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Greifswald Erstes deutsches Null-Energie-Apartmenthaus für Studenten entsteht in Greifswald
Vorpommern Greifswald

In Greifswald entsteht erstes energieautarkes Studentenwohnheim in Greifswald

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20:00 15.01.2020
So soll das Studentenwohnheim von Bioniq aussehen. Quelle: Bioniq Beteiligungsgesellschaft GmbH
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Greifswald

Das gibt es in Deutschland bisher noch nicht. „Wir bauen das erste Null-Energie-Apartment-Haus für Studenten“, sagt Thomas Schneider. Der Berliner ist der Geschäftsführer der Bioniq Beteiligungs GmbH. In der Fettenvorstadt investiert die Firma knapp zehn Millionen Euro. Insgesamt entstehen 112 Apartments. Die Bauarbeiten für die Errichtung des viergeschossigen Gebäudes laufen bereits. Im nächsten Jahr im April soll der Einzug gefeiert werden.

Das Besondere an dem neuen Studentenhaus ist das ökologische Baukonzept: Das Gebäude wird nach Fertigstellung ohne Kohlendioxid-Emissionen gewärmt und gekühlt. Dafür wird die Erdwärme „angezapft“. „Über Photovoltaik wird die geringe Menge der zum Betrieb der Geothermieanlage erforderlichen Energie gewonnen“, schildert Schneider.

Greifswald ist unser Pilotprojekt“

Auch äußerlich wird mit dem Haus Neuland beschritten. Denn es ist eine Holzkonstruktion. „Das gesamte Tragwerk und die Bodenbeläge werden aus Holz hergestellt“, kündigt Schneider an. Eine Holzfassade direkt gegenüber dem früheren, zu Kaisers Zeiten gebauten Chemieinstitut, das setze mit Sicherheit auch architektonische Akzente für die Fettenvorstadt.

Greifswald ist unser Pilotprojekt, die Marke Bioniq-Studentenapartments ist beim Patentamt geschützt. Wir wollen dieses Konzept auch noch in anderen deutschen Städten umsetzen.“ Die große Herausforderung sei es gewesen, möglichst viel Holz zu verwenden und alle Anforderungen an Brandschutz, Schallschutz und Statik einzuhalten. Immer unter der Prämisse, dass das Haus lange stehen soll und der Instandhaltungsbedarf gering ist. „Das Grundgerüst wird vorgefertigt“, schildert der Geschäftsführer. Aber geeignete Firmen hätten gut zu tun. „Die Fertigung kann erst im April beginnen.“

Wiedererwerb nach Zwangsversteigerung

Die Bioniq-Idee ist schon einige Jahre alt. Thomas Schneider ist auch Geschäftsführer der in Greifswald seit langem aktiven Firma Select Werthaus. Sie hat vor zehn Jahren das Gelände der früheren Institute für Anorganische und Organische Chemie Soldmannstraße 16/17 von der Uni gekauft und in die denkmalgeschützten Gebäude 130 Studentenwohnungen eingebaut. Während der Sanierung machte ein großer deutscher Baukonzern Kostensteigerungen von 30 Prozent geltend.

Select Werthaus kündigte den Vertrag und verkaufte das Bioniq-Grundstück an eine neue Gesellschaft. Allerdings hatte die Baufirma ihre Forderungen mit diesem Grundstück gesichert. Mehrere Prozesse folgten. „Wir haben etwa 300 000 Euro dafür ausgegeben“, erzählt Schneider. „Die Baufirma dachte sicher nicht, dass wir so lange durchhalten.“ Am Ende stand eine Zwangsversteigerung und sozusagen der Rückkauf des Grundstücks durch Select Werthaus für 270 000 Euro.

Die frühere Anorganik mit dem Hörsaal (rechts) Quelle: Eckhard Oberdörfer

Ökologisches Bauen ist deutlich billiger als vor zehn Jahren

Teurer ist der Bau indes nicht geworden, obwohl Experten von einer Verdopplung der Baupreise im letzten Jahrzehnt berichten. „Die technischen Möglichkeiten nicht nur im Holzbau haben sich deutlich verbessert“, begründet Schneider. „Und man braucht nur noch zwei Drittel der Fläche, um die nötige Leistung der Photovoltaikanlage zu erreichen. In dieser Hinsicht haben wir Glück gehabt.“

Eines hat sich allerdings verändert. Die Apartments werden nicht an Anleger verkauft, zumindest nicht sofort. „Wir behalten sie erst einmal im Bestand“, sagt Schneider. „Das ist wirtschaftlicher für uns.“ Der Trend, Wohnungen nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten, lässt sich auch anderenorts in Greifswald beobachten, aktuell plant das zum Beispiel das Petruswerk für sein Gelände an der Hafenstraße.

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