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Greifswald Greifswalder Studie: Eine bestimmte Art Sport hält das Gehirn lange fit
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Greifswalder Studie: Eine bestimmte Art Sport hält das Gehirn lange fit

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13:59 14.02.2020
Wer – wie dieser Triathlet in Stralsund – regelmäßig an seine Leistungsgrenze geht, schützt sich vor Alterserkrankungen wie Demenz. Quelle: Kai Lachmann
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Greifswald

Ute Normann steigt vom Fahrrad, wischt sich mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn und steht wenige Sekunden später am nächsten Fitnessgerät. „Ich fühle mich einfach wohl und besser, seit ich hier Sport mache. Vor rund fünf Jahren habe ich angefangen“, sagt die 53-Jährige aus Wackerow. Dreimal pro Woche schwitzt sie im Greifswalder Fitnessstudio Sinus; manchmal fahre sie die rund sechs Kilometer aus ihrem Heimatort mit dem Rad.

Ute Normann zeigt, wie ein gesunder Lebensstil aussehen kann. Umso besser für sie und andere Sportler: Wer läuft, Gewichte hebt oder schwimmt, hat tendenziell ein größeres Gehirn als Menschen, die stattdessen auf der Couch sitzen – das hat eine statistische Analyse der Leistungsfähigkeit und Gehirngröße von rund 2000 Menschen ergeben.

Ute Normann trainiert bis zu dreimal pro Woche an der Kinesismaschine im Greifswalder Fitnessstudio Sinus. Gegen Widerstand stärken Bewegungen in verschiedene Richtungen die Muskulatur. Quelle: Christopher Gottschalk

Sport als Vorbeugung für Demenz

„Ich gehe davon aus, dass Menschen mit Sport ihr Gehirn pflegen und damit Alterskrankheiten wie Demenz vorbeugen können“, sagt Hans Jörgen Grabe, Mitautor der Studie, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Greifswald und Forschungsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Standort Rostock/Greifswald. Unter den betroffenen Hirnbereichen befand sich unter anderem der Hippocampus, der bei Alzheimererkrankungen eine entscheidende Rolle spielt.

Probanden gehen an Leistungsgrenze

Grabe betont, dass nur Sport an der persönlichen Leistungsgrenze die positive Wirkung auf das Gehirn entfalte. „Alibisport bringt in dieser Hinsicht nichts.“ Gemessen hatten die Forscher die maximale Sauerstoffaufnahme unter Höchstbelastung, um die körperliche Fitness der Probanden festzustellen und schlussfolgern nun daraus, dass wer sich regelmäßig verausgabe, den Anfängen einer Demenzerkrankung wehren könne.

Demenz geht mit dem Verlust der Erinnerungsfähigkeit, Orientierung und depressiven Symptomen einher (siehe Infokasten). Weil der neurologische Verfall bereits rund 20 Jahre vor den ersten Symptomen beginne, sollte möglichst früh mit dem Sport angefangen werden, so Grabe.

„Durch Sport werden erwiesenermaßen körpereigene Substanzen freigesetzt, die dem Verlust von Nervenzellen entgegenwirken können. Außerdem gibt es Hinweise, dass körperliche Aktivität die Neubildung von Nervenzellen anregen kann“, sagt Hans Jörgen Grabe. „Wir haben zudem erste Hinweise, dass unsere These über einen längeren Zeitraum korrekt ist“, sagt Hans Jörgen Grabe. Das zeigen Vergleichswerte über einen Zeitraum von zehn Jahren, die derzeit für eine neue Studie ausgewertet werden.

Mike Volkert, Geschäftsführer und Trainer im Sinus, beobachte wie förderlich sich Sport gerade auf ältere Mitglieder auswirke, wenn sie sich muskulär stärken und regelmäßig unter Leuten sind. „Sie bleiben dauerhafter dabei und finden neue soziale Gruppen, in denen sie sich wohlfühlen. Die bessere Fitness hilft dabei, den Alltag besser zu meistern und aktiv zu bleiben“, schätzt Volkert ein.

Über 90-Jährige bleiben fit

Eine Sportgruppe im Fitnessstudio Sinus schwingt einen Ball wie in einer Schwimmbewegung hinter den Rücken – eine von vielen Übungen, um im Alter fit zu bleiben. Quelle: Christopher Gottschalk

„Wir haben Mitglieder, die sind über 90 Jahre alt und fit. Andere wiederum haben selbst nach schweren Erkrankungen mit Ende 80 angefangen und zeigen ganz klare Fortschritte“, so Volkert.

Daten stammen aus Ship-Studie

Grundlage der Studie mit dem Titel „Cardiorespiratory Fitness and Gray Matter Volume in the Temporal, Frontal, and Cerebellar Regions in the General Population“ ist eine statistische Analyse der Daten von rund 2000 Teilnehmern der Ship-Studie (Study of Health in Pomerania).

Frauen und Männer im Alter zwischen 21 und 84 Jahren verausgabten sich dafür auf einem Fahrradergometer, um über eine Messung der Atemluft die maximale Sauerstoffaufnahme zu testen: Je höher das sogenannte VO2max, desto besser der Zustand des Herz-Kreislauf-Systems. Die Gehirne der Probanden durchleuchteten die Forscher anschließend im Magnetresonanz-Tomograf (MRT).

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Von Christopher Gottschalk

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