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Greifswald Einmalige Gartensiedlung in Greifswald
Vorpommern Greifswald Einmalige Gartensiedlung in Greifswald
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09:32 27.12.2018
Das Fahrerhaus aus den 1930er Jahren wurde in die Siedlung integriert Quelle: Eckhard Oberdörer
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Greifswald

Ritterschlag für Riemserort. In diesem Jahr war die Siedlung eines der Denkmale des Monats von Mecklenburg-Vorpommern. Denn mit Riemserort entstand zwischen 1953 und 1968 trotz knapper Ressourcen eine qualitätvolle Siedlung. Seit 1994 steht die Siedlung mit Häusern, Grünanlagen und Freiflächen auf der Denkmalliste der Stadt. Über 40 Gebäude sind außerdem Einzeldenkmale. Gegenwärtig wird in einem nicht immer konfliktfreien Dialog mit den Bürgern die denkmalpflegerische Zielstellung überarbeitet. „Der Denkmalwert wurde im Zuge der Begehung und Beurteilung der Siedlung im Vorfeld der Fortschreibung der denkmalpflegerischen Zielstellung vollumfänglich bestätigt“, so Stadtsprecherin Andrea Reimann. In MV gibt es kein zweites Beispiel einer solchen Kleinhaussiedlung der Nachkriegszeit.

Laut Annette Krug, die sich im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege mit Riemserort befasst, ist die Qualität der Siedlung ein Zeichen der Wertschätzung für das Virusforschungsinstitut (Friedrich-Loeffler-Institut) auf der Insel Riems. Aus Gründen des Seuchenschutzes war auch Riemserort Sperrgebiet. „Die damit einhergehenden Härten für die Bewohner sollten durch eine bewusst aufgelockert und reizvoll angelegte Siedlung, einen guten Wohnstandard, Gartengrundstücke und eine vergleichsweise umfangreiche Ausstattung der Siedlung mit Gemeinbedarfseinrichtungen wie einem Landwarenhaus mit Gaststätte und Friseur, Schule und Kindergarten kompensiert werden.“

Krug verweist darauf, dass anders als in der späteren DDR in Riemserort das historische bauliche Erbe und gewachsene Strukturen berücksichtigt wurden. Sie verortet „Einflüsse der Gartenstadtbewegung, des malerischen Städtebaus und des organischen Städtebaus“ in Riemserort. Die Siedlung wirke wie „eine typische Kiefernlandschaft, die sich innerhalb der Dünenlandschaft erhebt.“ Aus Kostengründen griff man auf Typenbauten zurück, die aber für die Siedlung modifiziert wurden. Nur die Gebäude für die öffentliche Versorgung und zwei Wissenschaftlerhäuser wurden individuell geplant. Krug hebt die stimmige Einbeziehung des Kraffahrerkomplexes aus den 1920er Jahren und zweier Wohnbauten aus den 1930er Jahren hervor.

Wie geht es weiter in Riemserort, die Frage bewegt auch die Stadtplaner. Die nach der Wende aufgestellten Bebauungspläne „Rügenblick“ und Brooker Weg“ dürften sich angesichts inzwischen vorgenommener Veränderungen kaum noch umsetzen lassen. Das verdeutlichte Bauamtsleiter Thilo Kaiser auf einem Workshop zu den Greifswalder Ortsteilen an der Dänischen Wiek.

Die Verwaltung kann sich aber noch eine Wohnbebauung in geringerem Umfang Richtung Kalkvitz vorstellen, so Kaiser. Es gibt auch Ideen für die Schaffung dringend benötigten Parkraums.

Straße An der Wiek in Riemserort Quelle: Eckhard Oberdörfer

Das hat Geschichte: die Grundstücke mit Ein- und Zwei-Familienhäusern waren nach der Wende privatisiert worden. Die übrigen Grundstücke verkaufte das Land für 14 Millionen Mark im Jahr 2000 an Neubrandenburger Firma BBN Baubetreuungsgesellschaft von Ulrich Schmidt. Den großen Ankündigungen folgten keine Taten.

2016 erwarb die die A4RES Group GmbH aus Bautzen von Torsten Grüber alles, was noch in BBN-Besitz war. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Sie kündigte an, rund 18 Millionen Euro in Riemserort investieren. Seither gibt es Konflikte. So gab es Streit, weil 17 Familien die Carports auf ihren Grundstücken nicht mehr nutzen können, weil die Zufahrtsstraße den Bautzenern gehört, die die Nutzung untersagten (die OZ berichtete). Dem Riemser Seglerverein wurde der Pachtvertrag gekündigtt. Das Gelände ist nun eingezäunt.

Das Gelände am Hafen ist eingezäunt, nächstes Jahr könnte hier gebaut werden Quelle: Eckhard Oberdörfer

An der Gristower Wiek, im neuen Ortszentrum, sollen Dienstleister angesiedelt und Wohnungen gebaut werden. Auch eine Gaststätte mit Blick zum Hafen und die Sanierung Bootshauses sind geplant. Laut Thilo Kaiser könnten die Zäune im nächsten Jahr verschwinden. Im nächsten Jahr sollte es Baurecht für die Bautzner geben.

Blick vom Hafen in Riemserort nach Gristow Quelle: Eckhard Oberdörfer

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