Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Das Greifswalder Zentrum und die Zeugen der Geschichte
Vorpommern Greifswald Das Greifswalder Zentrum und die Zeugen der Geschichte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:09 29.08.2019
Blick Quelle: Eckhard Oberdörfer
Anzeige
Greifswald

Über Jahrhunderte ist Greifswald nicht über seine historischen Mauern hinaus gewachsen. Erst nach dem Anschluss 1863 an das Eisenbahnnetz entstanden die historischen Vorstädte. Die Rolle der Altstadt als Mittelpunkt, als zentraler Anbieter von Kultur und Konsum ist dabei nie infrage gestellt worden. Auch nicht, als Greifswald gemeinsam mit Gotha und Bernau zu einer Modellstadt des Stadtumbaus in der DDR erhoben wurde und infolge der Industrialisierung Greifswalds die großen Plattenbaugebiete Schönwalde I, Schönwalde II, Ostseeviertel Parkseite und Ryckseite entstanden.

Die Versteinerung der Stadt

An die beeindruckende Entwicklung Greifswalds nach der Stadtrechtsverleihung am 14. Mai 1250 durch Pommernherzog Wartislaw IV. im 13. Jahrhundert erinnern noch heute bauliche Zeugnisse. Bauhistoriker wiesen nach, dass bereits damals die Marktostseite mit stattlichen Bürgerhäusern bebaut war. Eine dieser hohen Mauern kann man noch heute in der jetzigen Post bewundern. Eine entscheidende Voraussetzung für den Aufstieg Greifswalds, das in er zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bedeutender als Stralsund gewesen sein soll, war die Verleihung des Privilegs zum Bau einer Stadtmauer im Jahre 1264. Von der damaligen Befestigung sind große Teile erhalten. Die Mauer schloss auch die erste Stadterweiterung Richtung Westen ein. Einen zweiten Markt in der Neustadt hat es indes, anders als lange Zeit angenommen, nicht gegeben. Nach 1264 „versteinert“ die Stadt.

Ein Zentrum der Rechtsprechung

1255 beginnt Greifswald bereits, ein bedeutender Ort der Rechtsprechung für andere Gemeinden mit Lübischem Recht zu werden. Seit diesem Jahr wurde die aufstrebende Stadt in Streitfragen angerufen. In der Greifswalder Altstadt ist mit der Gerichtsvorhalle in St. Marien ein in Europa einmaliges Zeugnis der Rechtsprechung erhalten geblieben. Es gehört allerdings nicht zur weltlichen, sondern zur geistlichen Gerichtsbarkeit.

Das Anfang des 18. Jahrhunderts gebaute schwedische Hofgericht (Domstraße 20 a) ist nur eines der erhaltenen Zeugnisse weltlicher Rechtsprechung in der Altstadt. Das bedeutende Denkmal der Schwedenzeit ist nicht der einzige erhaltene historische Gerichtsort. Erinnert sei an den zeitweiligen Sitz des schwedischen Obertribunals für die deutschen Gebiete (Bachstraße 32) und an die Gebäude aus preußischer Zeit des Oberappellationsgerichtes Domstraße 20 (heute Juristen der Uni), das Schwurgericht Domstraße 7 (jetzt Gerichtszentrum) und das Polizeigefängnis Ecke Domstraße/Baderstraße.

Drei Obergerichte Mecklenburg-Vorpommerns

Heute haben in Greifswald mit dem Verfassungsgericht, dem Oberverwaltungs- und dem Finanzgericht (noch Schönwalde, künftig wie die anderen Domstraße) allein drei Obergerichte Mecklenburg-Vorpommerns im Stadtzentrum ihren Sitz. Mit dem laufenden Neubau des Amtsgerichts in der Domstraße setzt die Bundesrepublik diese Tradition fort. Eher eine liebenswerte und gern besuchte Kuriosität sind die Karzerräume im Anbau des Audimax in der Rubenowstraße. Sie erinnern daran, dass die Hoheit über die studentische Disziplin in Preußen erst am Ende der Weimarer Republik offiziell aufgehoben wurde.

Führung im Studentenkarzer Quelle: Eckhard Oberdörfer

Schulen und Hochschule sind sehr präsent

Ohne Heinrich Rubenow wäre die Stadt nicht das, was sie heute ist. Ein Zentrum der Bildung und Kultur von überregionaler Bedeutung. Das Pommersche Landesmuseum, das Caspar-David-Friedrich-Zentrum, die Galerien und das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg sind Beispiele dafür. Der hochgebildete, reiche und machtbewusste Mann trug entscheidend dazu bei, dass in der Nikolaikirche am 17. Oktober 1456 feierlich die Universität gegründet wurde. Die Bauten der Hochschule aus verschiedenen Jahrhunderten, auch die Wohnhäuser der Lehrer, Schüler und Verwaltung prägen bis heute entscheidend die Altstadt. Bauliche Spuren reichen bis in die Gründungszeit.

Der historische Unicampus Quelle: eob

Das Haus Domstraße 22 wurde beispielsweise schon 1456 der Hochschule geschenkt und diente dann als das Wohn- und Amtshaus des Seniors der Juristischen Fakultät. In dem jetzigen Gebäude gibt es noch historische Teile dieser Zeit. Viel auffälliger ist der Gebäudekomplex um das in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Hauptgebäude mit den preußischen Hochschulbauten und dem zum 400-jährigen Jubiläum eingeweihten Rubenow-Denkmal. Einmalig ist wohl der Komplex der früheren Medizinerbauten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts an der heutigen Loeffler- und Wollweberstraße. Er wird ergänzt um Mensa, Bibliothek und Hörsaalgebäude ein geistes- und sozialwissenschaftlicher Campus. Nur die auch im Inneren sehenswerten Institute für Anatomie und Pathologie sind geblieben.

Universitäten gibt es nicht ohne Schulen. Die Geschichte des Greifswalder Gymnasiums reicht bis 1561 zurück. Das mehr als 200 Jahre alte Stadtschulgebäude ist heute Gemäldegalerie des Pommerschen Landesmuseums. Innerhalb des Altstadtrings nutzt das heutige Jahn-Gymnasiums das 1872 als Höhere Töchterschule gebaute Lyzeum. Nach der Wende entstand die moderne Kollwitzschule.

Der Umbau der Stadt in der DDR

Prägend auf heutige Besucher wirken in der Altstadt nicht nur die beim Flächenabriss erhaltenen historischen Gebäude, sondern auch die Plattenbauten, die in der DDR entstanden. Es wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren versucht, mit industriellen Mitteln historische Traditionen aufzunehmen.

Einige Besonderheiten

Die Innengestaltungdes Doms mit den mittelalterlichen Malereien in den Seitenschiffen, der romantisch-neugotischen Gestaltung des Mittelschiffs und der von Hans Kock in den 1980er Jahren gestalteten neuen Mitte zählt zu den echten Besonderheiten des an Kunstschätzen so reichen Doms.

Die Darstellung des 1545 in Wieck gestrandeten Wals in St. Marien ist wohl einmalig in Europa, in St. Nikolai gibt es Spuren so einer Darstellung.

Mit dem Berliners Hans Seliger (1865 bis 1920) schuf einer bedeutendsten Glaskünstler seiner Zeit für St. Jacobi Fenster.

Unbedingt lohntein Blick auf den Hof von St. Spiritus mit den kleinen Häusern von 1778.

Mit dem Kaufhaus am Markt (Hugendubel) verfügt Greifswald auch über ein schönes Denkmal für Konsumtempel der Kaiserzeit.

Im Haus Markt 11 mit seiner gotischen Fassade befinden sich mit den Wappen von Städten und Rittergütern im Obergeschoss Zeugnisse der Verwaltung der kaiserzeitlichen Kreisverwaltung. Das Haus war in der DDR lange Sitz der SED-Kreisleitung.

Beliebter Treff, der Fischerbrunnen Quelle: eob
Der geradezu klassische Blick zum Dom vom Markt Quelle: eob

Lesen Sie weiter

Zur Innenstadt können Sie hier mehr erfahren:

Die Hüterin des Friedricherbes in Greifswald

Pastorin der größten Greifswalder Gemeinde

Ein Rheinländer möchte Vorpommern nie verlassen

Experte für alte Gemäuer liebt die Platte

Besondere Atmosphäre in Denkmalhaus

Der Verwalter der Greifswalder Unischätze

Das Greifswalder Zentrum und die Zeugen der Geschichte

Von Eckhard Oberdörfer

Bei den durchschnittlichen Hilfsfristen des Rettungsdienstes ist Vorpommern-Greifswald mit knapp neun Minuten spitze unter den Flächenlandkreisen. Doch es hapert in einigen ländlichen Bereichen. Nun wird das Rettungsdienstnetz überplant .

29.08.2019
Usedom Lubmin Vorreiter im Land Erster Schutzwald in MV ausgewiesen

Gemeinde hat 2010 Antrag für Anerkennung ans Land gestellt. Am Mittwoch nahm Landwirtschaftsminister Till Backhaus nun die Ausweisung der Fläche zwischen Ortsgrenze und Industriepark Lubminer Heide vor.

28.08.2019

Maximilian Christopher Weihs erschafft Kunst, die vor seinem inneren Auge entsteht. Nun stellt er seine Werke im Quartiersbüro in Schönwalde II aus.

28.08.2019