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Greifswald Gützkower Stadtmauer wird neu aufgebaut
Vorpommern Greifswald Gützkower Stadtmauer wird neu aufgebaut
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08:00 30.10.2019
Vier Meter hoch sind die Betonteile, die derzeit in der Großen Wallstraße von Mitarbeitern der Georg Koch GmbH aus Malchin verbaut werden. Quelle: Petra Hase
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Gützkow

Nach langen Jahren des Provisoriums wird derzeit die Stadtmauer in Gützkow auf einer Länge von etwa 80 Metern in der Großen Wallstraße von Grund auf erneuert. Eine aufwendige und zudem kostspielige Angelegenheit: Die Stadtvertretung plante dafür 845 000 Euro in den laufenden Haushalt ein und freute sich, dass sich das Land Mecklenburg-Vorpommern mit 527 500 Euro an den Kosten beteiligt.

Nach dem Entfernen von Strauchwerk und weiteren vorbereitenden Arbeiten begann das Malchiner Straßen- und Tiefbauunternehmen Georg Koch Anfang September mit dem Abtragen des Hangs. Stück für Stück wurde zunächst das Erdreich beseitigt, um mit dem Aufbau der vier Meter hohen und zwei Meter breiten Betonelemente zu beginnen. „Unten haben wir zunächst eine Frostschutzschicht eingebracht sowie die Drainage. Auch an die Wand kam eine ein Meter dicke Frostschutzschicht, bevor die Elemente gesetzt und das Ganze dann wieder lagenweise mit dem Lehmgemisch aufgefüllt wurde“, erläutert Vorarbeiter Sebastian Fuchs die Arbeiten. Eigentlich sei sein Unternehmen nur im Straßenbau tätig. „Da hier aber sehr viel Boden bewegt werden muss und wir über die entsprechende Großtechnik verfügen, haben wir die Ausschreibung gewonnen“, so Fuchs. Gut 50 Meter seien geschafft, die restlichen 25 sollen möglichst vor Jahresfrist erledigt sein. Spiele das Wetter mit, sei das auch zu schaffen, so der Vorarbeiter.

Funde aus dem Neolithikum

Grabungsassistent Thomas Hoche-Holstein deutet auf den Hang, der einige archäologische Funde bereithält. Quelle: HGW

Während der Bagger eine Ladung nach der anderen ablädt, sucht Grabungsassistent Thomas Hoche-Holstein am Hang nach bedeutenden archäologischen Funden. „Wir haben bereits Siedlungsstrukturen aus dem Neolithikum entdeckt“, sagt der Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV. Das sei die Jungsteinzeit gewesen, die Zeit etwa um 5000 vor Christus. „Darunter befanden sich zum Beispiel neolithische Scherben mit Stichverzierungen und Teile von Flint-Steinwerkzeug“, berichtet Hoche-Holstein. Auch ein zum Schaber umgebautes Beilstück sei unter den Funden gewesen. Für Überraschung habe das nicht gesorgt. Bereits im Zuge der Grabungen auf dem Kirchplatz, im Kantorsteg und Dänholm seien archäologisch wertvolle Objekte sichergestellt worden.

Ein großes Stück der neuen Stadtmauer ist bereits geschafft. Quelle: HGW

„Einige der Exponate sind davon auch im Gützkower Heimatmuseum ausgestellt“, erinnert Ronny Saß, Fachbereichsleiter für Bau- und Grundstücksmanagement im Amt Züssow. Er betont, dass es sich bei der sogenannten Stadtmauer in der Großen Wallstraße gar nicht um eine historische Stadtmauer handele, sondern um eine Böschungsbefestigung – von Menschenhand angelegt. Laut Gützkower Historie wurde diese Hangstützmauer aus Feldsteinen um 1890 errichtet. In der Zeit davor wurden die natürlichen Steilhänge mit sogenanntem Hackelwerk geschützt.

Geld fehlt für komplette Erneuerung

Bereits in den 1990er-Jahren bereitete die Böschungsmauer Probleme. Teile sackten ab, weitere drohten abzustürzen. Die Stadt reagierte, indem sie ein Provisorium aus Stützen errichten ließ. Im Jahr 2000 sei noch einmal nachgebessert worden, weil weitere Teile abgängig waren. „Seither gab es das Ziel, die Mauer wieder richtig aufzubauen. Doch in der Vergangenheit fehlte immer das Geld“, sagt Ronny Saß. Und auch jetzt könne aus finanziellen Gründen nicht der komplette Hang, sondern nur der gefährdetste Teil der etwa 130 Meter langen Mauer erneuert werden. Der Rest müsse später einmal erfolgen, informierte Bürgermeisterin Jutta Dinse.

Aus Kostengründen habe die Stadt auch von der ursprünglichen Idee Abstand genommen, so Saß, ein Verblendmauerwerk mit Naturstein vor die Betonelemente zu setzen. Trotzdem werde es nicht bei dem nackten Beton bleiben. „Es ist geplant, die Mauer mit Pflanzenrankern von unten und Überhängen von oben komplett zu begrünen. Die Pflanzarbeiten sollen möglichst auch noch im Herbst erfolgen, der Auftrag ist erteilt“, sagt der Bauamtsleiter. In einem Jahr dürfte sich das Bauwerk optisch dann viel freundlicher präsentieren.

Dieses Stück der alten Stadtmauer bleibt vorerst bestehen. Quelle: HGW

Von Petra Hase

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