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Greifswald Inselwartin: Allein aber nicht einsam
Vorpommern Greifswald Inselwartin: Allein aber nicht einsam
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14:37 18.01.2019
Das Inselgehöft auf dem Ruden. Quelle: Chron-Paul (Wikipedia)
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Greifswald

Der Traum vom Leben auf einer einsamen Insel: Katharina Weit hat ihn sich erfüllt. Seit Mitte Oktober ist sie als ehrenamtliche Inselwartin auf dem Ruden tätig. Dort lebt sie auf sich allein gestellt – ohne fließend Wasser und Strom. Besuch kommt nur selten. Einsam fühlt sich Weit dennoch nicht. Dafür habe die etwa 24 Hektar große Insel, zwischen der Greifswalder Oie und Peenemünde, zu viel zu bieten.

Der Ruden ist ein verbliebener Landstrich der einstigen Verbindung zwischen Usedom und Rügen. Auf der von Dünenkiefernwald, Salzwiesen sowie Dünen- und Trockenrasen geprägten Insel lebt Weit inmitten dessen in einem roten Backsteinhaus mit grünen Fensterläden. Ein Bad, eine Küche mit Gasherd, Holzherd und Schränken, ein Wohn- und Schlafzimmer nennt sie ihr eigen: „Von Luxus keine Spur. Aber genauso mag ich es.“

Der Rhythmus der Insel

Seit 2012 befindet sich das Eiland im Greifswalder Bodden im Besitz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt - Naturerbe (DBU). Die Betreuung gab die Stiftung in die Hände des Vereins „Jordsand.“ Im Sommer lernte die 51-jährige Katharina Weit die Insel bei einem Naturschutzeinsatz zum ersten Mal kennen. Sie bewarb sich beim Bundesfreiwilligendienst als Inselwartin.

Katharina Weit ist seit Mitte Oktober als Inselwartin auf dem Ruden tätig. Quelle: Katharina Weit

Den Rhythmus der Insel habe sie schnell verinnerlichen können. Jeder Tag beginne vor sechs Uhr morgens, einen Wecker braucht sie nicht: „Dann heißt es Katzenwäsche, warm anziehen, Fernglas sowie Handy schnappen, ein letzter Schluck vom heißen Kaffee und los geht’s zum Oststrand, wo ich alltäglich der Sonne beim Aufstehen zuschaue.“

Vier bis fünf Stunden verbringt Weit bei Wind und Wetter am Stück draußen, zählt und kartiert Wasservögel wie Berg- oder Eisenten, kümmert sich um die Schafe der Insel und hält Besucher, Touristen sowie Wassersportler davon ab, das Eiland ohne Genehmigung zu erkunden. „Der Anlegehafen ist nicht mehr verkehrstauglich. Im Oktober sind unter der Woche drei bis vier Leute angelandet“, sagt die Greifswalderin.

Ressourcen besser nutzen

Erfahrungen im Umwelt- oder Naturschutz hatte sie vor ihrer Tätigkeit nur im privaten Bereich: „Ich bin zwar nicht spezialisiert, aber ein Allrounder. Im Laufe meines Lebens habe ich das gelernt. Für Dinge,die ich nicht kann, organisiere ich mir Hilfe beispielsweise beim Verein ’Jordsand’, der mich durch regelmäßigen Kontakt betreut.“

Als Aussteigerin sieht sie die Inselwartin nicht. Viel mehr gehe es um Entschleunigung im Leben und darum, sich an die Einfachheit zurück finden. Ihr Grundsatz: Ressourcen besser nutzen. Nur wenige Sachen brachte Weit mit auf die Insel. Darunter ein Daunenbett, warme Kleidung in mehrfacher Ausführung, Eingewecktes aus ihrem Garten, einen alten Beistellherd ihrer Großmutter. Weit lebt ein einfaches und nachhaltiges Leben auf der Insel: Jeden Liter Wasser holt sie aus Regentonnen, elektrischen Strom gibt es nicht. Im Haus verwendet sie Teelichter. „Davon verbrauche ich nur eines am Tag.“ Einzig ein Solarpanel, womit Weit ihr Handy lädt, und eine Notstromaggregat befinden sich auf der Insel. Letzteres nutzt sie aber nicht. Für viele wäre dieses Leben eine Herausforderung, „für mich ist es ein Vergnügen.“

Die Insel Insel Ruden befindet sich etwa 25 Kilometer Luftlinie von Greifswald entfernt. Quelle: Olaf Maas

Obwohl der Gedanke nahe liegt: Viel Freizeit hat Weit nicht. Als Inselwart gebe es neben den täglichen Aufgaben immer etwas zu tun. Für das Feuerholz hat sie einen Unterstand gebaut, spinnt Schafswolle mit einem Spinnrad: „Ich lese auch gar nicht so viel, wie ich mir vorgenommen habe. Dafür ist es draußen einfach viel zu interessant.“ Kein Tag sei wie der andere: „Auch wenn ich mal nicht so gut drauf bin, hat die Natur immer eine Überraschung parat.“ Als sie einmal neun Stunden lang um die „Insel stapfte“, wie sie sagt, haarten Hunderte Fische in den Pfützen zwischen den Wellenschutz-Steinen. „Grundel, Aal, Zander, Hering, Flunder, Unbekannt. Allesamt noch ganz lütt. Gestrandete Kämpfer setzte ich ins tiefere Wasser. Aber soll man das? Oder darf man das? ’Streitfrage’, dachte ich dann.“

Insel ist durchgängig besetzt

Mit den Auswirkungen der Zivilisation hat Weit auf ihrer Insel dennoch zu kämpfen. Als das Sturmtief „Zeetje“ nach Neujahr über das Land fegte, schwemmte das Meer zahlreiche Müllreste auf das Eiland. „Seitdem schnappe ich mir jeden Tag einen gelben Sack und sammle das ganze Plastik auf.“ Einmal im Monat kommen Umweltschützer zur Robbenbeobachtungen auf die Insel. „Sie können mir dann etwas mitbringen. Ich bitte sie dann, den Müll für mich mitzunehmen.“ Beim Sturm selbst war Weit nicht auf der Insel. Eine Woche vor Silvester und eine Woche danach betrat sie für 14 Tage wieder Festland: „Unsere Familie hat Zuwachs bekommen. Da wollte ich als Unterstützung dabei sein.“ Für die Zeit, die sie nicht da war, kam eine Art Vertretung. Denn die Insel ist durchgängig von einem Inselwart besetzt.

Noch bis zum Frühjahr wird Weit auf ihrer einsamen Insel leben, die unberührte Landschaft mit all ihren Facetten hautnah erleben. Danach will sie sich weiterhin Naturschutz-Projekten widmen. Für die Insel würde sich die 51-Jährige wünschen, dass dieser Ort für erneuerbare Energien genutzt wird. „Schön wäre es auch, wenn hier eine Art energietechnischen Musterhaus stehen würde, sich Interessenten einmieten und ausprobieren sowie überzeugen könnten, dass ein ressourcensparendes Leben möglich und vor allem lohnend ist.“ So bekäme jeder die Möglichkeit, für sich zu erkennen, dass ein einfacheres Leben glücklicher machen kann.

Christin Lachmann

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