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Greifswald Greifswalder Waldorfschüler paddelten nach Berlin
Vorpommern Greifswald Greifswalder Waldorfschüler paddelten nach Berlin
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17:44 07.10.2019
Über 400 Kilometer paddelten die Waldorfschüler von Greifswald nach Berlin. Quelle: Jonas Körner
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Greifswald

Der Start vor genau einer Woche am Museumshafen war bereits fantastisch. Aber die Erlebnisse auf der Strecke und beim Zieleinlauf in der Hauptstadt toppten alles: Das Drachenboot der Freien Waldorfschule Greifswald ist nach 420 Kilometern Wasserstraße wie geplant in Berlin eingetroffen. 200 Kinder der 5. bis 13. Klassen hatten sich vergangenen Sonnabend unter dem Jubel hunderter Schaulustiger auf den Weg gemacht, um bei der internationalen Party zum 100. Jubiläum der Waldorfschulen weltweit dabei zu sein. Unterstützt wurden sie dabei von etwa 50 Eltern und Lehrern.

„Es war eine riesige Herausforderung, an der die gesamte Schulgemeinschaft gewachsen ist. Alle entwickelten einen enormen Sportsgeist, zeigten Verlässlichkeit, obwohl nicht alles nach Plan lief“, resümiert Lehrerin Anne Wolf am Tag der Rückkehr. Trotz einjähriger Vorbereitung sei das Konzept bereits am zweiten Tag kurzzeitig außer Takt geraten: „Wir hatten enormen Gegenwind und Wellengang, erreichten deshalb später als erwartet die Zecheriner Brücke“, erzählt Steuermann und Paddler Peer Blohm (18). Für das Drachenboot zunächst kein Problem, doch die MS Stubnitz verpasste den Brückenzug. Auf dem Begleitschiff waren die zwei anderen Teams, die abwechselnd das Boot über Flüsse und Kanäle paddelten. Der andauernde Wind machte eine Weiterfahrt übers Stettiner Haff auch für die Paddler nahezu unmöglich. Am Ende fiel die Entscheidung, eine etwa 30 Kilometer lange Strecke mit Bussen und Bahn zurückzulegen. „Doch der gesamte Rest der Strecke nach Berlin klappte“, sagt Peer Blohm. Unvergesslich werde ihm das Erlebnis Schiffshebewerk Niederfinow bleiben. Wie der gesamte Tross samt Begleitbooten 36 Meter in die Höhe „gehoben“ wurde – „das war echt fantastisch“, sagt der Schüler.

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Das gemeinsame Zelten, das Essen, der Kampf mit Regen und Wind, der Rhythmus beim Paddeln bis hin zur Zielankunft, als unzählige Waldorfschüler aus anderen Orten das Ufer säumten, darunter auch Rheinländer. „Die waren alle mit dem Rad über 600 Kilometer nach Berlin gefahren“, erzählt Pia Schulte-Hötte. Für die 18-Jährige war es ein tolles Gefühl, auch mit den jungen Schülern in einem Boot zu sitzen. „Und wenn die Lütten nicht mehr konnten, mussten eben die Großen mehr ran“, sagt sie. Unterm Strich waren die Schüler mit durchschnittlich neun bis zehn Kilometer pro Stunde schneller als gedacht. „Gerechnet hatten wir mit sechs bis sieben km/h“, so Peer Blohm. Ebenso unvergessen bleibe ihnen die große Festveranstaltung mit Präsentationen von Schülern aus China, Namibia und anderen Ländern am Donnerstag im Tempodrom. „Auch unsere Schüler standen mit ihren Paddeln im Rampenlicht“, sagt Anne Wolf.

Möglich sei dies alles geworden, weil die Eltern mitzogen. „Viele nahmen sich eine Woche Urlaub“, würdigt Wolf das Engagement und nennt Mandy Rybandt stellvertretend für alle. „Sie managte mit unserer Kollegin Elke Müller die Küche – und das stets mit bester Laune.“

Waldorfschule Greifswald: Per Drachenboot nach Berlin

Von Petra Hase