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Greifswald Judith Schalansky: Haarscharf beobachtet und fein aufgeschrieben
Vorpommern Greifswald Judith Schalansky: Haarscharf beobachtet und fein aufgeschrieben
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13:44 22.02.2019
Die Autorin Judith Schalansky im Gespräch mit Ex-Kulturchef von NDR 1 Ernst-Jürgen Walberg. Der Saal im Wolgaster Museum war dazu am Donnerstagabend restlos besetzt. Quelle: Steffen Adler
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Wolgast

Es war so etwas wie das vorgezogene Präludium der am 31. März beginnenden, diesjährigen Usedomer Literaturtage. Die in Greifswald geborene und jetzt in Berlin lebende und arbeitende Judith Schalansky las am Donnerstagabend im voll besetzten Saal der Wolgaster „Kaffeemühle“. Hierhin hatte Buchhändlerin Ute Henze ausweichen müssen, weil die große Nachfrage befürchten ließ, dass sonst nicht alle Zuhörer in den Genuss der Veranstaltungen kommen könnten.

Schalansky und ihr Partner auf dem Podium, Ernst-Jürgen Walberg (Ex-Kulturchef bei NDR1 Radio MV) erlebten so etwas wie ein Heimspiel, ein Treffen mit Liebhabern ihrer Bücher, das den überaus intelligenten Auftritt der 38-Jährigen – ihr bereits vierter in Wolgast – mit nicht enden wollendem Applaus würdigte. Schon der dicht umlagerte und schwer beladene Büchertisch im Vorraum des Saales ließ ahnen, welch produktiver und mutiger Geist hier den Weg zu seinen Lesern gefunden hatte. Und sowohl die Plauderei über ihr neues Buch „Verzeichnis einiger Verluste“ als auch die vorgetragenen Ausschnitte zogen das Publikum in ihren Bann. Gegenstände haarscharf zu sezieren und ihre Geschichte fein aufzuschreiben, das sind ihre vornehmlichen Stärken.

Wenn es stimmt, dass die Weltgeschichte eine unendliche Fülle von Lücken, Auslassungen und Verschwundenem verkörpert, was bleibt dann von jedem von uns? Was ist ewig und was wenigstens in der Überlieferung auf Gräbern und Papier oder einfach in den Erinnerungen anderer Menschen erhalten? Philosophisch durchaus keine leichte Kost, die Schalansky freilich in zwölf tollen Geschichten zu verschiedenen Phänomenen, in jeweils gleicher Länge, jedoch unterschiedlichen Stilen und Sprachausprägungen aufzubereiten vermag.

Versunkene Inseln, ein ausgestorbener Tiger, der abgebrannte Greifswalder Stadthafen - alles Dinge, die nicht mehr sind, was sie einst waren. Ihnen nachzusinnen, hat die Autorin fünf Jahre intensive Fleißarbeit geleistet und Tiefenrecherche offenbar selbst zu dem kleinsten Problem nicht gescheut.

Herausgekommen ist ein Band, der ohne Zweifel in die Kategorie „Buchkunst“ eingeordnet werden kann, ja muss. Kein Wunder, schreibt, forscht und studiert Schalansky doch in der Hauptstadt und der dortigen Staatsbibliothek als Autorin und Gestalterin. Ein Umstand, der ihren und vielen der von ihr herausgegebenen Bücher anzusehen ist. Es sind Kunstwerke, die man nicht nur mit Gewinn liest, sondern auch immer wieder gern in die Hand nimmt und bestaunt. Der Einband des neuesten Buches besteht übrigens zu 30 Prozent aus recycelbaren Lederresten, während der Titel einem Grabstein ähnelt; und keines dieser vermeintlichen Details ist grundlos gewählt.

Schließlich ist auch Schalanskys Friedensbotschaft im Gespräch nicht zu missdeuten, wenn sie das Zitat des Häuptlings von Ureinwohnern eines verschwundenen Atolls wiedergibt: "Wir wissen nicht, wie man kämpft. Wir wissen nur, wie man tanzt." Ein Mut machendes Wort in Zeiten ungezählter, oft traurig stimmender Verluste.

Steffen Adler

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