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Greifswald Skipper kritisiert Sicherheitsverordnung
Vorpommern Greifswald Skipper kritisiert Sicherheitsverordnung
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06:01 18.06.2018
Der Greifswalder Skipper York Haase gehört zu den Kritikern der neuen Sicherheitsverordnung für Traditionsschiffe. Quelle: Philip Schülermann
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Die „Lovis“ ist auf See – dort, wo sie hingehört. „Schiffe wollen fahren“, sagt York Haase (45), Skipper auf dem Traditionssegler – auf dem Weg durch die Museumswerft am Greifswalder Ryck, wo sich Bretter stapeln und Männer und Frauen an alten Schiffen werkeln. Auch Haase trägt Arbeitskleidung, kommt gerade von der Arbeit. Ist die „Lovis“ in ihrem Heimathafen, wird auch an ihr gebaut. Denn an einem so alten Schiff gibt es viel zu tun. Und mit neuen Richtlinien wie der Schiffssicherheitsverordnung (SchSV) werden wohl bald viele Umbauten anstehen.

Hoher Arbeitsaufwand für Ehrenamtler

York Haase ist einst von Bremen nach Greifswald gezogen. „Wegen des Schiffes“, sagt er. Unzählige Stunden Arbeit stecken in dem Fracht-Logger, den er und viele Ehrenamtliche 2000 zur heutigen „Lovis“ umgebaut haben. Bis dahin war sie als Dampfschiff unter anderen Namen unterwegs.Der Arbeitsaufwand werde immer höher, bemängelt Haase. Mit Inkrafttreten der Verordnung müssen die Greifswalder den Segler erneut umbauen. Der Skipper erwähnt die Elektrik – „die Regeln können dazu führen, dass wir die komplett erneuern müssten“ – und den Innenausbau. Der wiederum entspricht nicht den Brandschutzregeln. Auch der Anker, der bisher bei allen Fahrten ausreichte, genügt nach Ansicht der Behörden nicht mehr den Sicherheitsstandards. All das, sagt Haase, könnte das Aus für die „Lovis“ bedeuten. Könnte. Was wirklich verändert werden müsste, weiß er noch nicht. Es hake an der Kommunikation mit der Berufsgenossenschaft Verkehr. „Die war nie besonders glorreich“, sagt er. Das liege möglicherweise auch daran, dass sich der Verein um Haase für Veränderungen an der Verordnung starkgemacht hat. Seither sei das Verhältnis zur Behörde angespannt.

Crew-Mitglieder müssen geschult werden

Die neuen Vorschriften machen für den 45-Jährigen nicht immer Sinn, zumal bislang nur sehr wenige Unfälle passiert seien, an denen Traditionsschiffe beteiligt oder gar schuld waren. Was die baulichen Veränderungen kosten werden, wisse Haase trotz einer Auflistung notwendiger Arbeiten noch nicht. Größtes Problem: Der Ermessensspielraum der Prüfer der Berufsgenossenschaft. Andere Experten gebe es kaum noch, um sich ein objektives Urteil einholen zu können. Kosten für Umbauten sind das eine, die Personalfrage das andere. Crewmitglieder müssen künftig eine Seediensttauglichkeitsprüfung ablegen. Das kostet ebenfalls Geld, was aber zweitrangig sei, meint Haase. Viel schlimmer aus seiner Sicht: Der jetzt deutlich höhere bürokratische Aufwand „geht zu Lasten der Ressource Ehrenamt“. Statt zu segeln und zu werkeln, müssen Papierstapel abgearbeitet werden – schon bei kleinsten Umbauten, erklärt der Skipper. Viele helfende Handwerker könnten die Bedingungen gar nicht mehr erfüllen.

Bildungsschiff mit Freiraum

„Aber man soll ja auch nicht immer jammern“, sagt York Haase und winkt ab. Die Mitgliederzahlen sind stabil, finanziell komme der Verein Bildung/Ökologie/Erleben (BÖE) auch zurecht und die „Lovis“ ist wie auch derzeit meist auf See unterwegs.Wie andere Traditionsschiffe nimmt die „Lovis“ Gäste mit auf Törns. Sie zahlen dafür, die Einnahmen fließen in den Erhalt des Schiffes und die Pflege der maritimen Tradition. „Wir haben einen Freiraum geschaffen“, sagt Haase. Auf dem Greifswalder Schiff kommen Menschen zusammen, um an Ideen zu arbeiten. „Die ,Lovis’ ist ein Ort, um über die Gesellschaft nachzudenken und sie zu gestalten. Wir wollen Mut machen, sich einzumischen“, heißt es auf der Website des Vereins. Auch zu pädagogischen Zwecken stechen Gäste mit dem Schiff in See. Zweifellos gehören Haase und der Verein zu scharfen Kritikern der umstrittenen Verordnung. Dennoch gebe es auch Vorteile wie den Bestandsschutz. Bevor es den gab, wäre es fast dazu gekommen, dass die „Lovis“ nicht mehr als Traditionsschiff gegolten hätte. „Fast hätten wir nicht mehr fahren dürfen.“ Hat der Verein also auch von der kritisierten Richtlinie profitiert? Haase grinst, könne man so sehen. Dass Schiffe nun einen Nachweis über ihre Stabilität auf See mitführen müssen, findet er ebenfalls gut.

Erste Prüfungen verliefen unproblematisch

Bei allen Schwierigkeiten: Steht die Traditionsschifffahrt vor dem Aus? „Nein“, sagt Haase entschieden. Und das obwohl neue Auflagen dafür sorgen könnten, dass mehr Schiffe verschwinden, dass weniger Ehrenamtler sich für ihren Erhalt engagieren oder es immer schwerer werde, überhaupt ein Traditionsschiff aufzubauen.Haase will auf die Behörde zugehen, die Wogen glätten. Er erzählt, dass er von einigen Traditionsschiffern gehört habe, bei denen die Prüfung unproblematisch gewesen sei. „Ich freue mich über jedes alte Schiff, das bleibt.“ Und er sagt auch, dass man abwarten müsse, ob die neuen Regelungen letztlich sinnvoll sind oder nicht und damit der immens hohe Aufwand – für Behörden und Vereine zu rechtfertigen sei.

Philip Schülermann

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