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Greifswald Greifswalder forschen an revolutionärer Diagnostik für Nierenkranke
Vorpommern Greifswald

Greifswalder wollen Diagnostik und Medikamentenentwicklung für Nierenkranke revolutionieren

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19:13 10.01.2020
Mentorin Prof. Dagmar Braun (links), Tim Endlich und Prof. Nicole Endlich stoßen auf gutes Gelingen an Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

Noch gibt es keine Medikamente und Therapien für die Nierenkranken dieser Welt – allein in Deutschland sind es neun Millionen. Die Greifswalder Professorin Nicole Endlich will das mit ihren Mitstreitern ändern und arbeitet mit ihrem Mann Prof. Karlhans Endlich mit schier unglaublicher Energie daran. Sie hat Unterstützer auf allen Ebenen gefunden, den Nordverbund „Save the kidney“ gegründet, zahlreiche Wettbewerbe gewonnen und ist sogar als DJ tätig, um Geld für die Forschung zu beschaffen.

Der jüngste Erfolg ihrer Bemühungen wurde jetzt im Biotechnikum der Universitätsstadt mit jeder Menge Prominenz aus Stadt und Landkreis gefeiert. „Ich bin geflasht, dass so viele gekommen sind“, sagte Nicole Endlich. Einige Gäste mussten sogar stehen. Gefeiert wurde im Biotechnikum die Gründung der Firma Nipoka durch Nicole Endlich und Sohn Timm. Der Wirtschaftsmathematiker ist dafür aus Mannheim nach Vorpommern zurückgekehrt.

Landrat Michael Sack (CDU) sieht große Chancen in der Bioökonomie Quelle: eon

Nipoka bietet ein an der Unimedizin Greifswald entwickeltes Verfahren zur schnellen und exakten Bestimmung der Funktionsfähigkeit der Niere an. „Das ist ein Werkzeug für die Grundlagenforschung und für die Medikamentenentwicklung“, erläuterte Tim Endlich die Idee. Ein erster Partner in Deutschland und ein weiterer in den USA konnten bereits gewonnen werden.

Nierenerkrankungen erkenne man zu 80 Prozent an Veränderungen der Podozyten, der Füßchenzellen, erläuterte Endlich. Bisher ließe sich nur sagen, ob es eine Veränderung gibt oder nicht. Das Verfahren von Nipoka ermögliche nun mit Hilfe der Lichtmikroskopie Veränderungen der Füßchenzellen genau zu bestimmen. Das verheiße deutlich bessere Diagnosen, freut sich der Kaufmännische Vorstand der Unimedizin Marie le Claire. Gegenwärtig werde ein Kooperationsvertrag erarbeitet. „Nipoka ist ein tolles Vorbild für die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis.“

„Hier geht richtig die Post ab“, betont die Nipoka-Mentorin Prof. Dagmar Braun, die Geschäftsführerin der Braun Beteiligungs GmbH. Sie hat die Firma von Anfang an ehrenamtlich begleitet. „Ich traue dem Team zu, dass es ein Verfahren entwickelt, dass Biopsien für die Diagnostik überflüssig macht. Das wäre ein großer Durchbruch.“ Braun, selbst Ärztin und Pharmaforscherin, sieht auch einen großen Vorzug in der Verwendung von Zebrafischlarven für die Forschung, für die Medikamentenentwicklung. „Man kommt mit Zellkulturen schnell zu Ergebnissen, aber die Aussagekraft für komplette Organismen ist begrenzt“, erläutert sie. Das heißt, Tierversuche mit Ratten, Mäusen, womöglich sogar Primaten würden benötigt, um exakte Aussagen zur Wirksamkeit von Pharmaka zu gewinnen. „Da blutet einem das Herz.“ Durch den Einsatz der Fischlarven werde dieses Dilemma vermieden.

Der Kaufmännische Vorstand der Unimedizin Marie le Claire und OB Stefan Fassbinder nutzten die Feier für ein ausgiebiges Gespräch Quelle: eob

Nicht nur Dagmar Braun feierte die exzellenten Möglichkeiten am Gründerstandort Greifswald. Niemand müsse nach Berlin abwandern. „Ich fühle mich hier wie die Made im Speck.“ Sowohl das Technologiezentrum Vorpommern als auch das Biotechnikum seien randvoll, ergänzt Wolfgang Blank, Geschäftsführer des Wirtschafts- und Technologieparks Nordost (Witeno). In zwei Jahren werde das nächste Gebäude, das Life Science und Plasmatechnikum eingeweiht. Und kurz vor Weihnachten habe man sich das erste Mal mit der Firma Capufaktur getroffen, um über die Inhalte für das digitale Innovationszentrum in der früheren Mensa am Wall zusprechen. „Wir wollen hier schnell vorankommen.“

In der ersten Reihe neben Greifswalds OB Stefan Fassbinder (Grüne, rechts) die Greifswalder Landtagsabgeordneten Egbert Liskow (CDU) und Mignon Schwenke (Linke) Quelle: eob

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Von Eckhard Oberdörfer

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