Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Greifswald Hering will in Wackerow bei Greifswald weiter regieren
Vorpommern Greifswald Hering will in Wackerow bei Greifswald weiter regieren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:28 30.04.2019
Der Wackerower Bürgermeister Manfred Hering Quelle: Eckhard Oberdörfer
Anzeige
Wackerow

Manfred Hering (CDU) regiert die Gemeinde Wackerow seit dem 30. Mai 1990. Damals hatte Wackerow 249 Bürger. Heute sind es 1500 inklusive der Groß Petershäger. Die Fusion mit dieser Gemeinde liegt zwei Jahrzehnte zurück. Wackerow profitierte wie Neuenkirchen und Weitenhagen durch die Stadtrandlage in besonderem Maße vom Zug aufs Land und dem Wunsch, ein Eigenheim zu bauen.

Am 26. Mai stellt sich Manfred Hering erneut zur Wahl als Bürgermeister, und gemeinsam mit weiteren elf Kandidaten kandidiert er auch wieder für den Gemeinderat. Bis auf seinen Stellvertreter Karlheinz Tietze, der aus Altersgründen nicht mehr antritt, und Frank Heitmann, der zur AfD wechselte, sind auch alle bisherigen CDU-Mandatsträger wieder dabei.

Warum treten sie mit 65 noch mal an, statt die Rente zu genießen?

Ich möchte gern noch etwas gestalten, in den letzten zehn Jahren ging es vor allem ums Bauen.

Aber die Kassen sind doch leer, oder?

Leider, denn wir werden durch das Finanzausgleichsgesetz dafür bestraft, dass viele gut verdienende Bürger nach Wackerow gekommen sind. Dadurch hat die Gemeinde durchschnittlich 800 000 Euro Einnahmen im Jahr. Wir müssen aber 1,1 Millionen Euro Umlagen für Amt und Kreis zahlen. Weil auch die Einkünfte aus Gewerbe-, Grund- und Hundesteuer diese Differenz nicht ausgleichen, wächst der Schuldenberg weiter. Anders als die Mehrheit der Kommunen in MV bekommen wir keine Zuweisungen vom Land, und das schon seit 2000. Alle Versuche, alle Interventionen beim Land, bei Politikern, das zu ändern, haben nichts gebracht. Eine Klage gegen das Finanzausgleichsgesetz hat nach Ansicht von Juristen keine Aussicht auf Erfolg. Das Umlagesystem des Landes war es auch, das uns den Schuldensockel von 2,7 Millionen Euro einbrachte, weil die hohen Gewerbesteuereinnahmen 2002 einbrachen.

Wo liegt denn der Ausweg? Zwei Versuche, sich nach Greifswald eingemeinden zu lassen, sind ebenso wie die Vierer-Fusion mit Neuenkirchen, Levenhagen und Mesekenhagen gescheitert. Hoffen Sie auf den angekündigten Entschuldungsfonds des Landes?

Dass wir ohne die Hilfe Dritter nicht aus der Misere herauskommen, ist klar. Übrigens wären wir seit Anfang der 1990er Jahre Greifswalder Stadtteil, wenn nicht der Greifswalder Landrat Herbert Kautz und der Kreistag von Greifswald dagegen gewesen wären. Das ist Geschichte. Nachdem die Bürger zweimal gegen die Eingemeindung in die Hansestadt gestimmt haben, ist Greifswald keine Option mehr. Man muss die Niederlage akzeptieren. Wir hoffen, dass jetzt der Zusammenschluss mit Neuenkirchen gelingt, für den sich die Gemeindevertretung einstimmig ausgesprochen hat. Erst nachdem der Viererzusammenschluss im Dezember gescheitert war, konnten wir diese Option verfolgen.

Wir haben für unsere Sparbemühungen im letzten Jahr 100 000 Euro bekommen. Die Summen, die durch den Entschuldungsfonds zu erwarten sind, werden unsere Probleme nicht lösen.

Nun hat die Gemeindevertretung ja gerade die Hebesätze für die Grund- und Gewerbesteuern auf den Landesdurchschnitt gesenkt, also bei der Grundsteuer B auf 427 Prozent und bei der Gewerbesteuer auf 381 Prozent. Das vorliegende Haushaltssicherungskonzept wurde abgelehnt. Da wird es doch weder Geld aus dem Entschuldungsfonds geben noch einen genehmigten Haushalt.

Warten wir es ab. Wir hätten schon lange die Hebesätze senken sollen. 700 Prozent bei der Grundsteuer B haben nichts gebracht, außer die Bürger zu belasten. Wir müssten 2000 Prozent nehmen, um die Forderungen des Innenministeriums nach Haushaltsausgleich zu erfüllen. Freiwillige Ausgaben können wir uns seit 20 Jahren ohnehin nicht leisten. Ich bin dem Finanzausschuss dankbar, dass er für die Senkung der Hebesätze votiert hat.

Trotzdem feiert Wackerow Feste. Wie geht das?

Wir haben gelernt, mit der Finanzmisere zu leben. Bürger und Gemeindevertreter ermöglichen das Dorfleben, wie zuletzt das Osterfeuer, durch Engagement und Spenden der Feuerwehr. Dieses Engagement gehört zu den Gründen, warum ich weitermachen möchte. Ein weiterer ist die bauliche Entwicklung, aktuell im Bebauungsplan 103 Richtung Dreizehnhausen.

Ihr Bürgermeistermitbewerber Torsten Maaß wirft ihnen mangelnde Transparenz der Entscheidungen vor. Hat er recht?

Nein, wir handeln nachprüfbar entsprechend der Hauptsatzung, die Aushänge mit Einladungen zu Sitzungen und Bekanntmachungen zu Beschlüssen vorsieht. Außerdem nutzen wir dass Amtsblatt.

Ginge es nicht etwas moderner, zum Beispiel mit einer Homepage?

Die müsste jemand erstellen und pflegen, dafür ist kein Geld da. Zu wichtigen Fragen laden wir auch zu Einwohnerversammlungen ein.

Können Sie Beispiele nennen?

Wir haben eine Einwohnersammlung zum Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Gelände des früheren „Doris Diner“ durchgeführt. Es gab Zustimmung. Auch ist die Anhörung der Bürger zu der Idee, vor dem ehemaligen Gutshaus eine Anlage mit acht Wohnungen zu errichten, geplant.

Wie steht es denn um den Bahnhaltepunkt Wackerow, den die Gemeindevertretung seit Langem anstrebt?

Die Erfüllung dieses Wunsches unserer Bürger gestaltet sich nach wie vor schwierig. Man hat uns zu verstehen gegeben, dass es den Haltepunkt Wackerow geben könnte, wenn wir die Gemeinde Sundhagen bewegen, Jeeser aufzugeben. Aber das lehnen wir ab.

Eckhard Oberdörfer

Die Verwaltung soll Vorschläge erarbeiten, wo ein solcher Gedenkort für den Autor entstehen könnte. Auch wie das Denkmal aussehen soll, ist noch unklar. In diesem Jahr wird der 250. Geburtstag Ernst Moritz Arndts gefeiert.

01.05.2019

Zunächst soll die Akzeptanz einer Beschränkung bei der Bevölkerung überprüft werden. Lösungsansätze für den Umgang mit Böllerei könnten andere Städte bieten.

30.04.2019
Greifswald Parteien in Vorpommern - Wann schläft diese Frau?

Katja Wolter hilft jungen Menschen, Unternehmensideen zu verwirklichen, beschreibt in einem Buch bisher verborgene und gefühlige Seiten der Politik, und sie will der FDP in Vorpommern wieder zu mehr Relevanz verhelfen.

30.04.2019