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Greifswald In Greifswald wachsen mindestens 30 Rekordbäume
Vorpommern Greifswald In Greifswald wachsen mindestens 30 Rekordbäume
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15:41 18.03.2019
Thoraf Weiß zeigt Rekordbäume im Arboretum Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Greifswald

In der Hansestadt steht Deutschlands dickste Sierra-Tanne. Immerhin 2,99 Meter beträgt der Stammumfang in 1,30 Meter Höhe. Nicht anders ist es bei der Erlenblättrigen Felsenbirne, da reichen schon 0,68 Meter Stammumfang, bei einem Rostigen Korbbaum der in Greifswald steht, sind es 2,34 Meter. Die Reihe lässt sich fortsetzen, die meisten stehen im Botanischen Garten an der Münterstraße oder im Arboretum. In der aktuellen Liste der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDS) werden 16 Greifswalder Bäume als Bundeschampions genannt. Dort stehen in der Regel auch weitere sehr große Bäume einer Art. So war die mächtige Schwarzpappel in der Falladastraße, die im Februar in einer umstrittenen Aktion abgesägt wurde, Deutschlands Nummer 2.

„In Greifswald stehen etwa 80 Bäume, die Rekordbäume sein könnten“, sagt Thoralf Weiß, an der Uni zuständig für das Arboretum. „30 sind sicher Champions.“ Die große Zahl der Rekordbäume war im Februar Anlass eines Besuchs der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDS). Hier wurde das Frühjahrsseminar durchgeführt. Bei der Gelegenheit wurde gleich eine Gleditschie des Arboretums zum deutschen Champion gekürt.

Der tolle Bestand großer Bäume ist nicht nur der Existenz eines Botanischen Gartens und der berühmten Landwirtschaftlichen Akademie in Eldena zu verdanken. Unter dem Vorsitz des Botanikprofessors Julius Münter wirkte in Greifswald ein Verschönerungsverein. „Ferdinand Jühlke hat 1875 dem Verschönerungsverein 186 Exemplare von 95 Bäumen und Sträuchern aus der Landesbaumschule Potsdam geschenkt“, berichtet Thoralf Weiß. „Das war ein außerordentlich wertvolles Geschenk.“ Jühlke, zu diesem Zeitpunkt Königlicher Hofgartendirektor und damit quasi Preußens oberster Gärtner, war der erste Inhaber eines Lehrstuhls für Gartenbau in Eldena gewesen. Zu den noch vorhandenen Gehölzen aus dieser Zeit gehört auch die große Hängesilberlinde gegenüber dem sowjetischen Ehrenfriedhof.

Es gibt noch einige rekordverdächtige Bäume in Greifswald wie die große Eibe in der Robert-Blum-Straße. Um Champion Tree zu werden, muss sie vermessen und in die Datenbank der DDS eingetragen werden. „Das kann im Prinzip jeder, wenn bestimmte Kriterien eingehalten werden“, so Weiß. Und Rekord heißt nicht riesig. Die über 100-jährige Amerikanische Pfeifenwinde ist Deutschlands dickste. Aber die Schlingpflanze hat nur einen Umfang von 13 Zentimetern. „Ich habe selbst zwei Champions gepflanzt“, berichtet Thoralf Weiß. Einer ist der seltenste Baum des Arboretums. Die aus Samen gezogene Ludwigseiche wurde 2007 gepflanzt.

„In Greifswald gibt es auch einen sehr schönen Gingkobestand“, schätzt Thoralf Weiß ein. Im Botanischen Garten steht Mecklenburg-Vorpommerns Champion im Botanischen Garten, in Deutschland ist der mit knappen Abstand die Nummer 4. Erst ab etwa 1855 wurden Jungpflanzen angeboten. In Eldena stehen zwei dieser Bäume, die wohl aus der Zeit der Akademie stammen. „Die Gingkos im Botanischen Garten und auf dem Wall stammen vermutlich aus dem alten Botanischen Garten, zu dem auch Teile des inneren Wallgraben gehörten“, erläutert Weiß. Die wahrscheinlich mindestens 20 Jahre alten Exemplare des langsam wachsenden Baums wurden um 1886 bei der Auflösung des alten Botanischen Gartens umgesetzt.

Auch in der Umgebung Greifswalds gibt es Bundeschampions wie den Alpen-Goldregen im Neetzower Schlosspark mit einem Umfang von 1,36 Meter. „In Dersekow steht auf dem Pfarrgrundstück ein großes Paffenhütchen“, nennt Weiß einen weiteren Rekordbaum. „Wahrscheinlich gehört auch die große Robinie auf dem dortigen Friedhof dazu.“ Zu den Exkursionszielen der Dendrologischen Gesellschaft gehörten auch der Forstgarten Jägerhof, Mecklenburg-Vorpommerns dickster Maulbeerbaum in Liepen, alte Buchen bei Rappenhagen und das Naturschutzgebiet Lanken bei Ludwigsburg.

Große Gartenbauexperten wie Ferdinand Jühlke und Julius Münter haben dafür gesorgt, dass in Greifswald Dutzende Rekordbäume stehen. Sie sind häufig nicht besonders auffällig.

Greifswalder Champions

Für Greifswald nennt die Liste aktuell diese Bundeschampions, wobei jeweils in 1,30 Meter Höhe der Stammdurchmesser gemessen wird:

Eine Sierra-Tanne (2,99 Meter), eine Erlenblättrigen Felsenbirne (0,68 Meter), eine Amerikanische Pfeifenwinde (13 Zentimeter), eine Haselnussblättrige Birke (1,69 Meter), einen Purpurblättrigen Trompetenbaum (1,67 Meter), eine Japanische Zimterle (0,49 Meter), eine Dahurische Radspiere (0,50 Meter), eine Japanische Gleditschie (1,96 Meter), eine Chinesische Gleditschie (1,09 Meter), eine Japanische Zaubernuss (0,45 Meter), Asiatisches Gelbholz (0,97 Meter), Rostiger Korbbaum (2,34 Meter), Mandschurische Aprikose (0,52 Meter), Poduasha-Eberesche (1,16 Meter), Kaukasische Linde (2,05 Meter), Mongolische Balsam-Pappel (1,62 Meter).

Eckhard Oberdörfer

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