei die einzige Stellschraube, damit künftig wieder mehr Hering in der Ostsee schwimmt. Die Forscher rechnen damit, dass es fünf bis sieben Jahren dauern könnte, bis der Hering in der westlichen Ostsee „bei moderater fortgesetzter Fischerei“ wieder in den grünen Bereich kommt. „Fangmengen wie zu Beginn der 1990er Jahre scheinen derzeit aber nicht mehr erreichbar“, resümiert der Fischereibiologe.

Seit Jahren gehen die Fangquoten für die Heringsfischer in der westlichen Ostsee zurück. Hier die Fangmengen für die FischereigenossenschaftGreifswalder Bodden“:

2010 – 613 Tonnen

2015 – 520 Tonnen

2017 – 450 Tonnen

2019 – 172 Tonnen

Die Fischer müssen sich also auf eine länger andauernde Durststrecke einstellen. Sieben Fischer arbeiten noch in Greifswald-Wieck. Als Drews vor 40 Jahren mit dem Fischen begann, fuhren von dort noch etwa 50 Berufskollegen zum Fischen hinaus. „Seit 30 Jahren kamen unsere Kollegen aus Ueckermünde, um von Wieck auf Heringsfang zu gehen. In diesem Jahr kam keiner mehr, weil sich das für sie nicht mehr gelohnt hat“, berichtet der Vorsitzende der Fischereigenossenschaft, Björn Michalak.

Fischer bangen um Absatz

Die Absenkung der Heringsquote hat weitreichende ökonomische Auswirkungen. Bislang lieferten die Greifswalder und Freester Fischer ihre Heringsfänge nach Dänemark, wo sie höhere Preise als im Sassnitzer Fischwerk erzielten. „Die Frage ist, ob es sich für die Dänen bei den paar Tonnen künftig noch lohnt, den Fisch von uns abzuholen“, bangt Drews.

Geschäftsführerin der Fischereigenossenschaft "Greifswalder Bodden" in Greifswald-Wieck, Ilona Volkwardt. Quelle: Martina Rathke

Auch Ilona Volkwardt, Geschäftsführerin der FischereigenossenschaftGreifswalder Bodden“ macht sich Gedanken, wie es weitergehen soll. Die Genossenschaft mit insgesamt 24 Mitarbeitern betreibt an der Kaikante eine Gaststätte, eine Räucherei und einen Laden sowie ein weiteres Verkaufsgeschäft in der Innenstadt. „Wir werben mit regional erzeugter Ware“, sagt Volkwardt. Der Hering stamme bislang aus Eigenfängen. Darauf war die Genossenschaft stolz. „Gehen die Fangquoten weiter in den Keller, werden wir Hering zukaufen müssen, notfalls aus der Nordsee“, sagt Volkwardt.

Küstenfischerei arbeitet selektiv

Drews ärgert sich, dass die traditionelle Stellnetz-Küstenfischerei mit denselben Maßstäben gemessen wird wie die Schleppnetzfischerei, die mit industriellen Methoden die Heringe aus der Ostsee holt. „Wir sind doch nur noch drei Hanseln.“ Eigentlich könnte man für die traditionelle Küstenfischerei die Quotenbegrenzungen ganz aufheben, meint er. „Wir können mit unseren Netzen überhaupt nicht im großen Stil fangen.“ Auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) hält Sonderregelungen für die kleine Kutter- und Küstenfischerei für notwendig, da sie küstennah und mit hochselektiven Fanggeräten agiere.

Die Sorge um die Quoten kratzt am Selbstbewusstsein der Branche. Stilliegeprämien würden zwar für eine Kompensation der Verluste sorgen, bringen aber die Fischer zunehmend in Abhängigkeit von staatlichen Zahlungen. „Das will keiner von uns“, sagt Michalak. Auf dem Fischereitag vor wenigen Tagen in Negast sagte Backhaus weitere Hilfen für die Fischer zu.

Martina Rathke

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