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Greifswald Greifswalder Eltern sind vorbildlich beim Thema Kinderimpfungen
Vorpommern Greifswald Greifswalder Eltern sind vorbildlich beim Thema Kinderimpfungen
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06:51 12.03.2019
Die drei Monate alte Helena bekommt von Kinderarzt Dr. Andreas Michel eine Schluckimpfung gegen Rotaviren. Quelle: Christin Lachmann
Greifswald

Erhöhtes Fieber, krampfartiger Husten und Ausschlag: Masern gelten noch immer als harmlose Kinderkrankheit. Doch folgende Zahl entkräften den Mythos. So starben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2016 weltweit rund 100 000 Menschen an der Viruserkrankung. Betroffen waren vor allem Kinder unter fünf Jahre. Auch in Deutschland sind Masern wieder auf dem Vormarsch. Der Grund: Manche Eltern zweifeln an Impfungen gegen Masern, Mumps oder Röteln, halten die Impfstoffe sogar für gefährlich. Die Folge: Die Zahlen der Ansteckungen steigen.

In der Hansestadt hingegen gebe es nur wenige Impfkritiker. Das bestätigt sowohl das Gesundheitsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald als auch der Kinderarzt Dr. Andreas Michel. In dem Patientenstamm des Greifswalder Mediziners befänden sich nur wenige Familien, die Kinderimpfungen ablehnen. Die Gründe bei impfkritischen Eltern seien vielfältig: Diese reichen von der Angst, Impfstoffe seien gesundheitsschädlich bis hin zu Glaubensgründen. „Oder sie denken, dass Kinder solche Krankheiten mithilfe des eigenen Immunsystems leicht überstehen“, sagt Michel. Doch der Arzt klärt den Trugschluss auf: „Laut Statistik stirbt in Deutschland eines von etwa 1000 erkrankten Kindern an Masern.“

Einfluss von Freunden, Verwandten und sozialen Medien

Die Argumente von Impfkritikern kann der Greifswalder Kinderarzt nicht nachvollziehen. Er findet klare Worte: „Sowohl die Wirksamkeit als auch die Sicherheit der bei uns verwendeten Impfstoffe sind seit vielen Jahren belegt.“ Bei impfkritischen Eltern unterscheidet der Mediziner zwischen zwei Gruppen: „Einige Eltern sind skeptisch und lassen sich meist in einem längeren Gespräch doch umstimmen.“ Andere lassen sich überhaupt nicht überzeugen: „Sie bleiben bei ihrer von vornherein feststehende Meinung.“ Manchmal fehle es an Vertrauen, so Michel. Stattdessen würden Eltern auf Freunde und Verwandte hören, die Impfungen mit Begründungen wie „unsere Kinder haben es auch gut überstanden“ ablehnen.

Die Ängste von impfkritischen Eltern kennen auch die Mitarbeiter des Greifswalder Gesundheitsamtes. „Unsere Amtsärztin und unsere Jugendärzte klären in individuellen Gesprächen über die Risiken einer Impfung und die Risiken einer Nicht-Impfung für das Kind umfassend auf“, sagt Dr. Susanne Thiele, Jugendärztin beim Gesundheitsamt. Gestreute Falschinformationen in sozialen Medien würden impfkritische Eltern jedoch weiter beunruhigen: „Verschwörungstheoretische Aussagen wie ’Impfen verursacht Autismus’ basieren nicht auf wissenschaftlichen Nachweisen“, sagt die Jugendärztin.

Nicht nur Schutz des Einzelnen, sondern der Gesellschaft

Kathleen Schomann hat ihre drei Monate alte Tochter Helena bei Dr. Michel unter anderem gegen Rotaviren impfen lassen. Es ist eine der häufigsten Durchfallerkrankungen bei Kindern. „Die Impfung verhindert die Ansteckung zwar nicht, mildert aber die Beschwerden, sobald die Erkrankung auftritt“, erklärt Michel, der auch als Landesverbandsvorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte MV tätig ist. Die 32-jährige Mutter will ihre Tochter auch in Zukunft impfen lassen. „Ich vertraue meinem Arzt. Dennoch sollen Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder impfen lassen.“

Ziel von Impfungen ist zum einen der Schutz des einzelnen Individuums und der Gemeinschaft vor einer bestimmten Erkrankung. „Zum anderen aber auch die Eliminierung von gefährlichen Krankheitserregern weltweit“, erklärt Susanne Thiele. Eltern tragen daher nicht nur für sich selbst und ihre Kinder, sondern auch für die Gesellschaft eine Verantwortung, so Thiele weiter.

Keine Impfpflicht in Deutschland, einzig Empfehlungen

Wie schnell eine Kettenreaktion aus einer einzigen Infektion entstehen kann, zeigte sich 2010 an der Greifswalder Waldorfschule als sich 18 Kinder und Jugendliche mit Mumps ansteckten. Keines der erkrankten Kinder war geimpft. Beim kommunalen Eigenbetrieb Hanse-Kinder heißt es Vorsorge statt Nachsorge. „Wir haben vereinzelnd Eltern, die aus welchen ideologischen Gründen auch immer, ihre Kinder nicht impfen lassen wollen“, sagt Achim Lerm, Leiter des Betriebes. In diesen Einzelfällen müssen die Eltern bei der Kita eine Impfberatung vom Kinderarzt nachweisen. „Meistens entscheiden sich die Eltern dann doch, ihre Kinder impfen zu lassen“, so Lerm.

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Einzig Empfehlungen werden von den einzelnen Bundesländern herausgegeben und beruhen auf der Arbeit der Ständigen Impfkommission (STIKO). Eine Impfpflicht würde Dr. Andreas Michel begrüßen. „In Greifswald sind wir dennoch auf einem guten Weg.“ Nach wie vor weist die Hansestadt laut Gesundheitsamt einen Durchimpfungsgrad von über 95 Prozent vor.

Infektionsraten der letzten Jahre

Vergangenes Jahr gab es keine Masern, Mumps- und Rötelinfektion im Landkreis. Lediglich 2017 steckte sich eine Person mit Mumps an. Im Jahr 2016 gab es eine Maser- sowie eine Rötelmeldung und keine Mumpsinfektion. 2015 gab es im Landkreis Vorpommern-Greifswald vier Maserninfektionen (Erkrankte steckten sich in Berlin an), keine Mumps und keine Rötelerkrankungen.

Christin Lachmann

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