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Greifswald Neue Bauplätze im Greifswalder Speckgürtel
Vorpommern Greifswald Neue Bauplätze im Greifswalder Speckgürtel
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20:00 05.11.2019
Neuenkirchen ist von der Einwohnerzahl her die größte Gemeinde im Amtsbereich Landhagen. Der Ort verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur. Quelle: GR
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Greifswald

Der Bedarf ist groß. Viele Greifswalder Familien wollen in der Kreisstadt oder dem Umland bauen. Aber es gibt nur sehr wenige Grundstücke und keine Bebauungsgebiete mit freien Grundstücken. „Der Bedarf nimmt zu“, bestätigt der Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung Vorpommern, Roland Wenk. „Denn Greifswald ist ein echter Wachstumskern.“

Nach der Wende zogen viele Gutverdiener in den Speckgürtel. Hinrichshagen verdoppelte beispielsweise seine Einwohnerzahl, Weitenhagen wird wegen der vielen Unimitarbeiter schon scherzhaft „Unihagen“ genannt und die Wackerower Entwicklung war geradezu schwindelerregend. Die wilden Nachwendezeiten sind vorbei. Heute achtet die Raumordnung auf eine geregelte Entwicklung und das Oberzentrum Greifswald hat so eine Art Vetorecht bei der Planung neuer Baugebiete. Der Hansestadt fehlen indes leicht erschließbare Flächen. Im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030+ wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass der Bedarf von rund 1000 Eigenheimbauplätzen nur schwierig zu erfüllen sein werde. Dort wird angeregt, Grundstücke in erschlossenen, gut angebundenen Lagen im Rahmen der Stadt-Umland-Kooperation beispielsweise in Wackerow, Neuenkirchen, Hinrichshagen und Weitenhagen einzubeziehen.

Arbeit an Stadt-Umland-Konzept fürs Wohnen

„Seit über zwei Jahren wird über ein gemeinsames Konzept für den Stadt-Umland-Raum verhandelt“, so Wenk. Der Stadt-Umland-Raum, das sind Greifswald und Hinrichshagen, Kemnitz, Levenhagen, Neuenkirchen, Mesekenhagen, Wackerow und Weitenhagen. „Wir suchen geeignete Flächen, betrachten die Erschließungs- und Versorgungsmöglichkeiten.“ Es stünden auch schon Zahlen für die Kontingente der Gemeinden im Raum, aber beschlossen sei noch nichts.

Neuenkirchen liegt näher an der Greifswalder Altstadt als Schönwalde und ist dank der guten Infrastruktur sehr gefragt. Wer auf einschlägigen Immobilienportalen nach Greifswald sucht, dem wird häufig Neuenkirchen als Greifswald offeriert.

Zwei Projekte in Neuenkirchen

Aber bevor es neue Bebauungspläne in Neuenkirchen geben kann, muss die Gemeinde ihren 20 Jahre alten Flächennutzungsplan überarbeiten, das läuft seit längerer Zeit. Nördlich des Kohlgrabens, erreichbar über die Straße am Marktflecken, soll es 25 frei stehende Einfamilienhäuser geben. „Wir möchten, dass die Fahrzeuge während der Bauphase nicht durch das bestehende Wohngebiet, sondern über eine Baustraße fahren“, erläutert Bürgermeister Frank Weichbrodt. Das wolle die Uni nicht, weil das zu teuer und „nicht nachhaltig“ sei. Seiher herrsche Funkstille, dabei sollte doch die Hochschule als Grundstückseigentümer Interesse an der Vermarktung ihrer Flächen haben. Bisher gibt es nur einen Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan 16. Die Uni verweist darauf, dass mehrere Grundstückseigentümer betroffen seien, darum könne man sich nicht zur Baustraße äußern.

Zwischen den Straßen Am Kohlgraben und Am Marktflecken sollen Eigenheime im Anschluss an ein bestehendes Wohngebiet entstehen können. Quelle: eob

In diesem Bereich könnte es noch etwa 25 weitere Eigenheimbauplätze geben. „Greifswalder Investoren haben Interesse an dem Dreieck zwischen Am Marktflecken und Am Kohlgraben“, informiert Weichbrodt. „Der noch gültige Flächennutzungsplan sieht aber hier Gewerbeflächen vor. Aber in den letzten Jahren hat sich keiner dafür interessiert.“ Konkret handelt es sich um das Sonderbaugebiet F 96 (Fernverkehrsstraße 96), wie die spätere B 96 damals hieß.

Nur die Anfrage eines Möbelhändlers habe es gegeben, dem die in Privatbesitz befindliche Fläche aber viel zu klein war, so Weichbrodt. Seitens des Bauausschusses gab es durch Bodo Filbrich im Gemeinderat Zustimmung für eine Umwandlung der Gewerbe- in eine Wohnbaufläche. Allerdings sollte die Gemeinde über die Anlage eines Spielplatzes und eines Löschwasserteichs verhandeln. Ferner biete ein neues Wohngebiet die Chance, die benachbarte „hässliche Schallschutzwand“ zu verändern, so Filbrich.

Gewerbeland soll Bauland werden

Keine Schönheit – Lärmschutzwand am Kohlgraben Quelle: eob

Das wäre dann Sache der Verhandlungen über den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor. Grundsätzlich stimmte der Gemeinderat einstimmig für die Umwandlung der Gewerbe- in Wohnbauflächen. Der Bürgermeister will nun als Erstes erkunden, ob die Ausweisung des neuen Wohngebietes im Rahmen des Kontingentes liegt, über das die unmittelbar Greifswald benachbarten Gemeinden mit der Hansestadt verhandeln. „Ist das der Fall, legen wir sofort los“, kündigt Weichbrodt an.

In Wampen und Leist, den Neuenkirchener Ortsteilen mit Wasserlage wird es in naher Zukunft keine neuen Wohngebiete geben. Denn das Amt für Raumordnung und Landesplanung sowie die Naturschutzbehörden sehen Vorhaben in der Nähe von Gewässern oder naturschutzrechtlich geschützten Flächen generell sehr kritisch.

Investor für Studenten- und Mitarbeiterappartements in Wackerow

Aktuell sieht es auch in den anderen Umlandgemeinden mau aus. Im letzten Wackerower Baugebiet sind die Grundstücke schnell verkauft worden. Aktuelle neue Planungen für Eigenheime gibt es in Wackerow nicht. Nur den bereits bestätigten Bebauungsplan 104a „Studentencampus“, in dem ursprünglich Studentenappartements in Mehrfamilienhäusern gebaut werden sollten. Dafür besteht Baurecht.

Es gibt aktuell einen neuen Investor, die Egon Pfadt Entwicklungsgesellschaft mbH aus Berlin. Egon Pfadt spricht von 162 Appartements. „Unsere Gedanken gehen jetzt in Richtung von Appartements für Studenten, aber auch wissenschaftliche Mitarbeiter namhafter in Greifswald ansässiger Institute“, sagt Pfadt. Mit dem beauftragten Architekten wolle er kurzfristig klären, ob das machbar sei. In diesem Jahr waren auch schon Seniorenwohnungen im Gespräch.

Diedrichshagens Bürgermeister Marko Diedrich Quelle: eob

In Hinrichshagen gibt es nichts Konkretes

„Wir haben keine konkreten Vorhaben“, informiert Hinrichshagens Bürgermeister Marko Diedrich. Vorstellbar seien noch knapp 20 Bauplätze, die aber nicht die Gemeinde, sondern private Investoren erschließen sollen. Auf dem Internetportal www.immowelt.de gibt es übrigens zwei Angebote für Grundstücke in Hinrichshagen.

Levenhagen kann 20 Bauplätze anbieten

Auch Levenhagen gehört zum Stadt-Umland-Raum. Dort gibt es ein bestätigtes Bebauungsplangebiet, in dem etwa 20 neue Wohneinheiten entstehen sollen. Investor ist der Gützkower Unternehmer Armin Görs. 20 sind so viele Eigenheime, wie bisher seit der Wende in Levenhagen entstanden sind.

Kemnitz hat Möglichkeiten ausgeschöpft

„Anfragen von Interessenten gibt es genug, die Lage von Kemnitz ist gut“, sagt Bürgermeister Klaus Buchheister.

Klaus Buchheister, Bürgermeister der Gemeinde Kemnitz Quelle: Meerkatz Cornelia

„Im Moment gibt es einen Bauboom. Aber wir haben keine Flächen. Alle Möglichkeiten für Baugebiete im Flächennutzungsplan der Gemeinde sind ausgeschöpft.“ Einen F-Plan zu ändern, brauche Zeit.

Ehrenrunde für kleines Baugebiet in Diedrichshagen

Ein aktuelles Vorhaben ist ein kleines B-Plan-Gebiet in der Langen Reihe im Weitenhäger Ortsteil Diedrichshagen. Allerdings geht es nur um drei oder vier Bauplätze und die Planer müssen eine Ehrenrunde drehen. „Es muss noch eine Umweltprüfung erfolgen“, informierte Bürgermeisterin Janina Jeske auf der letzten Sitzung der Gemeindevertretersitzung.

Interesse für Neubebauung in Helmshagen I

Möglicherweise gibt es künftig noch Baumöglichkeiten in Helmshagen I. Die Gemeindevertretung hat beschlossen, die Verträge der Mieter des Garagenkomplexes zu kündigen. Bisheriger Favorit für die neue Nutzung ist die Erweiterung des Gewerbegebietes. Aber es gibt einen anderen Bewerber, der die Garagen auf eigene Kosten abreißen und überplanen will, wie Tom Krietsch auf der Sitzung informierte. „Ein Geschäftsfreund und ich möchten auf der über einen Hektar großen Fläche Wohn- und Gewerberäume schaffen“, bestätigt der Weitenhäger Unternehmer Norbert Kühl. Der Bedarf sei da. Möglicherweise könnte die Fläche auch etwas größer sein. Der Geschäftsfreund habe eine gute Bonität.

Auch Greifswald hat noch Reserven

Kühl hat noch ein anderes Projekt im Blick, ein großes neues Wohngebiet im Anschluss an den Bebauungsplan 13 „Am Elisenhain“ auf dem Gelände des früheren Guts Gartenbau Greifswald. „Es gibt einen Investor“, sagt er. „Die Planung ist fertig. Aber es fehlt immer noch der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan“, rügt er. „Auf 140 000 Quadratmeter sollen je zur Hälfte Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhäuser entstehen.“ Für Kühl ist völlig unverständlich, warum Planungen in Greifswald heute so unglaublich lange im Vergleich mit vor 10 oder 15 Jahren dauern. In einem Jahr sollte nach dem Aufstellungsbeschluss Baurecht bestehen können, ist er überzeugt.

Für die Stadt Greifswald verweist Franziska Vopel auf mehrere Abstimmungsgespräche mit Investor beziehungsweise Planungsbüro, zuletzt am 28. August. „Wenn Einvernehmen zum städtebaulichen Konzept besteht, bereitet die Verwaltung die Vorlage für den Aufstellungsbeschluss vor, über den dann die Bürgerschaft entscheidet“, so Vopel. Das Stadtparlament habe im Juli 2018 das Vorhaben mit dem Arbeitstitel „Koitenhagen Süd“ in die Projekte mit erster Priorität gehoben.

Von Eckhard Oberdörfer

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