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Greifswald Rettung für Greifswalder Schwarz-Haus?
Vorpommern Greifswald Rettung für Greifswalder Schwarz-Haus?
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15:00 20.06.2019
Es gibt Hoffnung für die Sanierung des Sibylla-Schwarz-Hauses
Es gibt Hoffnung für die Sanierung des Sibylla-Schwarz-Hauses Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

 Seit bald drei Jahrzehnten steht das Geburtshaus der bedeutenden Barockdichterin Sibylla Schwarz (1621 bis 1638) leer. Nur dank städtischer Gelder ist es nicht einsturzgefährdet.

Jetzt endlich zeichnet sich eine Lösung ab. Vertreter des 2013 gegründeten Sibylla-Schwarz-Vereins und Eigentümer Cornelius Siller haben in den letzten Monaten intensiv verhandelt. Am 8. Juni hat der Eigentümer und am 14. Juni hat für den Verein Sonja Gelinek eine Unterschrift unter eine Absichtserklärung gesetzt. Demnach würde zwischen Siller und dem Verein ein langfristiger Mietvertrag über das gesamte Haus geschlossen. Darüber soll erstens eine Nutzung durch den Verein und dessen Untermieter erfolgen.

Für ein Sibylla-Schwarz-Zentrum

Zweitens wird so die Finanzierung einer denkmalgerechten Sanierung nach den Nutzungsvorstellungen des Vereins ermöglicht. Dieser will hier ein Sibylla-Schwarz-Zentrum zur Förderung von Wissenschaft, Forschung, Kunst und Kultur einrichten. Es würden laut Plan nicht nur Veranstaltungen stattfinden, sondern auch ein Sibylla-Schwarz-Lesearchiv ist vorgesehen. Im Erdgeschoss sehen die Pläne ein Café vor.

Kosten der Sanierung trägt Eigentümer

Den Antrag auf Baugenehmigung gemäß den abgestimmten Sanierungs- und Umbaumaßnahmen soll Siller stellen und gemeinsam mit dem Verein einreichen. Die Kosten würde laut Absichtserklärung Siller tragen.

Allerdings müssen noch Hürden überwunden werden, damit aus der Absicht Realität wird. So verpflichtet sich der Verein einen geeigneten Bürgen – das könnte die Stadt sein – zu suchen. Dieser müsste garantieren, dass die Miete auch tatsächlich fließt. Ferner verspricht der Verein bei den Nachbarn für eine Zustimmung zu dem Projekt zu werben.

Zweiter Fluchtweg nötig

Die Rückseite der Baderstraße grenzt an unmittelbar an das Krupp-Kolleg. Nach den der OZ vorliegenden Informationen scheiterten Ideen Sillers wie die Einrichtung eines Dönerladens im Erdgeschoss an dem dafür nötigen zweiten Fluchtweg. Das könnte der Weg über den unmittelbaren angrenzenden Hof des Kollegs sein.

„Thomas Stamm-Kuhlmann und ich werden uns nun als Nächstes mit der Stadt und den Fraktionen der Bürgerschaft treffen“, sagt Sonja Gelinek, die seit der letzten Vereinssitzung mit dem Geschichtsprofessor an der Spitze des Vereins steht. Außerdem wolle man das Gespräch mit dem Krupp-Wissenschaftskolleg und der Kruppstiftung in Essen suchen, um für das Vorhaben zu werben.

Im Mai erneut Forderung nach Enteignung

Wenn die Absichtserklärung zu einer Sanierung und Nutzung des Gebäudes führt, wird auch die erst Ende Mai bei einer Kundgebung erneut erhobene Forderung nach Enteignung Sillers hinfällig. Ihm wird vorgeworfen, dass er der grundgesetzlichen Forderung, dass Eigentum verpflichte, nicht nachkomme. Schon einmal, und zwar 2015, hat die Bürgerschaft auf Antrag der Grünen die Enteignung von Cornelius Siller beschlossen. Aber das dafür zuständige Innenministerium des Landes zeigte sich sehr skeptisch und bewertete seinerseits den Schutz des Eigentums sehr hoch. Mit dem von Schwerin empfohlenen Instandsetzungs- und Modernisierungsverfahren wurden keine Erfolge erzielt. Das würde im Grunde auch nur eine Fassadenverschönerung und eine Sicherung bringen.

Schwarz, Koeppen und Fallada sind die „großen Drei“

Die Absichtserklärung könnte hingegen die Weichen stellen, um wichtige Ziele des Sybilla-Schwarz-Vereins zu verwirklichen. Er will die als „pommersche Sappho“ und „Wunder ihrer Zeit“ gerühmte Greifswalder Bürgermeistertochter wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Mit dem Zentrum in ihrem Geburtshaus könnte sie als eine der Greifswalder „großen Drei“ etabliert werden. Auch die Greifswalder Geburtshäuser der Schriftsteller Hans Fallada und Wolfgang Koeppen haben Gedenkstättencharakter.

Was den Denkmalwert des Gebäudes betrifft, muss das Schwarz-Haus keinen Vergleich in der Hansestadt scheuen. Es ist eines der wertvollsten Bürgerhäuser der Stadt mit einer in mehreren Jahrhunderten entstandenen bemerkenswerten Innenausstattung.

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Eckhard Oberdörfer