Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Greifswalderin sauer: Serviceabbau bei der Sparkasse Vorpommern
Vorpommern Greifswald Greifswalderin sauer: Serviceabbau bei der Sparkasse Vorpommern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:14 27.11.2019
Die Sparkassenfiliale im Ostsee-Einkaufszentrum hat einen Selbstbedienungsautomaten abgebaut. Quelle: OZ
Anzeige
Greifswald

In der Filiale der Sparkasse Vorpommern im Ostseeeinkaufszentrum (OEZ) im Ostseeviertel Parkseite ist der Platz neben der Tür frei. Früher stand dort ein Selbstbedienungsterminal. Eine Ersatzbeschaffung wird es nicht geben, informiert Kati Ambrosat, die Sprecherin der Sparkasse Vorpommern, auf Nachfrage der OZ.

Die langjährige Sparkassenkundin Christel Jahr (78) findet das sehr ärgerlich. Als Terminal zwei abgebaut wurde, hatte sie zunächst geglaubt, dass nur ein altes Gerät ausgetauscht wird.

Ärgerlich: Gebühren, wenn Geld aufs Konto geht

„Wir zahlen seit September sogar Gebühren, wenn Geld auf unserem Konto eingeht“, ergänzt die Rentnerin ihre Kritik an der Verschlechterung der Bedingungen. „Auch Überweisungen am Terminal kosten jetzt 40 Cent.“ Zwar sei die Tastatur des Selbstbedienungsterminals schon ziemlich abgegriffen gewesen, aber er war noch funktionsfähig. „Letzten Freitag war das einzige noch verbliebene Terminal kaputt“, erzählt Christel Jahr, und mit dem Belegleser für Überweisungen gebe es auch Probleme.

Beim Treff mit der OZ an einem Nachmittag stehen Kunden in einer Schlange vor dem Terminal. Das sei häufig so, bestätigt ein Mann, und so richtig schlimm sei das immer Anfang des Monats, wenn die Menschen Geld bekommen haben. „Das ist einfach nur schlechter Service.“ Christel Jahr berichtet, dass sie sogar schon anderen Erledigungen nachgegangen war, weil junge Leute in einem Zug sehr viele Geldgeschäfte erledigten, was gefühlt ewig dauerte.

Auslastung der Terminals geht zurück

„Immer mehr Kunden nutzen die Vorteile des Onlinebankings“, hält Kati Ambrosat dagegen. Daher nehme die Nutzung der Terminals für Überweisungen und Kontoauszüge kontinuierlich ab. Die Auslastung der beiden Terminals im Ostseeeinkaufszentrum habe zuletzt unter 50 Prozent des Durchschnitts gelegen. Ein Gerät reiche aus.

„Von Serviceverlust kann man nicht sprechen, da nach wie vor ein Selbstbedienungsterminal im OEZ vorhanden ist“, so die Sprecherin. Was die Preise betreffe, empfehle man den Kunden außerdem, ihr Kontomodell zu überprüfen. „Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Kontomodell zu Ihrem Nutzungsverhalten passt.“ Knapp die Hälfte der Girokonten der Sparkasse Vorpommern seien fürs Onlinebanking freigeschaltet. „Jährlich kommen etwa sieben Prozent hinzu und zwei Drittel der Onlinebanking-Kontakte erfolgen mittlerweile über mobile Endgeräte.“ Auch die Sparkassen-App werde immer mehr genutzt.

Senioren wollen kein Onlinebanking

Christel Jahr am einzigen verbliebenen Selbstbedienungsautomaten der Filiale Quelle: OZ

Christel Jahr kann dieser Argumentation nicht nur wegen der Wartezeiten und der Ausfälle des Terminals am konkreten Ort wenig abgewinnen. „Sicher nutzen immer mehr Menschen das Onlinebanking“, räumt sie ein. Aber gerade im Ostseeviertel Parkseite gebe es eine besondere Situation. „Hier befindet sich das Hufelandheim, in unserem Viertel leben sehr viele ältere Menschen“, erinnert sie. Von ihnen könne man nicht erwarten, dass sie jetzt zum Onlinebanking wechseln. Im Gegensatz zu Ambrosat ist sie überzeugt, dass ein zweites Gerät weiter vonnöten ist.

Ambrosat dementiert, dass es einen Plan zum Abbau weiterer Selbstbedienungsterminals gibt. Aber man prüfe laufend die Auslastung und bei Ersatzinvestitionen naturgemäß besonders. Auch vor dem Hintergrund der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank dürfe die Sparkasse Vorpommern keine Fehlinvestitionen vornehmen. „Ein erneuter Filialabbau ist aktuell kein Thema.“

Andere Sparkassen verzichten ganz auf Terminals

Die Verringerung der Zahl der Terminals bei der Sparkasse Vorpommern verläuft indes zumindest noch sehr sachte. Die Ankündigung der Sparkasse Südholstein im Juni dieses Jahres nach dem Auslaufen von Leasingverträgen die Selbstbedienungsterminals abzuschalten, sorgte für eine Protestwelle. Rentnern wurden Onlinebanking-Schulungen angeboten. Bei der Hamburger Sparkasse sucht man die Terminals schon länger vergeblich. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen.

Sparkasse: Wir erfüllen Gründungsauftrag

Laut Kati Ambrosat erfüllt die Sparkasse Vorpommern weiter den Gründungsauftrag, „die breite Bevölkerung mit Bankdienstleistungen zu versorgen. Wir haben das dichteste Geldautomatennetz in unserem Geschäftsgebiet und 80 Standorte.“ Man biete den Kunden in den 23 Filialen und den neun Beratungscentern umfassende Beratung.

An den Beratern hat auch Christel Jahr nichts auszusetzen. „Unsere Bankbetreuer sind sehr gut. Aber vom Abbau des Service bin ich enttäuscht.“

Mehr zum Lesen:

Von Eckhard Oberdörfer

Modernes Bauen prägt nach dem Ersten Weltkrieg auch den früheren deutschen Nordosten und das wiedererstandene Polen. Es ist eine besondere Variante, die an die Backsteingotik anknüpft.

27.11.2019

Weltweit kommt es am Freitag wieder zum Klimastreik der „Fridays For Future“-Bewegung. Auch in Greifswald wird demonstriert. Die evangelischen Kirchengemeinden unterstützen die Aktion.

27.11.2019

Ein 12-jähriger Junge ist am Dienstag bei einem Unfall in Greifswald schwer verletzt worden. Als er am Nachmittag den viel befahrenen Hansering überqueren wollte, wurde er von einem Transporter angefahren.

26.11.2019