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Greifswald Herausragende Buchkultur in Pommern
Vorpommern Greifswald Herausragende Buchkultur in Pommern
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00:00 01.10.2018
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Pommern

Hinterpommern, das hört sich irgendwie rückständig an. Der französische Name „ Est de la Poméranie orientale“ klingt doch ganz anders. Exotisch und Neugier erzeugend, meint die Schweizer Wissenschaftlerin Vanessa de Senarclens, die ein Jahr am Greifswalder Krupp-Kolleg arbeitete. Das Ergebnis: Pommern besaß im 18. Jahrhundert eine herausragende Buchkultur mit umfangreichen Bibliotheken, deren Spuren sich unter anderem im Greifswalder Landesarchiv verfolgen lassen. De Senarclens hat sich speziell mit der von Zeitgenossen hoch gelobten Bibliothek des preußischen Kammerherren Friedrich Wilhelm von der Osten (1721-1786) in Plathe befasst. Diese wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstreut, Teile vernichtet. Viele Bücher gelangten in die neu gegründete Unibibliothek Lodz.

Geschichten von untergegangenen Bibliotheken aus einer keineswegs hinterwäldlerischen Provinz

Ein wiederentdeckter Katalog von 1756 ermöglicht die Rekonstruktion der Plather Sammlung. Für de Senarclens zeugen die Bücher von einem neuen universalistischen Denken. Pommersche Provinzorte verbanden sich über eine rege Korrespondenz mit den Kulturzentren. Die Plather Bibliothek steht für Vielfalt. Religionskritische Bücher sind darunter, Werke in verschiedenen Sprachen, natürlich auch plattdeutsche Bücher.

Sehr wichtig war Sammlern die Sicherung von Quellen zur pommerschen Geschichte. Auch Greifswalder Professoren, beispielsweise Andreas Westphal (1685-1747), Augustin von Balthasar (1701-1786) und Albert Georg Schwartz (1687- 1755), spielten bei diesen Bemühungen eine wichtige Rolle.

Allerdings habe die Bibliothek der einigen Universität Pommerns in Greifswald nicht wie „ein Staubsauger“ alles Wissen angesaugt, so dass man nur im „Staubsaugerbeutel“ nachschauen muss, um mehr zu erfahren, erklärte Universitätsarchivar Dirk Alvermann auf dem von Vanessa de Senarclens organisierten Workshop „Aus fernen oder versunkenen Welten: Nachrichten aus der Bibliothek der Aufklärung“ im Krupp-Kolleg. „Die Perspektive der Universität führt zu einem eher verzerrten Blick auf diese Bildungslandschaft.“

Die Bibliothek des Völschower Pastorensohns und Wolgaster Schulrektors Johann Bötticher (1687-1748) umfasste immerhin 4163 Bände. Sie wurde nach Böttichers Tod von dem um die hiesige Unibibliothek hoch verdienten Prof. Johann Carl Dähnert für 600 Reichstaler erworben – ein Schnäppchen, der Preis lag weit unter dem Wert. Immerhin gehörten zu Böttichers Bibliothek eine Bibel von 1483, eine niederdeutsches Exemplar der Heiligen Schrift von 1558 und eine Vulgata, also eine lateinische Bibel, von 1525. „Ohne diesen Ankauf hätte die heutige Aula der Universität, damalige Saalbibliothek, bei ihrer Einweihung 1750 nicht so prächtig ausgesehen“, schätzt Alvermann ein. Denn die Unibibliothek umfasste zuvor nur 5436 Bände.

Die UB habe zwischen 1703 und 1748 insgesamt 34 Büchersammlungen erworben, vor allem bei Auktionen. Darunter 13 von Greifswalder Gelehrten, sieben von Stralsundern, drei Bibliotheken Rügener Pfarrer, drei Stettiner und auch kleinere, vor allem von Pastoren, so aus Levenhagen, Franzburg und Barth. „Das belegt das gelehrte Umfeld“, so Alvermann. Der Wolgaster Bötticher pflegte einen regen Austausch und arbeitete wie andere an einem pommerschen Gelehrtenlexikon, ohne diese Arbeit zu beenden. Projekte wurden gemeinsam verfolgt. Ein Partner Böttichers war der Stettiner Bürgermeister Matthias Heinrich von Liebeherr (1693-1749), der ebenfalls über eine bemerkenswerte Sammlung verfügte. Dieser Liebeherr war der Vater der Frau des eingangs erwähnten Plathers Friedrich Wilhelm von der Osten.

Pommern war im 18. Jahrhundert alles andere als eine gelehrte Wüste“, fasst Dirk Alvermann zusammen.

Eckhard Oberdörfer

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