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Greifswald Wolf bei Autounfall auf der A20 nahe Greifswald getötet
Vorpommern Greifswald Wolf bei Autounfall auf der A20 nahe Greifswald getötet
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19:41 29.03.2019
Auf der A20 bei Gützkow ist ein Wolf totgefahren worden. Quelle: Sven Peck
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Gützkow

Bei einem Autounfall auf der A20 ist ein Wolf ums Leben gekommen. Die Polizei sprach zunächst einen Unfall mit einem „wolfsähnlichen Tier“ bei Gützkow, mittlerweile bestätigte das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), dass es sich um einen Wolf handelt. Personen kamen bei dem Unfall nicht zu Schaden. Es handelt sich hiermit um den ersten Nachweis eines Wolfs in dieser Region.

Weibchen war allein unterwegs

Das relativ junge Weibchen war vermutlich allein unterwegs. „Wir kennen zwei etablierte Rudel aus den Bereichen Ueckermünder Heide und Löcknitz“, sagt Sandra Möller, Biologin im LUNG in Güstrow. „Wenn die Jungtiere älter werden, drängen die anderen Wölfe sie in der Regel aus dem Rudel. Dann streifen sie allein umher. Wir kennen diese Tiere als Einzel- oder Wanderwölfe.“ Die Fortbewegung erfolge mal zielgerichtet, mal zufällig, letztlich ginge es aber immer um die Suche mit Gebieten, die für Wölfe ansprechend sind. „Leitlinie“ für die überfahrene Wölfin könnten dabei die ungestörten Flussufer der Peene gewesen sein, die in unmittelbarer Nähe verläuft. „Gerade zur Welpenaufzucht suchen die Wölfe ruhige Gebiete“, sagt Möller. „Gut möglich, dass ein Wolf an einer Siedlung entlang läuft, ein Rudel wird sich dort nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht niederlassen.“

Keine Wölfe in der Hansestadt

Also keine Wölfe in Greifswald? „Nein, die Tiere meiden die Nähe des Menschen“, so Möller. „Landschaftlich gemischte, ungestörte Bereiche werden bevorzugt, also zum Beispiel Truppenübungsplätze.“ Die Anzahl der Wölfe habe sich in den vergangenen fünf Jahren erhöht, es bestehe überall im Land die Möglichkeit, auf Einzelwölfe zu treffen, auch fernab der bekannten Rudel. „60 Kilometer sind für einen Wolf keine Entfernung“, bestätigt Wolfsbetreuer Matthias Sandmann. „Das schafft ein Tier in einer Nacht.“ Er hat die überfahrene Wölfin, die nach dem Unfall in der Autobahnmeisterei Süderholz gebracht wurde, begutachtet. „Wir schicken das Tier jetzt nach Berlin ins Senckenberg-Institut“, so Sandmann. „Dort wird dann auch ein Gentest gemacht, nach dem wir mit hundertprozentiger Sicherheit sagen können, dass es sich um einen Wolf handelt, und nicht um einen Bastard zwischen Wolf und Hund.“ Aus den Ergebnissen der Genanalyse lassen sich auch weitere Erkenntnisse gewinnen. „Man kann die Proben mit denen anderer Wölfe vergleichen und eventuell sehen, aus welchem Rudel das Tier stammt.“

Backhaus: Abschuss von auffälligen Wölfen ermöglichen

Doch nicht jeder freut sich über die Rückkehr des Isegrims. Schäfer und andere Nutztierhalter beklagen immer wieder Todesfälle unter ihren Nutztieren durch Wolfsangriffe. Die Anzahl der Rissvorfälle, bei denen der Wolf nicht ausgeschlossen werden kann, steigt mit der Anzahl der Wölfe. Im Jahr 2007 wurden in MV sechs Vorfälle mit 21 toten Tieren gemeldet, im Jahr 2017 waren es 28 Vorfälle mit 66 gerissenen Tieren. Erst in der Nacht zu Mittwoch hatte es bei Torgelow einen Wolfsübergriff auf ein Damwildgehege gegeben, bei dem acht von fünfzehn Tieren getötet wurden.

Bei einem Autounfall auf der A20 ist ein Wolf ums Leben gekommen. Mittlerweile gibt es nach Expertenschätzungen mindestens sechs Rudel und zwei Wolfspaare in MV.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) informierte derweil auf einer Veranstaltung der Landesregierung in Torgelow über seine Pläne, eine Änderung des Naturschutzgesetzes anzustreben. Wölfe, die wiederholt Nutztiere reißen oder in Ortschaften unterwegs sind, sollen rechtssicher getötet werden können. Bislang sei das nur möglich, wenn landwirtschaftlich existentielle Schäden vorzuweisen seien. Die Schäden der Hobbyzüchter würden nicht berücksichtigt, weil sie ja nicht ihre Existenz damit bestreiten. Dies soll geändert werden, indem das Gesetz statt von „erheblichen Schäden“ von „ernsten Schäden“ spricht. Im Gesetz soll deutlich werden, dass der entstandene Schaden von mehr als geringerem Umfang sein muss, eine Existenzgefährdung aber nicht voraussetzt, präzisierte Backhaus.

Seit dem Jahre 2000 gibt es wieder dauerhafte Vorkommen wildlebender Wölfe in Deutschland, in MV wurde der erste sesshafte Einzelwolf im Jahre 2006 bestätigt. 2013 wurden insgesamt drei Einzeltiere gezählt, heute geht man von rund 80 bis 90 Tieren aus, der Bestand sei nur zu schätzen. Gegenwärtig weiß das Landwirtschaftsministerium von insgesamt sechs Rudeln (Kalißer Heide, Kaarzer Holz, Nossentiner Heide, Retzow-Jännersdorfer Heide, Ueckermünder Heide und Löcknitz), sowie einem Wolfspaar und zwei sesshaften Einzelwölfen. Für mehrere andere Wolfsvorkommen mit regelmäßigen Nachweisen (zum Beispiel Anklam und Torgelow) ist der Status noch unklar. Ob es sich dort um territoriale Einzelwölfe oder ggf. Wolfspaare handelt, soll das intensivierte Monitoring klären.

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