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Greifswald Dank neuer Herzklappe auch mit über 80 das Leben genießen
Vorpommern Greifswald Dank neuer Herzklappe auch mit über 80 das Leben genießen
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08:27 26.03.2019
Im Herzzentrum Karlsburg werden Aortenklappen minimal-invasiv durch Oberarzt Dr. Ronald Bittner (2.v.l.) eingesetzt. Mit ihm im OP-Saal stehen u. a. Herzchirurg Oberarzt Dr. Knut Ansorge (r.) und Schwester Ines. Quelle: Cornelia Meerkatz
Karlsburg

Wenn Oberarzt Dr. Ronald Bittner eines hat, dann eine ruhige Hand: Mit geübten Handgriffen schiebt er den Katheter durch die Leistenarterie und dann in Richtung Herz. Der Kardiologe will einer über 80-jährigen Patientin eine neue Aortenklappe einsetzen und sie damit nicht nur von ihren Herzproblemen befreien, sondern auch eine ganz neue Lebensqualität zurückgeben. Die OP führt er gemeinsam mit Oberarzt Dr. Knut Ansorge, Chirurg, Anästhesistin Janina Dammann und dem Oberarzt der Anästhesie, Dr. Dariusz Rosinski, Kardiotechniker Jens Pehlke sowie Schwester Ines und „Springer“ Schwester Heike durch. Das Team arbeitet ohne viele Worte, jeder kennt genau seine Aufgaben bei diesem Eingriff ...

Verengung der Aortenklappe gehört bei älteren Menschen zu einer der häufigsten Herzerkrankungen. Wenn die Klappe nicht mehr richtig funktioniert, gelangt nicht genügend Blut in den Körper und das hat unübersehbare Folgen: Der Patient leidet unter Luftnot, wird schnell schlapp und ist nicht leistungsfähig. Selbst kleinste Strecken zurückzulegen, fällt ihm schwer. Sein bisheriges Leben kann er so nicht mehr aufrechterhalten. „Mit dieser neuartigen minimal-invasiven Operationsmethode über die Leiste haben wir eine völlig neue Möglichkeit in die Hand bekommen, um gerade diesen Patienten ein beschwerdefreies Leben ohne neue Medikamente zurückgeben zu können“, sagt Bittner. Seit zehn Jahren operiert er diese Methode, fast täglich setzt er Männern und Frauen neue Aortenklappen ein. Kein Wunder, dass er im Herzzentrum Karlsburg nur als „Tavi-Mann“ bezeichnet wird. Der Begriff Tavi steht für Transkatheter-Aortenklappen-Implantation und der 52-Jährige hat die meisten dieser Spezial-OP durchgeführt. Im vergangenen Jahr wurden in Karlsburg 260 derartige Eingriffe vorgenommen. Dr. Bittner war bei rund 200 Eingriffen dabei.

Kein Eröffnen des Brustkorbs notwendig

Auch in diesem Jahr hat er bereits 70 dieser Eingriffe durchgeführt. „Es ist das schonendste Verfahren gerade für ältere Menschen“, sagt Bittner. Kein Eröffnen des Brustkorbes, keine langen Krankenhausaufenthalte und die minimal-invasive OP können auch Patienten mit weiteren Vorerkankungen über sich ergehen lassen. Dennoch darf nicht vergessen werden: Die OP mit eröffnetem Brustkorb ist immer noch die Standard-OP. Denn die eine wie die andere hat Vor- und Nachteile. So lässt sich bei der offenen Operation nicht nur die Klappe haargenau dort platzieren, wo sie hin muss, die Mediziner können auch gleich noch Arterienkalk entfernen. „Bei der minimal-invasiven OP wird der Kalk durch die neue Klappe zur Seite gedrückt und bleibt im Körper“, erläutert Dr. Bittner.

„Schleuse liegt, Klappe bitte“, sagt er dann in Richtung des Kardiotechnikers. Jens Pehlke hat zu diesem Zeitpunkt die sterile Klappe bereits im Wasser zusammengedrückt und in die Spitze eines Katheters geschoben. Nun geht es von der Leiste an aufwärts Richtung Herz. Der Katheter muss bis zur linken Herzkammer in der verengten Aorta platziert werden. Über große Monitore verfolgen die Mediziner den Weg des Katheters. Im Falle dieser Patientin wurde eine selbstexpandierende Prothese verwendet. Sie besteht aus einem flexiblen Metallgeflecht aus Nithinol, in das die biologische Prothese eingenäht ist, die sich dann selbst entfaltet. Das Material der Kunstklappen stammt von Schwein oder Rind. Die Klappe wird in Handarbeit in ein Drahtgeflecht eingenäht. Damit das Geflecht in den Aorteneingang passt, stehen verschiedene Größen bereit. In Karlsburg, einem seit 2016 zertifizierten „Tavi“-Zentrum, werden neben der selbstexpandierenden Prothesen auch ballonexpandierende Prothesen verwendet. Sie bestehen aus einem gefalteten Stent, in den die Klappe eingenäht ist.

Klappe entfaltet sich selbst

Dann ist es so weit, die neue Herzklappe ist positioniert und wird freigesetzt. Doch ehe es dazu kommt, entscheidet Oberarzt Bittner, dass die Position der neuen Klappe noch einmal korrigiert werden muss. Vorsichtig wird die Klappe in den Katheter zurück gepresst. Bittner dirigiert die Klappe langsam und mit Umsicht an den neuen, besseren Platz. „Passt“, sagt er nach kurzer Zeit, seine Kollegen nicken zustimmend. Der Katheter wird langsam wieder zurückgeschoben. Nun kann sich die Klappe selbst entfalten, dabei werden die verkalkten alten Segel zur Seite gedrückt. Nach einer Stunde ist die Operation, die um die 30 000 Euro kostet, beendet – das Blut kann wieder ungehindert durch die Aorta der Patientin fließen.

Der Oberarzt und das gesamte Team sind zufrieden. Schon in wenigen Tagen wird sich für die Patientin das Leben wieder völlig normalisieren. „Die Frau kann wieder alles machen, was sie auch vorher getan hat, ehe die Luftnot und andere Einschränkungen kamen. Spaziergänge, Konzertbesuche, alles ist wieder möglich. Sie kann mit der neuen Klappe das Leben genießen“, meint Bittner.

Im Herzzentrum Karlsburg werden fast täglich Menschen operiert, die eine neue Aortaklappe brauchen. Über 1800 dieser Klappen wurden bereits implantiert. Die OZ durfte bei einer Operation dabei sein.

Karlsburger Konzepte wissenschaftlich bestätigt

Nicht nur zufrieden, sondern geradezu euphorisch ist der Chef der Karlsburger Klinikums, der Ärztliche Direktor Prof. Wolfgang Motz. Er ist vergangene Woche von der Jahrestagung der amerikanischen Kardiologen aus New Orleans zurückgekehrt. Dort wurden zwei Studien vorgestellt, die die Überlegenheit der Transkatheter-Herzklappen auch bei Patienten mit niedrigem OP-Risiko zeigen. Die Amerikaner sind überzeugt, dass das interventionelle Katheterverfahren die chirurgische Herzklappenoperation als Standardeingriff ablösen wird. „Damit haben die Karlsburger Konzepte ihre wissenschaftliche Bestätigung erhalten“, freut sich Motz.

Cornelia Meerkatz

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