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Greifswald Was denkt der Vorpommer über Vorpommern?
Vorpommern Greifswald Was denkt der Vorpommer über Vorpommern?
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18:08 29.08.2019
Professor Daniel Schiller, Judith Maruschke und Projektleiter Michael Rühs zeigen auf den Fragebogen. Quelle: Martina Rathke
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Greifswald

Versnobte Städter. Hinterwäldler in der Pampa. Die Vorurteile, die Städter gegen Landbewohner und diese wiederum gegen die Städter hegen, halten sich hartnäckig. Ein Forscherteam der Universität Greifswald will nun wissen, wie die Vorpommern ihre Region, die vor allem landwirtschaftlich geprägt ist, sehen und was sie von ihr erwarten. Dafür gehen Mitte kommender Woche 12 500 Fragebögen an zufällig ausgewählte Einwohner der Kreise Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald. „Die Befragung ist kein Selbstzweck“, betont der Professor für Wirtschafts- und Sozialgeografie, Daniel Schiller. Sie soll dazu beitragen, die Stadt-Land-Beziehung in der Region Vorpommern zu verbessern.

Pommern reif Quelle: OZ

„Vorpommern verfügt mit den Äckern, Weiden, Wiesen, Nutzgärten und Mooren vor allem über eine landwirtschaftlich geprägte Umwelt“, erläutert Judith Maruschke, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „VorpommernConnect“ forscht und maßgeblich den Fragebogen mitentworfen hat. Zum einen wollen die Forscher über die Befragung erfahren, welche Ansprüche unterschiedliche Bevölkerungsgruppen an die landwirtschaftlich geprägte Umwelt haben. Und sie wollen zum anderen schauen, wie das Verständnis füreinander gefördert werden, um darauf aufbauend regionale Wertschöpfungsketten zwischen ländlichen Produzenten und dem vorrangig in den Städten lebenden Konsumenten aufzubauen.

Konfliktlinien zwischen Land und Stadt

Aus Sicht der Forscher gibt es Konfliktlinien, die nicht nur am Wohnort, sondern vor allem an der Lebensform festgemacht werden können. „Es gibt einerseits Städter, die durch ihren Wohnort weit weg sind vom Dorf und nicht wissen, wie Landwirtschaft funktioniert“, sagt Schiller. „Konflikte entstehen aber auch, wenn unterschiedliche Bevölkerungsgruppen im ländlichen Raum aufeinander stoßen, also sogenannte Stadtflüchtige oder Raumpioniere aufs Dorf ziehen.“ Diese hätten ganz andere Erwartungen, was in der Landwirtschaft passieren soll, als die, die ihr Geld damit verdienen. Die städtisch geprägte Bevölkerung fordert von der Landwirtschaft zunehmend ein umweltbewussteres Wirtschaften und einen verantwortungsvolleren Umgang mit Tieren – ein Anspruch, der auf dem Land oft noch Kopfschütteln auslöst.

Die Befragung ist Teil des Forschungsprojektes „VorpommernConnect“ (VoCo), das vom Bund über fünf Jahre mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Vorpommern ist eine von bundesweit 13 Modellregionen, die das BMBF über die Initiative „Stadt-Land-Plus“ unterstützt. Aufgabe des VoCo-Projekts ist, übertragbare Konzepte und Modelle zu entwickeln, wie Projektleiter Michael Rühs erläutert. Diese sollen zeigen, wie Nutzungskonflikte im Hinblick auf Biodiversität und Umweltschutz zwischen Stadt und Umland entschärft und die Lebensverhältnisse in Stadt und Umland im Einklang miteinander entwickelt werden können.

Vorschläge für regionale Wertschöpfungsketten

Was wollen die Forscher konkret wissen? Zum einen, wie die Vorpommern, die keine Landwirte sind, diese Umwelt aus Feldern, Wiesen und Weiden derzeit nutzen. Ist sie ein Ort für sportliche Aktivitäten, ein Ort der Inspiration, um frische Luft zu tanken oder auch ein Ort, um sich mit der Region verbunden zu fühlen? Zum anderen wollen sie ganz handfeste Fakten erfragen: Wie stehen die Menschen zum Einsatz von Düngemitteln, wie sehen sie den Ökolandbau oder die Wiedervernässung von Mooren. Wie hoch ist die Akzeptanz, regional erzeugte Lebensmitteln zu kaufen, und sind die Konsumenten bereit, dafür mehr Geld auszugeben, und wenn ja, wie viel?

Aus den Ergebnissen wollen die Wissenschaftler ganz konkrete Vorschläge entwickeln, um das Verständnis für die Landwirtschaft zu erhöhen, und Produkte, die auf vorpommerschen Höfen erzeugt werden, besser in der Region zu vermarkten. Lassen sich vielleicht auch regionale Marken prägen? Zudem sollen Lern- und Erlebnisorte geschaffen werden, um das Verständnis füreinander weiterzuentwickeln. „Das könnte zum Beispiel ein ausgeschildertes Wegenetz sein, das die Menschen zielgerichteter zu den Höfen führt“, sagt Michael Rühs.

Ergebnisse Anfang 2020 erwartet

Auch die Einstellung zur umstrittenen Wiedervernässung von trockengelegten Mooren wird erfragt. Die Akzeptanz der Wiedervernässung blieb bislang gering, auch weil der große Wurf für eine alternative landwirtschaftliche Nutzung auf den nassen Böden fehlte.

Projektpartner sind neben den Kreisverwaltungen von Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald, die Hansestadt Greifswald und die Succow-Stiftung. Die Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG) unterstützt das Vorhaben und ist bereits auf die Ergebnisse gespannt. „Im Arbeitsalltag sehen wir, wo die Vernetzung in der Ernährungswirtschaft bereits gut läuft und wo es noch Potenziale gibt“, sagt Mitarbeiterin Karen Szemacha. „Es ist gut, wenn wir jetzt wissenschaftlich fundierte Daten bekommen und sich Akteure auf dieser Basis besser vernetzen können.“

Die ersten Ergebnisse wollen die Forscher Anfang 2020 vorstellen. „Je mehr Vorpommern sich an der Befragung beteiligen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse“, wirbt Daniel Schiller für die Teilnahme. Wer sich an der Befragung beteiligt, kann auch etwas gewinnen. Verlost werden unter anderem 20 Präsentkörbe mit regionalen Produkten sowie zehn Bücher „Vorpommern. Von Menschen und Machern am Meer“. Um die Anonymität zu gewährleisten, sollen die Teilnehmer, die sich an dem Gewinnspiel beteiligen wollen, die Telefonnummer auf einem separaten Blatt vermerken. Die 12 500 Fragebögen, die an die Vorpommern herausgehen, werden proportional auf die Größe der Orte verteilt.

Von Martina Rathke

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