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Greifswald Immer weniger Blutspender: Greifswalder Ärzte werben um junge Leute
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Immer weniger Blutspender: Greifswalder Ärzte werben um junge Leute

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18:00 13.02.2020
Dennis Schafaff lässt sich von Schwester Sylvia Birth in der Uniklinik Greifswald Blut abnehmen. Im vergangenen Jahr 2019 spendeten insgesamt 8000 Menschen in der Hansestadt Blut. Quelle: Foto: Ch. Gottschalk
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Greifswald

Dennis Schafaff lässt sich regelmäßig diese kleine Nadel in den Arm stecken, seit er das erste Mal Blut spendete – und zwar an sich selbst. Nötig gemacht hatte es eine Operation vor einigen Jahren, nach der Schafaff erkannte, dass Blutspenden „eine gute Sache“ ist.

„Ich frage auch meine Kommilitonen, ob sie mitkommen, oder versuche andere Freunde zum Spenden zu bewegen. Die Bereitschaft ist groß, nur bekommen viele Leute es zeitlich nicht organisiert“, sagt der Medizinstudent, während Schwester Sylvia Birth an seinem linken Arm eine gute Vene findet, die Stelle desinfiziert und den kleinen Pieks durchführt.

Neuer Tiefstand

Trotz mutmaßlicher Bereitschaft klagt die Blutspendeabteilung in Greifswald seit Jahren über sinkende Spenderzahlen. „Im vergangenen Jahr hatten wir einen Tiefstand von 15 803 Vollblutspenden von rund 8000 Spendern. Vor zehn Jahren hatten wir noch 23 000 Vollblutspenden“, sagt Ulf Alpen, Öffentlichkeitsmitarbeiter der Blutspende.

Die Zahlen geben auch her, dass jeder Spender im Durchschnitt zwei Mal pro Jahr den Weg ins Uniklinikum findet – obwohl Männer sechs Mal im Jahr und Frauen vier Mal im Jahr spenden dürften. Wo liegen die Gründe? „Wer älter ist, erzieht meistens Kinder und steht im stressigen Berufsleben. Dass da nicht die Zeit zum Spenden bleibt, ist in Ordnung. Umso wichtiger ist es, dass die jungen Leute weiter und vor allem vermehrt zu uns kommen“, sagt Oberarzt Thomas Thiele, Leiter der Blutspende.

Schwester Anne Zimak (31) sortiert Konserven in der Blutbank der Greifswalder Unimedizin. Quelle: Christopher Gottschalk

18-bis 30-Jährige sind spendenrelevant

Spendenrelevant sind nämlich vor allem die 18- bis 30-Jährigen – durch sinkende Geburtenraten nach 1990 fehlen viele Blutspender. „Weil einige Studenten unter unseren Spendern sind, wird es vor allem in der vorlesungsfreien Zeit kritisch für uns, wenn sie die Stadt bereits verlassen haben. Ähnlich sieht es im Sommer aus, wenn auch Familien wochenlang in den Urlaub fahren“, so Thiele. Kritisch heißt, dass die Unimedizin mit einem Vorrat an Blutkonserven an der unteren Grenze arbeitet: Jährlich müssen mindestens rund 16 000 Konserven bereitstehen, pro Tag brauchen Ärzte für Operationen und Behandlungen rund 80.

Die Abteilung Blutspende wird seit mehreren Jahren durch modernere Operationsmethoden entlastet, weil weniger Blutkonserven für eine Behandlung verlangt werden: „Wo wir vor zehn Jahren bei einer Herz-OP noch zehn Konserven bereithalten mussten, sind es heute nur noch vier“, sagt Ulf Alpen. Doch die Sorge, dass eines Tages wichtige Behandlungen ausfallen, weil die Blutbank leer ist, treibt Ulf Alpen und Thomas Thiele um.

Längere Öffnungszeit wirkungslos

An kritischen Tagen frage die Unimedizin bereits in anderen Kliniken nach Blutkonserven, bisher immer mit Erfolg. „Wenn manche der aktiven Spender, für die wir sehr dankbar sind, noch einmal mehr im Jahr kommen würden, wäre uns sehr geholfen“, sagt Thomas Thiele. Dass immer mehr Menschen vegan essen und deswegen als Spender ausfallen, sieht Thiele nicht. Zwar gebe es vereinzelt Rückstellungen wegen zu geringer Eisenwerte, das komme bei Vegetariern und Fleischessern genau so vor.

Die Erweiterung der Öffnungszeiten der Blutspende im vergangenen Februar von sechs auf neun Stunden täglich beeinflusste die Spenderzahlen nicht, hätte allerdings den Vorteil, dass die Mitarbeiter der Blutspende an prall gefüllten Tagen besser reagieren können. „Wenn eine Fußballmannschaft oder eine Firma zu uns kommt und spendet, haben wir die Kapazitäten dafür“, sagt Ulf Alpen. Bei einer einzelnen Blutspende wird dem Spender ein halber Liter Blut in ungefähr 15 Minuten entnommen. Ein Teil davon wird auf Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis untersucht (siehe Infokasten).

Wöchentlich Plasma spenden

Blutspender müssen gesund und zwischen 18 und 68 Jahren alt sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen. Der Abstand zwischen zwei Spenden sollte bei Männern 10 Wochen und bei Frauen 13 Wochen betragen – Männer können also sechsmal pro Jahr, Frauen viermal pro Jahr spenden. Für eine Blutspende bekommen Greifswalder 20 Euro Aufwandsentschädigung, für eine Plasmaspende 15 Euro.

Die Öffnungszeiten der Blutspende: montags, dienstags, mittwochs und donnerstags von 9 bis 18 Uhr, freitags von 7 bis 16 Uhr. Am ersten Sonnabend im Monat von 8 bis 12 Uhr. Für eine Vollblutspende sollten Freiwillige insgesamt eine Stunde Zeit einplanen (inklusive Anmeldung und Imbiss).

Terminspenden können die Wartezeit verkürzen: Telefon 038 34 / 86-54 78. Plasmaspenden dauern etwas länger und sind nur mit Termin möglich.

Die Universitätsmedizin will nun mit neuen Werbeflyern, Führungen durch die Abteilung Blutspende für Schüler und eine neue Werbekampagne auf sich aufmerksam machen. Patienten, die eine Blutkonserve bekommen haben, könnten von ihrer Erfahrung berichten, so Ulf Alpen. So würden Spender konkret sehen, dass mit ihrem Blut anderen Menschen das Leben gerettet wurde.

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Von Christopher Gottschalk

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