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Greifswald Wahlen in Greifswald: Im Namen der Demokratie
Vorpommern Greifswald Wahlen in Greifswald: Im Namen der Demokratie
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19:23 26.05.2019
Wahlvorstand Matthias Felber und Wahlhelferin Katrin Saß vom Bezirk 014 der Käthe-Kollwitz-Grundschule entleeren die Urne für die Europawahl. Quelle: Christin Lachmann
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Greifswald

Kurz nach 18 Uhr: Über 400 weiße Stimmzettel landen auf dem Tisch, als Matthias Felber, Wahlvorstand im Wahlbezirk 014 der Käthe-Kollwitz-Grundschule, zusammen mit Katrin Saß die erste von drei Urnen entleert. Bis 24 Uhr, schätzt der 33-Jährige, werden die insgesamt neun Wahlhelfer einen Teil der Greifswalder Stimmen für die Europa-, Kreistags- und Bürgerschaftswahl auszählen. Ein guter Schnitt, sagt Felber. „Vor fünf Jahren haben wir noch bis zwei Uhr nachts ausgezählt. Dieses Mal wird es schneller gehen.“ Der Grund: Die Wahlbezirke wurden von 35 auf 42 angehoben.

Während die Europawahl noch einfach auszuzählen ist, da nur eine Stimme vergeben werden konnte, wird es bei der Kreistags- und Bürgerschaftswahl etwas aufwendiger. „Das machen wir mit einer Abstrichliste. Einer liest dazu die Stimmen der Stimmzettel laut vor.“

Bibelverse oder Parolen auf den Stimmzetteln

Für Matthias Felber ist es die zweite Wahl als Wahlvorsteher. 2011 fing der Angestellte der Stadt als Beisitzer an. Eine seiner Aufgaben: gültige und ungültige Stimmzettel beim Auszählen trennen. „Parolen und Statements dürfen nicht auf den Stimmzetteln stehen. Dann werden sie aussortiert.“ Das passiere bei jeder Wahl, sagt er. Gesehen hat Felber schon einiges: „Vor fünf Jahren hat jemand einen ganzen Bibelverse auf den Stimmzettel geschrieben. Dieser wurde natürlich auch als ungültig aussortiert.“

Der Student David Engh-Bongers engagiert sich zum vierten Mal als Wahlhelfer. „Allerdings ist es meine erste, bei der gleich drei Wahlen ausgezählt werden.“ Dass diese Wahl etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, stört den Studenten nicht: „Im Namen der Demokratie mache ich das gern. Schließlich ist es in anderen Ländern nicht selbstverständlich, dass man seine Stimme abgeben kann.“ Seine Schicht im Wahlbezirk der Käthe-Kollwitz-Schule ging von 13 bis 18 Uhr, danach ging es ans Auszählen. Der große Ansturm des Wahllokals war auf den Vormittag und kurz nach dem Mittag verteilt.

Lange Warteschlange in der Kita „Lütt Matten“

Anders im Wahllokal in der Kita „Lütt Matten“ in der Kapaunenstraße: Die Wähler warteten am Nachmittag zeitweise über 20 Minuten, um ihre Stimme abgeben zu können. „Das ist kein Problem für mich“, sagte Wählerin Sabine Jepp. Schließlich könne man während der Wartezeit bereits auf die Stimmzettel schauen und nach „seinen“ Kandidaten suchen. Gerade die Europawahl sei ihr in diesem Jahr besonders wichtig. „Einige haben ja von einer Richtungswahl gesprochen, und ich finde, das stimmt.“ Sabine Jepp wünscht sich ein soziales und friedliches Europa.

Der Raum in der Kita ist eng, die Luft am Nachmittag schon leicht stickig. Dennoch ist die Stimmung im Wahllokal gut. „Keiner hat sich über die Wartezeiten beschwert“, sagt die stellvertretende Wahlvorsteherin Miriam Richter-Tokar. „Die Wähler benötigen mehr Zeit, fragen teilweise noch einmal nach, wie viele Stimmen sie abgeben müssen.“ Auch das Zusammenfalten der langen Wahlzettel brauche Zeit. Die Leiterin des Greifswalder Wahlbüros, Eveline Janzen, hatte den Wahlvorständen Pralinen mitgegeben. Doch die lagen, wie auch der von Richter- Tokar selbst gebackene Kuchen, nach Stunden noch im Regal. „Keine Zeit“, lacht die junge Frau. Mit frischem Obst, mal einen Schluck Kaffee und Wasser hielten sich die Wahlhelfer fit. Ihnen sollte noch eine lange Wahlnacht bevorstehen.

Höhere Wahlbeteiligung zum Vergleich der Wahl 2014

Schon am Nachmittag hatte sich eine höhere Wahlbeteiligung abgezeichnet. Bis zum Mittag hatten 10 826 Einwohnern (23,63 Prozent der Wahlberechtigten) ihre Stimme für die Europawahl abgegeben. Das waren deutlich mehr als bei der Wahl 2014. Zum Vergleich: Damals lag die erste Hochrechnung der Wahlbeteiligung bei 19,17 Prozent.

Auch Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne), der am späten Vormittag im Hafenamt in Wieck wählte, musste anstehen. Zusammen mit Frau und Sohn gab der Stadtchef seine Stimme ab. Für wen, das wollte er natürlich nicht verraten. Er freue sich über den großen Andrang. Zum ersten Mal sei tatsächlich Europa bei einer Europawahl zum Thema geworden. Die Greifswalder spürten, dass Bürgerschaft, Kreistag und Europaparlament wichtige Weichen, auch für ihr persönliches Leben, stellen.

Im Briefwahllokal hatten die Wahlhelfer viel zu tun. Zunächst mussten alle Briefe geöffnet werden, bevor mit der Auszählung begonnen wurde. Quelle: Stefanie Ploch

Mehrere Urnen und eine Wahlkabine wurden nachgeliefert

Der Andrang hat auch den Mitarbeitern der Wahlleitung einiges abverlangt. „Wir haben bis zum späten Nachmittag bestimmt sechs bis sieben Urnen in die Wahllokale nachgeliefert“, so die Leiterin des Greifswalder Wahlbüros, Eveline Janzen. „Die Wahlumschläge sind dieses Mal so dick, dass die Urnen schneller voll sind.“ Auch eine ganze Wahlkabine wurde wegen der langen Schlangen ausgeliefert. „Wir haben alles in Reserve. Alles“, sagte Janzen und lacht. Ansonsten sei die Wahl beeindruckend ruhig verlaufen. „Auch wenn uns aus vielen Wahllokalen Wartezeiten gemeldet wurden, waren die Wähler doch sehr verständnisvoll. Es gab kein Murren oder Schimpfen.“ Grund für den Stop-and-go Verkehr vor der Urne sind nach Ansicht von Janzen die langen Wahlzettel. „Klar, das braucht ja eine gewisse Zeit, bis die Wähler ihre Kandidaten gefunden haben.“

Christin Lachmann / Martina Rathke / Anne Ziebarth

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