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Greifswald Greifswalder Impfgegner wehren sich gegen Neonazi-Image
Vorpommern Greifswald

Greifswalder Impfgegner kämpfen gegen Nazi-Image

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21:30 10.01.2022
Mehrere Hundert Personen, darunter etliche Mitarbeiter des Gesundheitswesens, demonstrierten am Montagabend auf dem Greifswalder Marktplatz gegen eine Impfpflicht und gegen etliche Coronamaßnahmen.
Mehrere Hundert Personen, darunter etliche Mitarbeiter des Gesundheitswesens, demonstrierten am Montagabend auf dem Greifswalder Marktplatz gegen eine Impfpflicht und gegen etliche Coronamaßnahmen. Quelle: Katharina Degrassi
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Greifswald

Mehr als 600 Frauen und Männer haben am Montagabend in Greifswald gegen eine Impfpflicht und gegen die aktuelle Coronapolitik demonstriert. Zentrales Anliegen der Kundgebung auf dem Marktplatz war es, mit dem Vorwurf aufzuräumen, die Demoteilnehmer würden dem rechten Rand zugehören, Neonazis, Coronaleugner und Querdenker sein.

„Wir sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“

Redner Bernd Ebner sprach davon, dass es zwar weltfremd wäre, anzunehmen, die Protestierenden würden eine homogene Gruppe sein. „Aber wir sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft“, sagte Ebner unter dem lauten Applaus der Demoteilnehmer.

„Ich will mich nicht erpressen lassen“

Beate Götz, die ebenfalls ans Rednerpult trat, forderte das Bündnis „Greifswald für alle“ auf, sich wegen der Verunglimpfung als Nazis zu entschuldigen. „Nichts liegt mir ferner als rechtsradikales Gedankengut“, sagte die Biogärtnerin und Mutter von vier Kindern. „Ich will mich nicht erpressen lassen, mich oder meine Kinder impfen zu lassen“, sagte Götz weiter. „Wir wollen nicht das System schützen um den Preis unserer körperlichen Unversehrtheit.“

Ärztin geht für ihre Patienten auf die Straße

Unter den Demonstrationsteilnehmern waren etliche Angestellte der Gesundheitsbranche, darunter Reinigungskräfte, Krankenschwestern und Altenpfleger. Eine Ärztin, die in der Corona-Notaufnahme des Uniklinikums arbeitet, warb mit dem Schild „Alle sind willkommen“ um ein Miteinander. „Ich gehe für unsere Patienten auf die Straße, damit diese als Menschen gesehen werden, unabhängig von ihrem Impfstatus“, sagte die Ärztin aus Greifswald. „Wenn jemand mit einem Herzinfarkt eingeliefert wird, fragen wir die Person auch nicht, ob sie mal geraucht hat oder warum sie so dick ist.“

Keine missverständlichen Plakate

Um Kritik vorzubeugen, bat Veranstaltungsleiter Andreas Pieper darum, keine missverständlichen Schilder, wie „Dexter help“ mit zur Demo zu bringen. Ein solches wurde vor einigen Wochen hochgehalten. Es spielt auf die Fernsehserie Dexter an, in der ein Mann Morde als Selbstjustiz verübt.

Nach der einstündigen Kundgebung führte die Demonstration über die Europakreuzung und Zahnklinik und auf der Wolgaster Straße zurück in die Innenstadt.

Von Katharina Degrassi