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Greifswald Succow ist „Inspiration für alle“: Naturschutz-Stiftung aus Greifswald wird 20
Vorpommern Greifswald Succow ist „Inspiration für alle“: Naturschutz-Stiftung aus Greifswald wird 20
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18:55 03.05.2019
Michael Succow, der Vater der ostdeutschen Nationalparke und Träger des Alternativen Nobelpreises, gründete mit dem Preisgeld im Jahr 1999 die Stiftung. Quelle: dpa-Zentralbild
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Greifswald

Die Michael-Succow-Stiftung ist mit mehr als 100 Projekten in etwa 20 Ländern der Erde die internationalste Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern. Mit einem Festakt und dem Who is Who der deutschen Umweltforschung und des deutschen Umweltschutzes feierte die Stiftung am Freitag in Greifswald ihr 20-jähriges Bestehen.

Kritik: Politik ignoriert das Problem der Naturzerstörung

Die Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, warf in ihrem Festvortrag der Politik vor, die Probleme der Naturzerstörung weitgehend zu ignorieren. „Probleme haben in der Politik keine reale Existenz. Sie werden erst zu politischen Problemen, wenn sie als solche nicht nur von einer Minderheit wahrgenommen werden und ein ausreichender Handlungsdruck erzeugt wird,“, sagte sie. Die Succow-Stiftung trage dazu bei, den notwendigen Handlungsdruck zu erzeugen.

Gegründet wurde die international agierende Stiftung quasi am Küchentisch von Michael Succow in Wackerow, der 1998 als Vater der ostdeutschen Nationalparke den Alternativen Nobelpreis erhalten hatte und das Preisgeld in Höhe von 100 000 D-Mark in die Stiftung steckte. Die Stiftung setzt sich seitdem weltweit für den Moor- und Klimaschutz ein, ob in Klimaschutzprojekten wie in Weißrussland oder bei der Entwicklung von Schutzgebieten in Äthiopien, Georgien, Myanmar, im Iran und Zentralasien.

Michael Otto und Monika Griefahn – alte Freunde der Stiftung

Die Greenpeace-Mitbegründerin Monika Griefahn und der Hamburger Unternehmer Michael Otto gratulieren. Quelle: Martina Rathke

Ein weiterer Schwerpunkt ist die ökologische Landnutzung. Die Greenpeace-Mitbegründerin und frühere Umweltministerin Monika Griefahn, der Hamburger Unternehmer und Umweltschützer Michael Otto und alte Weggefährten aus Wendezeiten wie der Naturschützer Hannes Knapp waren am Freitag nach Greifswald gekommen, um Succow und der Stiftung zu gratulieren.

Aus der kleinen Initiative ist in den 20 Jahren ein professionell agierender Apparat mit 30 Mitarbeitern gewachsen, mit einem eigenen Stiftungsgebäude in der Greifswalder Ellernholzstraße und seit 2018 dem Ronald-Abraham-Haus auf der kleinen Insel Koos. „Der Erwerb des Stiftungsgebäudes war ein wichtiger Meilenstein für uns“, sagte der Stiftungs-Geschäftsfsführer Uli Gräbener.

Der heute 78-jährige Stiftungsgründer zog sich vor einigen Jahren aus dem offiziellen operativen Geschäft zurück. Doch in der Stiftung ist er weiter präsent. „Er ist Inspiration für uns alle. Er legt den Finger in die Wunde und überrascht uns im Wochentakt mit neuen Projektideen“, sagte Co-Geschäftsführer Thomas Beil. Zur Bilanz der Stiftung zählen mittlerweile 20 ausgewiesene Schutzgebiete, 20000 Hektar wiedervernässte Moorflächen und 1400 Hektar eigener Flächenbesitz.

Succow: „Wir haben Unmögliches möglich gemacht.“

Succow selbst scheint am meisten erstaunt über den Erfolg seiner Stiftung, die in ihrer Heimat Vorpommern wegen der umstrittenen Wiedervernässung von Mooren wohl den größten Widerspruch erfährt. „Wir haben Unmögliches möglich gemacht“, sagte Succow der OSTSEE-ZEITUNG. „Wir haben eine Stiftung ohne Kapital gegründet, aus der nun etwas wunderbar Großes gewachsen ist.“

Rund 20 Millionen Euro wurden seit der Gründung über die Stiftung in die Projekte in Osteuropa, Asien, Afrika oder auch Deutschland gesteckt. „Von den Bundesministerien werden wir als verlässlicher Partner geschätzt – mit der Erwartung, dass mit dem Geld natürlich auch verantwortungsvoll umgegangen wird“, so Gräbener. Das aktuelle Jahresbudget beträgt etwa drei Millionen Euro. Problematisch sei, dass zu der Fördersumme auch immer ein Eigenanteil aufgebracht werden müsse. „Aber wir haben einen Stamm von Succow-Verehrern und von Bekannten, die mit Spenden die Eigenanteile zu finanzieren helfen.“

Pegel: „Fridays for Future“ ist Erbe der Stiftung

Jüngst gab die Stiftung iranischen Behörden Untersützung, um die hyrkanischen Wälder in den ostiranischen Provinzen Gilan, Mazandaran und Golestan als Weltnaturerbe klassifizieren zu lassen. Die Succow-Stiftung habe dafür das fachliche Dossier erstellt. Es muss nun das Welterbekomitee überzeugen, das in zwei Monaten über die Anträge berät.

Hilfe bei der Ausweisung von Schutzgebieten soll auch künftig ein Schwerpunkt der Stiftung bleiben –neben dem Moorschutz. „Wenn wir bis 2050 unsere CO2-Emmissionen auf Null senken wollen, müssen wir alle Moore, die wir in Mecklenburg-Vorpommern haben, wiedervernässen“, sagte Co-Chef Beil.

Energieminister Christian Pegel (SPD) verwies in seiner Rede auf die Kritik an der Wiedervernässung von Mooren und am Rückbau von Deichen. Deshalb sei es gut, dass es das Konter-Signal der Stiftung und Gegenbewegungen wie Fridays for Futuregebe.

Über 1000 Schüler zogen am 15. März durch die Rostocker Innenstadt.

Die Jugend diskutiere die großen Fragen der Zukunft und die Erwachsenen zögen sich auf formaljuristische Argumente zurück, die Schule nicht zu schwänzen. „Wir sind in einer Situation angelangt, wo viele Jugendliche aufstehen“, zeigte er Sympathie für die von der Schwedin Greta Thunberg initiierte Bewegung. „Fridays for Future“ sei ein Erbe der Arbeit der Succow-Stiftung.

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Hier geht es zur Internetseite der Succow-Stiftung

Martina Rathke

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