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Greifswald Ein Studentenroman aus Greifswald
Vorpommern Greifswald Ein Studentenroman aus Greifswald
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12:54 02.06.2019
Wohnheime in der Fleischerwiese Quelle: Peter Binder
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Greifswald

Laborluft macht durstig. Zumindest war das in vergangenen Zeiten so, den Zeiten an die sich Bernd Kebelmann in „Trunkene Formeln bei Boddenlicht. Ein Studentenroman Greifswald 1966 bis 1971“ erinnert. Gewohnt hat er in dem in der Erinnerung immer mehr verklärten Wohnheimkomplex Fleischerwiese, also in unmittelbarer Bahnhofsnähe – ein Ort lebendigen bierseligen Studentengesangs. Und das in einer Zeit, die durch die dritte Hochschulreform der DDR geprägt war. Zu deren Schwerpunkten gehörten eine Verbesserung der Ausbildung, die Forschungsprofilierung in Richtung ökonomischer Bedürfnisse, die sozialistische Erziehung der Studenten und die Neugestaltung der marxistisch-leninistischen Weiterbildung.

Kebelmanns (Jahrgang 1947) Alter Ego Norbert gerät genau in diese Zeit. Er kommt als „Fink“, also Erstsemester, in ein, wie man damals sagte, Vier-Mann-Zimmer im Heim III. Das war vor allem Chemiestudenten vorbehalten. So mancher Begriff wird Ehemalige erfreuen. So die Bezeichnung „Heim null“ für die benachbarte Nervenklinik oder „Schummel-Elli“, die im Laden des Wohnheimkomplexes das Sagen hatte. Ein Name, „den keiner mehr überprüfte“, so Knebelmann.

Auch an die „Biermesse“ in den „sieben heiligen Zügen“, die zum Wiesenbrauch gehörte, erinnert er sich. Bier, Schnaps und Mädchen, viele Seitenhiebe auf die FDJ, die SED und die Stasi spielen eine große Rolle in seinem Buch. Bei „Muttchen Hackbarth“ in der Domstraße war Norbert auch Biertrinken und freute sich über unsozialistische Gespräche. „Norbert war zufrieden. Gegen das permanente sozialistische Phrasengeschwafel, die offizielle ML-Dogmatik sprach man hier über Religion! Hier fanden sich Männer und Frauen ein, bald hatte es Norbert begriffen, die an der Greifswalder Uni Theologie studierten.... Sie lachten und traten den braven Genossen, die zum Glück nicht anwesend waren, immer wieder verbal in den Hintern.“

So manches damals populäre Greifswalder Studentenlied zitiert Knebelmann, z. B. „Heil dir im Ziegenstall“. Es gilt als Anspielung auf den spitzbärtigen SED-Chef Walter Ulbricht, dessen Porträt auch in der legendären Gaststätte „Falle“ in der Fischstraße überm Tresen hing. In Strophe 2 heißt es: „Wir sind in GeWi (Gesellschaftswissenschaften, das Studium des Marxismus-Leninismus war obligatorisch) schlecht, wir haben niemals Recht, sagt die Partei. Aus uns wird einmal nichts, aus uns wird zweimal nichts, aus uns wird dreimal nichts, Dank der Partei.“

Ein Gedicht hat es Knebelmann besonders angetan, sodass er nicht nur einmal erwähnt wird: „Aber eins, aber eins, das bleibt besteh’n, die Greifswalder Uni wird nie untergeh’n! Aber eins, aber eins, das ist gewiss, die Greifswalder Uni ist der letzte Schiss!“

Das sind Verse, die Ehemalige auch heute noch bei Treffen regelrecht schmettern. Natürlich darf bei einem Chemiker Prof. Hans Beyer nicht fehlen, der Autor des in Ost und West populären Lehrbuches „Organische Chemie“, das er laut Knebelmann auch in seinem Büro verkaufte: „Hans Beyer war beliebt, wegen des Freibiers zu seinem Geburtstag und wegen der jovialen Art aus seinem ,Boch’ zu lesen!“

Zeitzeugen wie der Biologe Henry Witt ärgern sich über Fehler, wie die Bezeichnung des für Wohnungen zuständigen Mitarbeiters als Prorektor und die Erinnerung an eine Gaststätte „Deutsches Haus“, die es gar nicht gab. Auch in der Darstellung der Greifswalder Geschichte haben sich leider viele Fehler eingeschlichen.

Bernd Knebelmann: Trunkene Formeln bei Boddenlicht. Ein Studentenroman Greifswald 1966 bis 1971, ISBN 978-3-86465-1111-3, 17,80 Euro

Eckhard Oberdörfer

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