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Greifswald Fast 10 Prozent Greifswalds sind Moore
Vorpommern Greifswald Fast 10 Prozent Greifswalds sind Moore
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13:06 07.02.2019
Pflegeeinsatz des Nabu im Ladebower Moor Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

 Über neun Prozent der Greifswalder Stadtfläche sind Moore. Wer zum Beispiel aus Richtung Neuenkirchen auf Greifswald zukommt, fährt durch eine Moorlandschaft. Aber auf den ersten Blick ist das kaum erkennbar. „Wenn die Maulwurfshügel richtig schwarz aussehen und sich Gräben durchs Gelände ziehen, dann ist es ein Zeichen, dass es sich um ein Moor handelt“, erläuterte Susanne Abel aus Anlass des Internationalen Tages der Feuchtgebiete am Mittwochabend im Soziokulturellen Zentrum St. Spiritus. Dorthin hatte das Greifswald Moor Centrum unter der Überschrift „Moorschutz ist Klimaschutz - auch in Greifswald“ eingeladen. Susanne Abel arbeitet für das auf der ganzen Welt gefragte und tätige Zentrum.

„Es gibt sehr viele Moore, aber dass sie unscheinbar sind, ist ihr Verhängnis“, ergänzte ihre Kollegin Christina Lechtape. „Das soll sich ändern und in dieser Änderung der Wahrnehmung liegen große Chancen, für deren Nutzung wir die Bürger gewinnen möchten.“ Dank einer im Auftrag der Stadt von Felix Reichelt erstellten Studie des Zentrums existiert eine gute Grundlage für die weitere Arbeit. Neben dem eingangs erwähnten Polder Steinbecker Vorstadt gibt es beispielsweise auf dem Stadtgebiet den Polder Heilgeisthof, den Polder Eisenhammer nördlich des Ryck, das Moor um den Brandteichgraben an der Loitzer Straße, Moorflächen am Müllberg, das Naturschutzgebiet Ladebower Moor, den Bereich der Ziesemündung und Waldmoore im Elisenhain. Alles in allem sind es 470 Hektar.

„Fast alle Moore sind entwässert, auch das Naturschutzgebiet Ladebower Moor“, sagte Susanne Abel. Trockene Moorflächen setzen das maßgeblich für die Erderwärmung verantwortliche Kohlendioxid frei. Pro Hektar und Jahr seien es 15 bis 20 Tonnen. Das entspreche dem Ausstoß eines Pkw, der zwei Mal um die Erde fährt. Zudem sackt das Moor durch die Zersetzung des Torfs durch den Luftsauerstoff ab. „Stark entwässerte Moore wieder zu vernässen, hat ein enormes Potenzial für den Klimaschutz“, so Abel. „Auch für den Artenschutz ist es gut.“ Ebenso profitiert in Küstennähe der Hochwasserschutz, wenn das Land hinterm Deich nicht mehr absackt und mehr Wasser aufnehmen kann. In der Studie von Reichelt sind Handlungsempfehlungen enthalten. „Greifswald sollte eine Moorstrategie entwickeln“, erläuterte Abel. Zunächst solle man sich auf stadteigene Flächen konzentrieren und mit den leicht wieder zu vernässenden Flächen beginnen. Ganz wichtig sei die Einbeziehung der Landwirte. „Greifswald kann ein Leuchtturm für andere sein.“

Bauern, welche die in Dauergrünland verwandelten Moore nutzen, benötigen eine Alternative. Christina Lechtape warb für die in Greifswald etablierte nasse Landwirtschaft, die Paludikultur. Rohrkolben für Dämmstoffe, Schilfanbau für Dächer oder die Energiegewinnung, die Haltung von Wasserbüffeln oder Schwarzerlen als Holzlieferanten sind Beispiele, deren Machbarkeit das Greifswald Moor Centrum nachgewiesen hat.

„In Greifswald könnte zum Beispiel in Kooperation von Landwirtschaft und Industrie ein Plattenwerk für Dämmstoffe aus Rohrkolben entstehen“, warb Lechtape. „Damit könnten Bauern sogar mehr verdienen als mit der jetzigen Grünlandnutzung. Wir suchen noch Pioniere, die kein Risiko scheuen.“ Gefragt sei die Agrarpolitik der EU. Für Paludikultur gibt es keine Förderung, wohl aber für die Nutzung des jetzigen Grünlandes auf Mooren.

Der Caspar-David-Friedrich-Blick über entwässerte Moorflächen Quelle: HGW

Eckhard Oberdörfer

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