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Greifswald Eine berühmte Rügen-Karte
Vorpommern Greifswald Eine berühmte Rügen-Karte
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05:33 19.08.2019
Ausschnitt aus der Spezialkarte von der Insel Rügen mit der Halbinsel Jasmund und dem Wappen der fürstlichen Familie zu Putbus Quelle: Repro André Farin
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Rügen

Land-, Rad- und Wanderkarten von der Insel Rügen gibt es wie Sand am Meer. Aber keine davon kann mit der Spezialkarte mithalten, die Friedrich von Hagenow (1797-1865) vor 190 Jahren herausgab. Der vorpommersche Naturwissenschaftler hinterließ ein „Meisterwerk der Kartenkunst“, urteilte der Garzer Lehrer Ernst Wiedemann (1883-1958) in seinem Artikel über die „unentbehrliche Grundlage“ für Forschungen der Heimatfreunde auf Rügen.  

Friedrich von Hagenow, im Erscheinungsjahr gerade einmal 32 Jahre alt, hatte praktisch eine Marktlücke entdeckt. Bis dahin gab es verschiedene Insel- und Flurkarten, die aber ziemlich ungenau und nicht aufeinander abgestimmt waren. Sie eigneten sich nicht als Vorlage für eine Spezialkarte mit mehr als nur Ortschaften, Wegen und geografisch wichtigen Angaben. Neben den Geografen sollte sie auch Historikern oder Archäologen sinnvolle Dienste leisten. Daher sammelte von Hagenow mit seinem Gehilfen alle möglichen Daten, stellte brauchbare Flurkarten zusammen und brachte diese auf einen gemeinsamen Maßstab. Mit dem Verfahren der Triangulation stellte er die erste brauchbare, topographisch genaue Inselkarte her. Diese wurde kunstvoll in Kupfer gestochen und als mehrteiliges, großformatiges Blatt im Maßstab 1:50.000 vertrieben.

Eine Fundgrube für Historiker

Eine wahre Fundgrube öffnet sich beim genauen Hinsehen zum Beispiel für Historiker. Denn sehr akribisch nahm der Kartograf alle bis dahin bekannten prähistorischen Funde und Fundorte auf: 229 Großsteingräber, 401 Urnenfriedhöfe und 1.239 Hügelgräber. Das ist aus heutiger Sicht besonders wertvoll, da in den folgenden Jahren zahlreiche Grabanlagen dem Haus- und Straßenbau zum Opfer fielen und heute nicht mehr zu finden sind. Außerdem gibt die Karte wirtschaftliche oder Besiedlungsaspekte zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder. Ausgewählte Zeichen stehen für Kirchen, Kapellen, Mühlen, Bäder, Fähren, Ziegeleien, Schanzen oder Brücken. Historische Ereignisse wie See- und Landgefechte sind verzeichnet; man findet auch so ein Detail wie das 1807 auf Mönchgut angelegte „Lager der englischen Truppen“. Umrahmt wird das Kunstwerk schließlich von 30 Wappen rügenscher Adelsgeschlechter.

Friedrich von Hagenow (1797-1865) gab im Alter von 32 Jahren eine wertvolle „Special-Charte der Insel Rügen“ heraus. Quelle: Repro A. Farin

  

Friedrich von Hagenow berichtete im Erscheinungsjahr über seine Zeit auf der Insel Rügen, die ihn zur Erarbeitung einer Spezialkarte bewegte. Im Jahr 1815 übernahm er eine Landwirtschaft in Groß Schoritz, wo er „zum ersten Mal von Hünengräbern hörte und mit Erstaunen die kolossalen Werke der Vorzeit erblickte.“ Auf Wunsch seines Vaters wurde er Landwirt, gab sich aber mit dieser Tätigkeit unter anderem auch auf dem Pachtgut Poggenhof bei Schaprode nicht zufrieden. Er wollte mehr wissen über diese Zeit und die auf ganz Rügen verstreuten Hinterlassenschaften. Unter anderem motivierte ihn ein Besuch bei dem Bobbiner Pastor Bernhard Oliver Franck (1759-1833), der über eine sehr umfangreiche Sammlung archäologischer Fundstücke verfügte. Und dann wollte von Hagenow mit eigenständigen Ausgrabungen seine Kenntnisse und die persönliche Sammlung erweitern: „…mit großer Anstrengung untergrub ich die Steinmassen, zog mit großer Mühe und Sorgfalt die Altertümer hervor, gewann so immer mehr Übung und Kenntnis.“ Grundlagen für die sehr begabte wissenschaftliche Arbeit legte sein schwedischer Hauslehrer und späterer Stiefvater Dr. Gustav Salomon Tillberg (1777-1859), der nach seiner Arbeit auf dem Gut der Familie Hagenow an der Universität Greifswald als Professor für Mathematik und Physik lehrte.

Uni Greifswald verlieh Ehrendoktorwürde

„Rastlos arbeitete ich jetzt fort“, schrieb der Wissenschaftler von Hagenow über seine Rügenzeit, dessen Kartenwerk davon zeugt, mit welcher bewundernswerten Akribie er sich der Forschung, Archivierung, Dokumentation und Publikation widmete. Schon ein Jahr nach Veröffentlichung der Spezialkarte wurde er zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Greifswalder Universität promoviert. Weitere Erfolge blieben in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen nicht aus. Allein auf dem Gebiet der Kartografie war er sehr erfolgreich, denn zehn weitere Karten stammen von ihm. Unter anderem entwarf er das lithografische Blatt „Neuvorpommern und Rügen“, das nach 1839 allein 19 Auflagen erlebte.

Informationen: Exemplare der Spezial-Charte der Insel Rügen befinden sich unter anderem in der Universitätsbibliothek Greifswald und in der Landesbibliothek M-V im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Schwerin. Nachdrucke sind erhältlich bei www.uniladen-greifswald.de.

Bei der Triangulation teilt man eine bestimmte Fläche in Dreiecke auf und kann diese dadurch besser ausmessen. Dies etablierte sich als das klassische Verfahren zur Durchführung einer Landesvermessung.

 

Von André Farin

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