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Greifswald Hochzeit mit Greifswald gescheitert – Ende der Ära Hering in Wackerow?
Vorpommern Greifswald Hochzeit mit Greifswald gescheitert – Ende der Ära Hering in Wackerow?
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05:49 24.04.2019
Torsten Maaß tritt bei den Wahlen in Wackerow gegen Langzeitbürgermeister Manfred Hering an. Quelle: Eckhard Oberdörfer
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Wackerow

 Die Greifswalder Stadtrandgemeinde ist faktisch pleite und hat rund drei Millionen Euro Schulden. Ein Bürgermeister hat nichts zu verteilen. Dennoch hat Langzeitbürgermeister Manfred Hering im Mai 2019 anders als vor fünf Jahren einen Gegenkandidaten. Torsten Maaß (44) will ihn beerben. Der Geograph zog 2007 von Greifswald in die Gemeinde. Er ist der Kandidat der Wählergruppe „Bürgergemeinschaft“. Sechs Wahlvorschläge, vier Einzelbewerber, alles in allem 28 Kandidaten: Die Wackerower haben die Wahl. Aktuell besteht die Gemeindevertretung bis auf einen SPD-Vertreter nur aus Leuten, die auf der Liste der CDU standen. Einer von ihnen ist Frank Heitmann, der 2019 für die AfD dabei ist. Auch der stellvertretende Bürgermeister Karlheinz Tietze tritt aus Altersgründen nicht wieder an.

Die „Bürgergemeinschaft“ hat ihren Ursprung in der „Wackerower Runde“, die sich 2017/18 in der Kritik am Kurs der Gemeindevertretung für eine Fusion mit Greifswald bildete. Torsten Maaß und der Vorsitzende der „BürgergemeinschaftRicardo Ladwig gehörten auch zur Wackerower Runde, die eine Prüfung einer Fusion mit den Amtsgemeinden und mehr Mitbestimmung durch einen erneuten Bürgerentscheid forderte.

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Ohne Hilfe von außen geht es nicht

Die Hochzeit mit Greifswald scheiterte knapp bei einem Bürgerentscheid, die im Amt Landhagen an den Neuenkirchener Bürgern. Damit zerschlugen sich höchstwahrscheinlich auch die Hoffnungen auf zwei Millionen Euro Entschuldungshilfe vom Land.

Dass wir Hilfe von außen brauchen ist klar“, sagt Torsten Maaß. „Wir kritisieren aber die fehlende Bürgernähe und die fehlende Transparenz der Entscheidung. Es reicht nicht, zur Gemeindevertretersitzung einzuladen, es fehlten in den letzten Jahren regelmäßige Bürgerversammlungen.“ In der Wählergruppe seien Bürger aus allen Ortsteilen und aller Altersgruppen vertreten, das sei eine gute Voraussetzung dafür, in Zukunft alle mitzunehmen, so Ricardo Ladwig. Dass es nicht zu einer Großgemeinde Landhagen kam, sei sehr bedauerlich. „Das hätte ein Leuchtturm fürs ganze Land sein können.“

Grundsteuer hätte nicht so hoch sein dürfen

Eine Bürgerversammlung hätten sich Ladwig, Maaß und Mitstreiter zum Beispiel bei der Entscheidung über die Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuern gewünscht. Die sind weit über dem Landesdurchschnitt. Begründet wurde das mit dem Druck des Kreises, der wegen der hohen Schulden auf eine Erhöhung der Einnahmen drängte. Dass die Gemeindevertretung im März die Senkung der Hebesätze für die Grundsteuer auf den Landesdurchschnitt beschloss, sei ein Wahlkampfmanöver. Die Hebesätze immer nur zu erhöhen, sei von Anfang an falsch gewesen. Die Gemeindevertretung habe es versäumt, die Wackerower mitzunehmen. „Wir brauchen einfach mehr Kommunikation und sollten dafür die neuen Medien nutzen“, sagt Maaß. So könnten für einzelne Themen Whatsapp-Gruppen gebildet werden und Informationen per SMS ausgetauscht werden.

Mit Süderholz und Sundhagen kooperieren

Also alles schlecht in der Vergangenheit? „Nein, wir wollen auch keine schmutzige Wäsche waschen“, sagt Maaß. „Aber wir wollen neue Wege für ein besseres Gemeindeleben gehen. Vieles lässt sich über mehr Dialog erreichen.“ So seien die Altgemeinden Groß Petershagen und Wackerow in den vergangenen 20 Jahren nicht wirklich zusammengewachsen. Das will die Wählergruppe ändern.

Greifswald hatte Wackerow drei statt jetzt eineinhalb Stellen für den Bauhof versprochen. Wie geht es weiter? „Es ist richtig, dass es zum Beispiel viel Kritik an der Einsatzplanung der Gemeindearbeiter gibt“, so Maaß. „Einer unserer Schwerpunkte ist es, mehr Werterhaltung durch die Erhaltung des Bauhofes abzusichern und so den Reparaturstau abzubauen.“ Große Chancen sieht die Wählergruppe in besserer Zusammenarbeit mit den Nachbarn nicht nur im Amt Landhagen und Greifswald, sondern auch mit Sundhagen oder Süderholz.

Verkehrsberuhigungen geplant

Familienfreundlichkeit über mehr Kitaplätze, Verkehrsberuhigung und Breitbandausbau sind ebenfalls wichtige Themen der „Bürgergemeinschaft“. Um Lösungen auf Fragen zu finden, solle es Veranstaltungen in allen Ortsteilen geben. „Wir werden versuchen, Verkehrsberuhigungen durchzusetzen“, sagt Maaß.

Der Umgang mit dem Managementplan des durch EU-Recht geschützten Kieshofer Moores war eines der großen Themen der Gemeindepolitik der letzten Jahre. Die bisherige Gemeindevertretung will verhindern, dass es zum Anstieg des Wasserspiegels kommt. „Ich bin überzeugt, dass es eine gemeinsame Lösung mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Natur gibt, die die Situation der Groß Kieshofer verbessert“, sagt Maaß.

Mitglieder der Wackerower Bürgergemeinschaft Quelle: Maria Fülöp

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Eckhard Oberdörfer