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Greifswald Greifswalder Physikprofessor: Ich vertraue der Klimaforschung
Vorpommern Greifswald

Greifswalder Physikprofessor: Der Klimaforschung kann man trauen

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12:22 16.01.2020
Fridays-for-Future-Demo in Greifswald Quelle: Stefanie Ploch
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Greifswald

Der menschengemachte Klimawandel ist eine Tatsache. Das begründete der Greifswalder Physikprofessor Christian von Savigny und die Hannoveraner Wissenschaftlerin Anna Leuschner im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Krupp-Kollegs in ihrem Doppelvortrag „Klimaforschung – kann man ihr trauen?“ Eingeladen hatte das Junge Kolleg. Leuschner wurde über die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft am Beispiel der Klimaforschung promoviert.

Die Wissenschaftler stützen ihre Feststellung auf die Vielzahl unterschiedlicher Beobachtungen/Messungen und die Fähigkeit der Wissenschaft, mögliche Fehler bei neuen Erkenntnissen zu korrigieren. „Es besteht Unsicherheit im Detail, aber der Klimawandel ist gewiss“, fasste Leuschner zusammen. Durch den Druck der gut organisierten Klimaskeptiker würden die Prognosen zu den Veränderungen sogar eher zu vorsichtig ausfallen.

„Die Welt geht nicht in 20 Jahren unter“

Von Savigny forderte aber dazu auf, die apokalyptische Wortwahl zu den Folgen des Klimawandels künftig zu vermeiden. „Die Welt geht nicht in 20 Jahren unter“, betonte der Atmosphärenphysiker.

Auf Nachfrage des Greifswalder Geologieprofessors Ralf-Otto Niedermeyer bestätigte von Savigny, dass es in der Erdgeschichte vergleichbare, nicht menschengemachte Veränderungen gegeben haben könnte. Ob die Prognosen, die vielen berechneten Zukunftsszenarien auf der Basis von historischen und aktuellen Temperaturdaten so exakt sind, wie sie daherkommen, stellte der Greifswalder Physikochemiker Detlef Starick infrage. Er hat sich in seiner Berufslaufbahn mit genauen Temperaturmessungen befasst.

Viele Einflüsse sind noch nicht richtig verstanden

Daran, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt, äußerte niemand Zweifel. Auch das mit großem zusätzlichen Ressourcenverbrauch verbundene Bevölkerungswachstum sei bei den Prognosen berücksichtigt, so Savigny auf Nachfrage. Dass die exakte Auswirkung von Einflussfaktoren wie das befürchtete Auftauen des Dauerfrostbodens oder der Einfluss der Wolken derzeit noch nicht wirklich gut verstanden seien, ändere nichts daran, dass es den menschengemachten Klimawandel gibt. Auch die Frage, wie es mit der thermohalinen Zirkulation (z. B. Golfstrom) weitergehe, werde noch kontrovers diskutiert.

Die Argumente der Skeptiker

Von Savigny setzte sich mit den wichtigsten Argumenten der sogenannten Klimaskeptiker auseinander. Die Zahl der Leute, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten beibt seit rund zehn Jahren annähernd konstant. In Deutschland sind es laut Umfragen etwa 16 Prozent, in den USA 30 Prozent. Warum so viele Menschen nicht überzeugt werden könnten, konnten Leuschner und von Savigny nicht wirklich erklären. Man könne sich verrennen, andere seien käuflich, mutmaßte Leuschner. Diskussionen im privaten Raum drehten sich häufig im Kreis, berichtete von Savigny. „Klimaskeptiker sollten sich auch mit wissenschaftlich gut verstandenen Zusammenhängen auseinandersetzen.“

Kohlendioxid aus Vulkanen ohne messbaren Einfluss

„Es wird behauptet, dass eine Veränderung der Aktivität der Sonne die Veränderungen herbeiführt“, so von Savigny. Ja, die beeinflusse das Klima wie die mittelalterliche Warmzeit, die bis in 14. Jahrhundert andauerte, und die kleine Eiszeit mit ihrem Höhepunkt ab Ende des 15. Jahrhunderts zeigten. Aber die Sonnenaktivität sei in den letzten 50 Jahren, einer Periode starken Temperaturanstiegs um fast ein Grad, nicht gestiegen.

Ein zweites großes Argument: Klimawandel habe es immer gegeben. Auch das sei richtig, so von Savigny. Aber beim Übergang von der letzten Eiszeit bis zum Holozän, also der jetzigen Erdgeschichtsperiode, sei die Temperatur nur um ein Grad je Jahrtausend gestiegen, auf dem Gebiet Mecklenburg-Vorpommerns waren es 1881 bis 2019 immerhin 1,5 Grad.

Nummer 3: Vulkane trügen mehr zur Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre bei als die Menschen und deren Tätigkeit. Falsch, so von Savigny. Der menschenverursachte Effekt sei 100 Mal höher. Selbst die stärksten Vulkanausbrüche wie der des Pinatubo hätten zu keinem messbaren Anstieg der Kohlendioxidkonzentration geführt.

Von Eckhard Oberdörfer

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