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Greifswald Gützkow: Freier Wähler fordert Bürgermeisterin Dinse heraus
Vorpommern Greifswald Gützkow: Freier Wähler fordert Bürgermeisterin Dinse heraus
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13:21 17.05.2019
Stephan Grabow von den Freien Wählern MV will es wissen und tritt zur Kommunalwahl am 26. Mai als Bürgermeisterkandidat in Gützkow an. Quelle: Petra Hase
Gützkow

Geht es nach dem Willen der Freien Wähler MV, wird es nach der Kommunalwahl am 26. Mai einen Wechsel im Gützkower Rathaus geben. Der 40-jährige Stephan Grabow fordert die parteilose Bürgermeisterin Jutta Dinse, die wiederholt für die CDU antritt, heraus. OZ sprach mit dem gebürtigen Thüringer, der in der Peenestadt aufgewachsen ist und als Verfahrenstechnologe in der Nordland Mühle GmbH Jarmen arbeitet, über Ansichten und Ziele.

OZ: Herr Grabow, Gützkow ist mit rund 3000 Einwohnern größer als alle Gemeinden ringsum, hat also viele Aufgaben zu stemmen – und trotzdem nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Warum wollen Sie sich das neben Familie und Beruf in Ihrer Freizeit antun?

Stephan Grabow: Unsere Stadt hat ein enormes Potential, das einfach nicht ausgeschöpft wird. Es könnte, es muss einfach viel mehr passieren als in den vergangenen Jahren, um die Attraktivität Gützkows zu erhöhen. Das so etwas geht, sieht man an der Entwicklung Jarmens. Der Unterschied zwischen den Nachbarstädten ist für jeden deutlich sichtbar. Ich will aber nicht nur meckern, sondern selbst Verantwortung übernehmen, möchte aktiv mitgestalten.

Das tun Sie bereits unter anderem als Mitinitiator und Vorsitzender des Ende 2018 gegründeten Fördervereins der Kita „Peeneflöhe“, die sich in Trägerschaft der ASB befindet. Gleichzeitig wollen Sie den Neubau einer Kita unterstützen, den die Kirchengemeinde anstrebt. Widerspricht sich das nicht?

Ganz und gar nicht. Ich sehe da keine Konkurrenz zwischen den beiden. Im Gegenteil. Der Bedarf an Betreuungsplätzen ist groß. Zurzeit gibt es Familien, die ein Kind in Gützkow betreuen lassen und das zweite aufgrund des Platzmangels in einer anderen Kita. Das ist nicht schön. Will die Stadt wachsen, braucht sie eine zweite Einrichtung. Viele junge Familien haben in den vergangenen Jahren neu gebaut, besonders auch in den Ortsteilen wie Pentin. Daher ist es wichtig, dieser Entwicklung gerecht zu werden. Deshalb werde ich mich auch dafür einsetzen, dass in Pentin ein zentraler Dorf- und Spielplatz errichtet wird. Außerdem wollen wir einen neuen Spielplatz im Gützkower Park gestalten. Und wir machen uns für die schnelle Wiedereinrichtung eines Jugendclubs stark.

Wen meinen Sie mit „wir“?

Als Freie Wähler treten wir in Gützkow zur Wahl mit insgesamt sechs Kandidaten an und hoffen natürlich, möglichst viele Stimmen zu bekommen.

2017 waren Sie noch Schatzmeister bei der AfD, 2018 dann Gründungsmitglied der Partei Bürger für MV, jetzt bei den Freien Wählern stellvertretender Landesvorsitzender. Wie erklären Sie potentiellen Wählern diesen schnellen Wechsel?

Ich bin 2016 zur AfD gekommen, weil ich der Überzeugung war, dass wir eine neue politische Kraft im Land benötigen. Denn CDU und SPD bewegen sich nicht mehr, haben vorwiegend mit ihren eigenen Problemen zu tun. Doch die zunehmende Radikalisierung der AfD konnte ich nicht mehr mittragen, bin deshalb im September 2017 ausgetreten und gründete mit anderen die Bürger für MV. Nur: wer etwas erreichen möchte, braucht Mehrheiten. Als neue Partei ist das nicht so einfach. Deshalb haben wir uns mit den Freien Wählern zusammengeschlossen, bündeln jetzt unsere Kräfte. Allein hätten wir es zum Beispiel nie geschafft, in allen Kreistagen zur Wahl anzutreten.

In Ihrem Wahlprogramm heißt es, dass Sie den Wirtschaftsstandort Gützkow stärken wollen. Wie stellen Sie sich das vor?

Gützkow liegt an der Einflugschneise zur Insel Usedom, direkt an der A20. Ein idealer Standort für Firmenansiedlungen. Deshalb müssen die freien Flächen im Gewerbegebiet endlich aktiv beworben werden, wenn es sein muss auch mit Geld. Unsere Stadt bietet mit der vorhandenen Infrastruktur tolle Bedingungen zum Leben. Wir haben Schulen, Arztpraxen, Einkaufsmöglichkeiten, eine tolle Natur und günstige Miet- und Baulandpreise im Gegensatz zu anderen Orten wie Greifswald. Das müssen wir besser nutzen. Die Einwohnerzahl muss wieder wachsen. Es kann nicht sein, dass viele Wohnungen im städtischen Eigentum leer stehen, nur weil beispielsweise die Heizung total veraltet ist. Dann muss eben investiert werden, um die Wohnbedingungen wieder attraktiver zu gestalten. Außerdem werde ich mich dafür stark machen, dass im Amt Züssow eine Referentenstelle geschaffen wird, um mehr Fördermittel zu generieren. Davon würden alle Gemeinden profitieren. Andere machen uns das längst vor. Wir müssen Mittel einwerben, um mehr zu investieren – etwa in den Straßenbau. Es gibt hier immer noch die alten Plattenstraßen, auf denen ich schon als Kind Dreirad und Roller gefahren bin. Da muss sich endlich mehr bewegen. Genau so ist es ein Unding, dass der Seniorenclub seit Jahren baupolizeilich gesperrt ist und zusammenfällt. das Haus wird ja nicht besser. Da muss ein Abriss und eine Neuplanung her – am besten eine generationsübergreifende Begegnungsstätte.

Glauben Sie denn, dass das alles so schnell geht.

Nein. Manches kann man sicher schnell ändern. Anderes braucht Zeit, muss erst angeschoben werden. Wichtig ist mir, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, parteiübergreifend zu arbeiten, auch wenn es Kritik gibt. Unser Wahlprogramm basiert auf den Ideen vieler Leute, auch aus den Ortsteilen, die nicht vergessen werden dürfen. Deshalb unterstützen wir beispielsweise die Einrichtung eines Gemeinderaums in Neuendorf. Dort gibt es eine aktive Dorfgemeinschaft, nur leider keinen überdachten Ort für Zusammenkünfte. Ziel ist es außerdem, das Wahllokal in Lüssow wieder einzurichten. Es kann nicht sein, dass in Dargezin der Erhalt des Wahllokals mit dem Fusionsvertrag festgeschrieben wurde, Omas oder Opas in anderen Orten sich jedoch mit dem Problem konfrontiert sehen, wie sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen sollen. Längst nicht alle kommen mit der Briefwahl zurecht.

Sie sprachen bereits die tolle Natur in und um Gützkow an. Wo sehen Sie da Handlungsbedarf?

Unsere Stadt liegt dicht an der Peene, aber was macht sie daraus? Der Fährdamm müsste dringend saniert, ein Bootsanleger wieder errichtet werden. Da muss sich dringend was tun. Nichts gegen den Rundweg am Kosenowsee, der jetzt mit Fördermitteln gestaltet wird. Aber ich denke, so schlecht ist der noch nicht. Ich hätte versucht, die Mittel aus dem Leaderprogramm für den Fährdamm zu beantragen. Der sanfte Tourismus muss unbedingt gefördert werden. Die Badeanstalt beispielsweise war 2019 trotz des heißen Sommers ziemlich verwaist. Kein Wunder ohne Imbiss und Rettungsschwimmer. Auch hier macht uns Jarmen mit dem Kiessee etwas vor. Doch ich denke hierbei nicht nur an Gützkow. Zu unseren Zielen gehört ebenso, dass endlich das Bollwerk in Lüssow saniert wird. Und wir unterstützen auch die Idee eines Wanderrastplatzes in Kölzin. Es gibt hier so viel Potential.

Petra Hase

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