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Greifswald Keiler spielt wilde Sau – Greifswalder Volksstadion gesperrt
Vorpommern Greifswald

Keiler spielt wilde Sau – Greifswalder Volksstadion gesperrt

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16:48 19.01.2020
Greifswalder Volksstadion wegen Wildschweingefahr gesperrt Quelle: ZB
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Greifswald

Die Wildschweine haben Greifswald als Lebensraum erobert und werden in Einzelfällen zur Gefahr. Nachdem Anfang Januar eine Frau im Ortsteil Wieck von einer angriffslustigen Bache verfolgt wurde, musste jetzt das Volksstadion wegen aggressiver Wildschweine gesperrt werden. Ein für Freitagabend angesetztes Testspiel des Greifswalder FC gegen die U 19 des FC Hansa Rostock wurde kurzfristig aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Volksstadion in Greifswald wegen Wildschweingefahr gesperrt Quelle: Martina Rathke

Stadtförster Bent Knoll hatte wegen des angesetzten Spiels noch am Vormittag versucht, die Tiere, darunter auch eine Bache mit sieben Frischlingen, mit seinem Hund zu vertreiben. Dabei habe ein Keiler den Hund verletzt, sodass der Stadtförster ihn zum Tierarzt bringen musste, wie Stadtsprecherin Andrea Reimann sagte. Der Hund – ein versierter Jagdhund der Rasse Deutsch Kurzhaar – erlitt durch die Hauer des Keilers eine drei Zentimeter tiefe Einstichwunde, die geklammert werden musste. Er sei froh, dass sein Hund „Anka“ den Angriff überlebt habe, sagte Knoll. „Der Keiler hat meinen Hund regelrecht überlaufen.“

Das Volksstadion blieb am Wochenende gesperrt. Ob es am Montag wieder geöffnet wird, hängt vom Erfolg der am Freitag eingeleiteten Vergrämungsmaßnahmen ab.

Wildschweine schon länger ein Problem

„Es muss etwas geschehen“, meint Dana Guderian. Die im Ostseeviertel wohnende Frau wandte sich schon im November an die Stadt, nachdem sie Wildschweine am sogenannten „Ententeich“ in der Nähe des Rycks direkt neben sich grunzen gehört hatte und Nachbarn von angriffslustigen Tieren berichtet hatten. Guderian vermutet, dass es sich möglicherweise im Ostseeviertel um dieselbe Bache handelte, die Anfang Januar in Ladebow ihr Unwesen trieb. „Meine Meldung an die Stadt – insbesondere aus Angst um Kinder und gehbehinderte ältere Menschen – wurde damit abgetan, auf die Zuständigkeit der unteren Jagdbehörde des Landkreises zu verweisen“, sagt die junge Frau. Von der Kreisverwaltung kam bislang keine Antwort. „Muss erst jemand verletzt oder getötet werden?“, fragt sie.

Der Kreis spielt indes die Verantwortung an die Stadt zurück. „Zuständig ist erstmal die Ordnungsbehörde der Stadt. Wir können höchstens assistieren“, so Kreissprecher Achim Froitzheim. Seit drei Jahren habe die Kreisbehörde der Stadt Vorschläge unterbreitet. „Wir konnten auf Seiten der Stadt bislang aber keine ernsthaften Bemühungen erkennen, das Problem wirklich anzugehen.“ Ein Vorwurf, den Stadtförster Bent Knoll so nicht stehen lassen will. In den vergangenen zwei Jahren seien von Jägern etwa 60 Tiere in den Stadtrandbereichen geschossen worden. Er schätzt, dass derzeit 40 bis 50 Wildschweine in Greifswald leben – im Vergleich zu anderen Kommunen vergleichsweise wenig. „Städte sind für Wildschweine ein Schlaraffenland im Vergleich zum Wald. Es gibt sichere Schlafplätze, die Nahrungssuche ist einfacher, der Jagddruck ist geringer.“

Keiler soll im Volksstadion nicht geduldet werden

Der Keiler, der im Wäldchen am Volksstadion gute Nahrung findet, ist laut Knoll ein etwa 120 Kilogramm schweres Tier „mit hohem Aggressionspotenzial“. Möglicherweise sei der Keiler krank und deshalb so aggressiv. Am Freitag wurden in dem etwa fünf Hektar großen Areal Pieper aufgehängt, um das Wildschwein akustisch zu vergrämen. Sollten die ihre Wirkung verfehlen, sollen zu Wochenbeginn chemische Vergrämungsmittel eingesetzt werden, wie Knoll sagte. Die seien relativ wirkungsvoll. „Wir werden das Tier im Volksstadion nicht dulden.“ Sollten alle Maßnahmen nichts bringen, werde versucht, das Tier zu fangen. Als wirklich allerletzte Variante werde man das Erschießen in Betracht ziehen. „Bis dahin gebe es noch viele Optionen, bevor wir Plan F oder G einsetzen“, sagte Knoll.

Eine Bejagung im Stadtgebiet sei schwierig. „Das Schießen im Stadtgebiet darf nur auf absolute Notfälle beschränkt sein.“ Ein Durchschläger oder ein angeschossenes Tier berge ein großes Risiko. Mit der Vergrämung, so die Erwartung, hofft man, den Keiler in Stadtrandgebiete wie an den Ryck zu locken, wo es bejagt werden kann.

Städtischer Wildtiermanager ab Februar

Im Volksstadion werden nach Stadtangaben derzeit die Wildschutzzäune verstärkt. Die Arbeiten würden allerdings noch etwa drei Wochen dauern. Die Zaunanlage wird derzeit im unteren Bereich durch Anschweißen von Verstrebungen so verstärkt, dass die Schweine nicht mehr unten durchkommen sollten. Falls sich das Tier nicht vergrämen ließe, empfiehlt Knoll, das Stadion bis zum Abschluss der Zaunarbeiten gesperrt zu lassen.

Nach Angaben der Stadt tritt ab Februar ein städtischer Wildtiermanager seinen Dienst an. Er soll sich dann speziell der Lage im Volksstadion, aber auch der im gesamten Stadtgebiet annehmen. Stadtförster Bent Knoll ist froh, dass es seinem Hund nach der Behandlung beim Tierarzt wieder deutlich besser geht. „Ich gehe davon aus, dass er in zwei Wochen wieder fit ist.“

Generell müsse der Mensch in gewissem Umfang Wildschweine in der Stadt dulden. In der Regel seien sie auch ungefährlich, sagt Knoll. Bei einer überraschenden Begegnung müsse man ihnen einen Fluchtweg ermöglichen. „Wildschweine sind Fluchttiere.“

Von Martina Rathke und Alexander Kruggel

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