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Greifswald Greifswald: Fast 10 000 Verstöße in sechs Monaten
Vorpommern Greifswald Greifswald: Fast 10 000 Verstöße in sechs Monaten
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17:00 09.08.2019
Nur das vordere und ein weiteres Auto hatten Ausweise, die zur Nutzung der Behindertenparkplätze vor dem Stadthaus berechtigen. Quelle: Eckhard Oberdörfer
Greifswald

Direkt am Rathaus parken, die Möglichkeit wie hier in Greifswald gibt es in etwas größeren Städten selten, stellt die Frau nach Anfrage fest. Die Detmolderin hat gerade noch ein Plätzchen gefunden. Das Parkverbotsschild hat sie nicht gesehen, kommentiert sie den Hinweis. Schließlich war die gesamte Reihe südlich des Rathauses „besetzt“. Das drohende Knöllchen bewegt die Urlauberin denn doch, Richtung Parkhaus weiterzufahren. Nicht viel besser sieht es häufig vor der Alten Post am Markt, dem Stadthaus, aus. Auf den Behindertenstellplätzen stehen häufig mehrere Autos unberechtigt, häufig sitzt der Fahrer noch drin. Reden will indes keiner mit dem Reporter.

Ein Schwerpunkt ist das Stadthaus

„Der Bereich vor dem Stadthaus und dem Rathaus ist Schwerpunkt für Kontrollen“, informiert Stadtsprecherin Andrea Reimann. „Dort wird verstärkt kontrolliert.“ Das könne im Einzelfall auch zum Abschleppen des Autos führen. Bei Behindertenparkplätzen sei das immer möglich. Aber es würde immer die Verhältnismäßigkeit geprüft. Ein Bußgeld müsse aber immer gezahlt werden.

In der Innenstadt hat ohnehin Anwohnerparken Vorrang. Es gibt nur noch wenige Parkautomaten und auch deren Tage sind gezählt. Auf einen der ausgewiesenen Bewohnerparkplätze kommen zwei potenzielle Anwärter, also Inhaber von Bewohnerparkausweisen. „Und dann sind diese Plätze auch noch von Fremden besetzt“, schimpft Friedrich Bergmann, der in der Loefflerstraße wohnt und gerade in der Bachstraße studiert, ob in allen Pkw ein Anwohnerparkausweis liegt. „Und ich kurve herum und finde nichts.“ Ein weiterer Passant, der seinen Namen nicht nennen will, bestätigt die Situation und fordert mehr Kontrollen.

Greifswald bei Kontrollen gut aufgestellt

Die Zahl der tatsächlich festgestellten Parkverstöße im gesamten Stadtgebiet ist beachtlich. „Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 9733“, so Andrea Reimann. Sicher begrenzten die vorhandenen Ressourcen die Möglichkeiten für Kontrollen. Aber Greifswald befinde sich gegenüber anderen Städten Mecklenburg-Vorpommerns in einer komfortableren Situation. „In Greifswald wird die Überwachung des ruhenden Verkehrs durch den kommunalen Ordnungsdienst gestärkt.“

Mehr Kurzzeitparkplätze gewünscht

„Wenn ich mich im Innenstadtbereich aufhalte, sind die Kontrolleure gefühlt immer präsent“, sagt der Vorsitzende des Ortsrates Innenstadt, Erich Cymek (CDU). „Die Parkmöglichkeiten halte ich insgesamt für unzureichend. Gerade im Bereich des Stadthauses und der Post fehlt es für kurze Gänge, wie die Packetabgabe, und an Möglichkeiten zum Kurzparken.“ Ein kurzfristiger Verstoß sollte milde geahndet werden. Cymek lobt die städtische Praxis, nicht immer gleich abzuschleppen.

Die Chance „Klar Schiff“

Wer sich über Falschparkerärgert, kann auch das Online-Portal „Klarschiff“ nutzen.

Parkverstöße , die über das Bürgerportal „Klarschiff-HGW“ auf der Homepage der Universitäts- und Hansestadt Greifswald gemeldet werden, werden täglich abgerufen, erläutert Stadtsprecherin Andrea Reimann.

Dann wird die Dringlichkeit der Klar-Schiff-Meldungen geprüft. Denn die Politessen haben Kontrollschwerpunkte, wie Sicherung der Straßenreinigung, Straßensperrungen und anderes. In jedem Falle werde die Meldung im Rahmen der regulären Dienstplanung der Außendienstmitarbeiter überprüft, unabhängig davon, ob sich noch mehr Bürger meldeten.

 Für Notfallmeldungen ist das Bürgerportal Klarschiff-HGW nicht das geeignete Medium.

Spätabends und am Wochenende drohen allerdings eher selten Knöllchen. Obwohl laut Reimann der kommunale Ordnungsdienst gerade dann und auch in den späteren Abendstunden für einen höheren Kontrolldruck sorgt, wenn die Politessen Feierabend haben. Anlassbezogen, wie die Stadtsprecherin sagt. So werde auch das häufig missachtete Halteverbot vor der Stadthalle und dem Theater anlassbezogen und regulär kontrolliert.

Für Yachtbauer Ausnahmen nötig

Zumindest gefühlt wird auch in Wieck häufig falsch geparkt, obwohl im gesamten Ortsteil nur Parkverbot gilt. Das beklagt der Ortsrat seit langem. Jüngst sorgte es für Ärger, dass Mitarbeiter von Unternehmen die die Firma Yachtbau Schmidt mit der Ausrüstung eines Schiffes Behindertenparkplätze nutzten. Von Knöllchen war nichts zu hören. „Es sollte doch problemlos möglich sein, dies mit einer Sondergenehmigung, ohne die Beanspruchung der Behindertenparkplätze, für die Schiffbauer zu gestatten“, kommentiert CDU-Fraktionschef Axel Hochschild. „Ich bin stolz auf unsere Yachtbauer, die Greifswald mit ihren Schiffen in der ganzen Welt berühmt machen – und es wird eine Lösung geben.“

Wiecker Ortsrat fordert endlich mehr Kontrollen

Allerdings haben die Kontrolleure in Wieck im ersten Halbjahr 2019 ganze 57 Verstöße festgestellt. „Besonders in der Sommerzeit, wenn in Wieck ein erhöhter Belastungsdruck entsteht, gibt es mehr Kontrollen“, so Reimann. „Ich finde, dass man bei 57 festgestellten Verstößen im ersten Halbjahr in Wieck auf kein gesteigertes Interesse der Kontrolleure schließen kann“, sagt der stellvertretende Ortsratsvorsitzende Christian Kruse (parteilos). „Diese Zahl ist für mich die Bestätigung, dass unser jahrelanges Bemühen Parksünder auszubremsen nicht ernst genommen wird.“ Kruse treffe den Nagel auf den Kopf, sagt der andere stellvertretende Vorsitzende, Heino Förste (Mandat der Linken). „Um diesem Problem wirklich beizukommen, bedarf es letztendlich mehr Kontrollen und Abschleppen sowie mehr Personal beim kommunalen Ordnungsdienst.“

Regelmäßig stehen Autos am Fischmarkt im Parkverbot Quelle: eob

Von Eckhard Oberdörfer

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