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Greifswald „Rente ist für viele ein ganz neuer, schöner Lebensabschnitt“
Vorpommern Greifswald „Rente ist für viele ein ganz neuer, schöner Lebensabschnitt“
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06:00 23.02.2019
Mechthild Karopka von der „Fachstelle Alter“ der Nordkirche. Quelle: privat
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Frau Karopka, dank der gestiegenen Lebenserwartung ist die Rente heute eine Lebensphase, die gut 25, 30 Jahre dauern kann. Sehen Sie darin mehr Chancen oder mehr Probleme?

Es ist für die meisten noch einmal ein ganz neuer, schöner Lebensabschnitt. Die so genannten jungen Senioren können diese Zeit auf Grund der verbesserten gesundheitlichen Versorgung meist noch sehr intensiv erleben und nutzen. Sie nehmen sich Zeit für ihre Enkelkinder und weitere Beziehungen, probieren sich in neuen Feldern aus, engagieren sich ehrenamtlich, reisen oder tun all das, was sie schon lange machen wollten. Aus individueller Sicht sind also sehr große Chancen entstanden. Aus gesellschaftlicher Sicht wird es auch als Problem diskutiert, weil im Rentensystem die Balance zwischen Beitragszahlern und -empfängern schwer zu halten ist, die Politik neue Verteilungsmechanismen suchen muss; was natürlich auch am demografischen Wandel liegt. Ein weiteres Problem, was sich mit dieser Lebensphase verbindet, ist die Altersarmut, die in den nächsten Jahren noch zunehmen wird, vor allem bei Frauen.   

Wie gehen die meisten in diese neue Lebensphase hinein? Was beobachten Sie?

Viele freuen sich auf diese Zeit. Und wenn die nachberufliche Phase begonnen hat, atmen sie erst einmal auf, genießen sehr, dass sie nicht mehr den Zeit- und Leistungsdruck haben, mit dem heute oft die Erwerbsarbeit einhergeht.  Viele halten Rückschau, machen sich klar, dass ihre Lebenszeit und Kraft nur noch begrenzt ist und beginnen, Aufgaben, Wünsche und Verpflichtungen noch einmal neu zu ordnen Einige übernehmen im Ruhestand auch Pflegeaufgaben der eigenen Eltern oder in der Nachbarschaft.

Kommt es nie vor, dass jemand nach dem Berufsende in ein schwarzes Loch fällt?

Doch, bei Männern ist die Gefahr größer als bei Frauen. Wer sich nur über die Erwerbsarbeit definiert hat, verliert mit dem Eintritt in den Ruhestand ja seine zwei entscheidenden Säulen: die berufliche Aufgabe und das soziale Netz, das die Kollegen bilden. Man sollte also rechtzeitig anfangen, sich weitere soziale Kontakte aufzubauen und neue Herausforderungen zu suchen, in die man sein Wissen, seine Begabungen und seine Erfahrungen einbringen kann. Denn auch im Ruhestand ist es gut, Aufgaben zu haben und das Gefühl, gebraucht zu werden.   

Wie helfen Sie als Fachstelle Alter?

Wir bieten Fachtage für Mitarbeiter in der kirchlichen Arbeit an, um mit ihnen eine vielfältige kirchliche Arbeit für ältere Menschen zu entwickeln. Wir beraten Kirchengemeinden, die ihre Seniorenarbeit erweitern möchten. Wir veranstalten aber auch Seminare oder Bildungsurlaube für Ältere, die auf ihre Berufsbiografie zurückschauen und ihre Vorhaben für die Zeit danach sortieren wollen. Und wir machen eigene kirchliche Angebote für Menschen im 3. und 4. Lebensalter. Auch Impulse zu Wohnformen im Alter geben wir gern. Denn wie ich im Alter wohnen möchte, ist ebenfalls eine ganz wichtige Frage. Auch darüber sollte man rechtzeitig nachdenken, so dass eine Eingewöhnung in das neue Wohnumfeld und das Knüpfen von sozialen Beziehungen noch gut möglich ist.

Hier erzählen zwei Rentner über ihren neuen Lebensabschnitt.

Sybille Marx