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Greifswald Hereinspaziert: „Tag der offenen Insel“ auf Koos
Vorpommern Greifswald Hereinspaziert: „Tag der offenen Insel“ auf Koos
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18:10 27.10.2019
Die Succow-Stiftung baut auf der Insel Koos ein Naturschutzhaus auf. Hier wohnen die beiden Bundesfreiwilligendienstler Niklas Schmitz und Nele Scheebaum und widmen sich Vögelzählungen oder dem Gartenumbau. In der Mitte: Biologin Nina Seifert. Quelle: Anne Ziebarth
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Wenn andere Institutionen einen Tag der offenen Tür anbieten, kann die Michael-Succow-Stiftung noch einen draufsetzen. Sie lud zum „Tag der offenen Insel“ auf das kleine Eiland Koos nördlich von Greifswald. Sonst ist das Betreten der Insel für die Öffentlichkeit verboten, der Schutz der Natur vor Störungen hat hier Vorrang. Dementsprechend groß war das Interesse. Rund 40 Teilnehmer machten sich mit Biologin Nina Seifert auf den Fußweg durch das Naturschutzgebiet.

Kein Moor, wie man es sich vorstellt

Erst ging es an den Karrendorfer Wiesen entlang, über die klapprige Brücke und schließlich durch das Tor zum Inselhof. Auf dem Weg passierten die Besucher eine Gruppe cremefarbener Kühe auf sattem Grünland. „Auch wenn man das nicht auf den ersten Blick erkennt“, erzählt Nina Seifert. „Aber das ist keine Wiese, das ist Moor. Küstenüberflutungsmoor.“

Uckermärker und Wasserbüffel gegen das Schilf

Das war nicht immer so. „Vor allem im 20. Jahrhundert wurde das Gebiet entwässert und intensiv bewirtschaftet“, berichtet Seifert. „Aber dafür sind Moorböden nicht geeignet. Zunächst sind die Erträge außerordentlich gut. Dann degradiert der Boden und sackt ab.“ Mit der politischen Wende kam auch die Wende für die Karrendorfer Wiesen. 1993/94 wurden der Deich zurückgebaut und die Entwässerungsgräben verschüttet. Uckermärker Rinder und Wasserbüffel halten den Schilfaufwuchs in Schach, Prädatoren wie Fuchs und Dachs werden bejagt. Die Kombination aus regelmäßigen Überflutungen, dem Tritt der Kühe und Sedimenteintrag hat hier auf den Karrendorfer Wiesen die Moorbildung wieder in Gang gesetzt – auch wenn es nach Ansicht der Biologin noch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern wird, bis das Moor wieder zur alten Höhe angewachsen ist.

Bedeutender Rastplatz und Brutrevier

Mit der Unterschutzstellung, dem Deichrückbau und der Übertragung der Flächen an die Michael-Succow-Stiftung hat sich wieder ein beeindruckendes Spektrum an Brut- und Rastvogelarten angesiedelt. Kiebitze, Goldregenpfeifer, Säbelschnäbler, Alpenstrandläufer, dazu Pfeifenten, Graugänse, Kraniche und so seltene Singvögel wie das Blaukehlchen lassen sich über das Jahr hier beobachten. Trotzdem ist Nina Seifert besorgt. „Die Vogelbestände sind in den vergangenen Jahren drastisch eingebrochen, an vielen Orten in Deutschland“, sagt sie. „Es gibt immer weniger Insekten, aber auch immer weniger Lebensraum für die Tiere.“

(Fast) jeder Vogel wird erfasst

Damit die Biologen auch weiterhin einen Überblick haben, welche Tiere sich im Naturschutzgebiet aufhalten, wird eifrig gezählt. Wasservogelzählung, Brutvogelkartierung und Insektenfallen – die bereits seit Jahrzehnten bestehenden Datenreihen werden laufend fortgesetzt. Die beiden Bundesfreiwilligendienstleistenden auf der Insel, Nele Scheehaus und Niklas Schmitz, werden dabei unterstützt vom Verein Ostseelandschaft Vorpommern, der sich auch um das Flächenmanagement auf der Insel Koos kümmert. „Für uns ist es eine Ehre und Freude“, sagt Ulrich Köppen, selbst erfahrener Ornithologe. „Für uns eine großartige Unterstützung, auf so kompetente Fachleute zurückgreifen zu können“, gibt Nina Seifert das Kompliment zurück. „Gerade bei der Vogelbestimmung müssen unsere Bufdis ja erst Erfahrungen sammeln.“

Die Michael-Succow-Stiftung baut auf dem kleinen Eiland eine Naturschutzstation auf.

„Manchmal ist das Zählen wirklich schwer, gerade wenn es sich um hunderte oder tausende Vögel handelt“, sagt Nele Scheehaus. „Wir zählen erst einen bestimmten Bereich und multiplizieren ihn dann. Auch der Klickzähler ist eine Hilfe.“ Die beiden sind zwei von nur vier Bewohnern auf der Insel und leben im hellblau gestrichenen Ronald Abraham Haus, benannt nach dem bei einem Jagdunfall verstorbenen Naturschützer, der hier bis zuletzt wohnte.

Trinkwasser aus Kanistern

Im vergangenen Jahr hat die Succow-Stiftung das einzige Privathaus auf der Insel kaufen können. Zwar sei noch nicht alles perfekt, meint Nina Seifert. „Das Trinkwasser müssen wir in Kanistern holen, das Wasser aus der Leitung ist salzig“, so die Biologin. „Dazu ist noch eine Menge Handwerkliches zu erledigen. Aber der Aufbau der Station geht gut voran.“ In der Station sind ein Labor- und Arbeitsraum eingerichtet, eine WG für die Bufdis, ein Gästezimmer für Wissenschaftler und eine kleine Wohnung, die an Vogelwarte vermietet ist.

Viele Aufgaben für Wissenschaftler

Die Abgeschiedenheit der Insel ist für die 20-jährige Neele Scheebaum kein Problem. „Es ist jeden Tag etwas anderes zu tun. Renovieren der Station, Öffentlichkeitsarbeit, Gärtnern und Kontrollgänge. Und abends genieße ich die Ruhe“, sagt sie. „Zwar haben wir beim Buddeln versehentlich die TV-Leitung gekappt, aber das vermisse ich nicht.“ Einmal die Woche geht es zur Succow-Stiftung in die Stadt, dann ist auch der Einkauf dran. Ihr Freiwilligenjahr hat sie bereits um ein halbes Jahr verlängert, so kann sie bis Herbst nächsten Jahres bleiben. Zu tun gibt es genug. „Im kommenden Jahr wollen wir Rauchschwalben beringen“, berichtet Nina Seifert. „Außerdem gibt es ein spannendes Projekt, bei dem die Zugrufe der nachts ziehenden Vögel ausgewertet und mit den Tieren verglichen werden, die bei uns einfliegen.“

Auch die Libellenfauna könne man zum Beispiel genauer untersuchen oder das mysteriöse Wechselkrötenvorkommen. „In der Literatur wird immer von den Kröten berichtet. Wir haben aber noch keine gesehen“, so Seifert. „Es gibt in diesem Gebiet noch viel zu entdecken.“

Insel Koos

Die Insel Koos ist Teil des Naturschutzgebietes „Insel Koos, Kooser See und Wampener Riff“ und liegt rund acht Kilometer nördlich der Hansestadt. Das kleine Eiland blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Bereits im Mittelalter wurde die Insel landwirtschaftlich genutzt, in den 1930er Jahren diente sie als Übungsziel der Luftwaffe. In den 1950er Jahren errichtete die Tierseuchen-Versuchsanstalt hier eine Außenstation mit Ställen zur Tierzucht von bspw. Mäusen und Hühnern. Seit 1990 steht die Insel unter Naturschutz und ist nur für berechtigte Personen zugänglich, das Gebiet gehört dem Land Mecklenburg-Vorpommern. Die Succow-Stiftung konnte 2018 die einzige Privatimmobilie, das Haus des bei einem Jagdunfall verunglückten Ronald Abraham, kaufen und richtet dort derzeit eine Naturschutzstation ein.

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Informationen über das NSG Insel Koos

Von Anne Ziebarth

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