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Greifswald Lebensmittel für lau: Greifswalder retten Apfel, Banane und Co.
Vorpommern Greifswald Lebensmittel für lau: Greifswalder retten Apfel, Banane und Co.
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16:19 30.05.2019
Lebensmittel liegen in einem Korb. Dieser „Fair-Teiler“ steht in Greifswald an der alten Mensa. Jeder kann dort Lebensmittel ablegen und welche mitnehmen. Quelle: Christopher Gottschalk
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Greifswald

Der Apfel eingedellt, die Banane etwas braun, der Joghurt einen Tag abgelaufen – was tun mit noch genießbaren, aber nicht mehr verkäuflichen oder abgelaufenen Lebensmitteln? Ganz einfach: Teilen, antworten Aktivisten von Foodsharing Greifswald (Deutsch: „Essen teilen“). Zu diesem Zweck steht an der alten Mensa ein Fahrrad mit einer Kiste, in der jeder Lebensmittel ablegen und mitnehmen kann. So solle Schluss gemacht werden mit der Verschwendung von Lebensmitteln, sagt Sarah Haupt von Foodsharing Greifswald.

11 Millionen Tonnen Nahrung landen im Müll

Elf Millionen Tonnen wurden in Deutschland noch 2011 weggeworfen. Das hatte die Uni Stuttgart ermittelt. Die Umweltorganisation „World Wide Fund“ spricht mittlerweile von 18 Millionen Tonnen, rund 40 Prozent davon werfen private Haushalte weg. Am häufigsten landen frisches Gemüse und Obst im Müll, so das Bundesministerium für Ernährung. „Oft führen das Mindesthaltbarkeitsdatum, gesetzliche Vorgaben oder das Aussehen dazu, dass Lebensmittel entsorgt werden müssen. Der Großteil dieser Lebensmittel ist aber durchaus noch genießbar“, sagt Sarah Haupt von der Greifswalder Foodsharing-Gruppe. Haupt holt alle zwei Wochen von kooperierenden Betrieben Lebensmittel zum Verteilen ab. In Greifswald arbeiten beispielsweise ein Bio-Händler und Markttreibende mit den Lebensmittelrettern zusammen.

17 Tonnen Lebensmittel in Greifswald nicht im Müll gelandet

Seit dem Jahr 2015 seien bei 2000 Abholungen in Greifswald 17 Tonnen Lebensmittel vor dem Müll bewahrt worden, resümiert Sarah Haupt. Die Zahl derer, die sich für das Thema interessieren, lässt sich an den 2000 Angemeldeten in der öffentlichen Facebookgruppe von Foodsharing Greifswald ablesen. Vor allem über die sozialen Netzwerke werde kommuniziert, wo und welche Lebensmittel abzugeben sind, sagt Haupt. Auf der Plattform foodsharing.de finden sich 127 angemeldete Greifswalder. Rund 40 Leute würden laut Haupt regelmäßig Lebensmittel abholen. Noch 2016 zählte die aktive Gruppe nur 25 Mitglieder. Hauptsächlich würden sich Studierende engagieren.

Jan Korte (27, links), Marleen Maier (25) und Helena Linde (21) stehen mit Lebensmitteln am Fairteiler-Rad an der alten Mensa. Quelle: Christopher Gottschalk

Den Aktivisten gehe es um ein verändertes Konsumverhalten jedes Einzelnen, sagt Helena Linde (21), Studentin der Landschaftsökologie und Lebensmittelretterin. „Gerade an seinem Konsumverhalten kann jeder etwas ändern. Außerdem bekommt man Lebensmittel umsonst, die noch gut sind.“ Die Qualitätskontrolle der abgegebenen Nahrung übernehme jeweils die Person von Foodsharing Greifswald, die gerade am Fahrrad Lebensmittel abgibt. Für eine regelmäßige Kontrolle sei gesorgt. Nicht abgegeben werden dürfen Milch oder Fisch – sie sind zu leicht verderblich.

„Viele Betriebe sind erst einmal skeptisch, weil sie sich Sorgen um die Frage der Haftung machen. Als Food-Saver übernimmt man die Verantwortung für die abgeholten Lebensmittel, das ist in einer Rechtsvereinbarung festgehalten“, sagt Sarah Haupt. „Betriebe sind somit von jeglicher Haftung für die Genießbarkeit und gesundheitliche Unbedenklichkeit der Waren entbunden.“

Gegen Kohlenstoffdioxid und hohen Wasserverbrauch

Weniger Lebensmittel zu verbrauchen soll zudem den globalen Wasserverbrauch und den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid durch die Lebensmittelproduktion senken. Ein Mittel, um weniger zu verschwenden: „Es hilft, saisonal und regional zu kaufen und nur so viel, wie man braucht“, sagt Sarah Haupt. In Supermärkten finden sich zudem Regale mit preislich reduzierter Ware, die bald abläuft. Die Foodsharer möchten jedoch mehr: Supermärkten soll verboten werden, Lebensmittel wegzuschmeißen. Frankreich führte so ein Verbot bereits 2016 ein.

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Keine Konkurrenz zur Tafel

Dass Lebensmittel vor dem Müll gerettet werden, hat auch Tradition in der Sozialhilfe, wie sie die Greifswalder Tafel anbietet. Hier geht es um bedürftige Menschen, die von aussortierten Lebensmitteln profitieren. Entsteht durch Foodsaving eine Konkurrenz zur Greifswalder Tafel? Bisher nicht, heißt es aus dem Vorstand. „Wir holen verpackte Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden. Foodsharing heißt auch, dass übrig gebliebene Lebensmittel, die nicht mehr verpackt sind, abgeholt werden. Das hat mit der Tafel erst mal nichts zu tun.“

Christopher Gottschalk

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