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Greifswald Kirchenstreit um die AfD
Vorpommern Greifswald Kirchenstreit um die AfD
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14:03 22.10.2018
Die Synodalen während einer Abstimmung im Tagungsraum Wichernsaal des Hotels Ostseeländer in Züssow. 
Die Synodalen während einer Abstimmung im Tagungsraum Wichernsaal des Hotels Ostseeländer in Züssow.  Quelle: Daniel Vogel/kirche-mv.de
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Züssow

Zwischen dem Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und seinem Bischof Hans-Jürgen Abromeit scheint es derzeit mächtig zu knirschen. Auf einer Tagung in Züssow begrüßte die Synode (Parlament) des Kirchenkreises jetzt einen Beschluss des Kirchentags, beim Kirchentag 2019 in Dortmund keinen Repräsentanten der Alternative für Deutschland (AfD) zur Mitwirkung, zum Beispiel bei Diskussionsrunden, einzuladen. Damit gehen sie auf Konfrontationskurs zu ihrem Bischof Abromeit. Der hatte am Donnerstag die Entscheidung des Kirchentagspräsidiums als „falsch“ bezeichnet. Der Kirchentag sei ein sehr großes und weites Diskussionsforum und vergebe sich eine große Chance, wenn er von vornherein sage, er lade nicht ein, sagte er. „Kirche ist nicht links und nicht rechts. Kirche ist da, wo die Menschen sind und wo Christus ist“, betonte Abromeit. Der Bischof sagte weiter, natürlich müsse man sich keine „Vogelschiss-Rhetorik“ auf den Kirchentag holen. Aber man könne andere Politiker einladen, die sich mit entsprechenden Sachthemen beschäftigten.

Kirchentag: AfD geht in Rechtsextremismus über

Das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages hatte im September entschieden, keine AfD-Repräsentanten einzuladen, und dies damit begründet, dass es in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken gebe. Diese Meinung teilte auch die Synode des Pommerschen Kirchenkreises. „Der mit deutlicher Mehrheit durch die Synode gefasste Beschluss stellt sich in der Sache hinter die Entscheidung des Kirchentags und macht sich vor allem dessen Begründung zu eigen: für Demokratie, für Menschenachtung, für Menschenrechte, für den Einsatz und das Engagement gegenüber Schwachen, Fremden und Ausgegrenzten“, so der Sprecher der Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises, Sebastian Kühl. „Dieses ,Für’ schließt die Seelsorge und das Gespräch mit allen Menschen ein. Dieses ,Für’ definiert aber auch Grenzen und Tabus, nicht um auszugrenzen, sondern um Werte und Menschen zu schützen.“ Wer sich gegenüber Gruppen menschenfeindlich äußere, sollte nicht eingeladen werden. Eingeladen blieben diejenigen, die sich in den gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Themen und Debatten nicht wiederzufinden meinen und deshalb AfD wählen oder mit der Partei sympathisieren.

AfD spricht von Ausgrenzung Andersdenkender

Die Entscheidung stieß bei der AfD auf Kritik. „Die Synode trägt damit leider aktiv zur Spaltung unseres Landes bei. Statt sich offen mit anderen Argumenten auseinanderzusetzen, grenzt man Andersdenkende aus“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm. „Das ist nur noch peinlich. Ich frage mich, was aus den mutigen Kirchen von 1989 geworden ist.“

In ihrer Begründung des Beschlusses orientierte sich die Synode an der des Kirchentags. „Es gibt mittlerweile in der AfD einen fließenden Übergang zum Rechtsextremismus und Verbindungen zu verfassungsfeindlichen Netzwerken“, heißt es dort. „Der Kirchentag will all diejenigen stärken, die sich für respektvolle Toleranz und Zusammenhalt der Gesellschaft einsetzen. Das meint aber auch: Keine Toleranz der Intoleranz.“

Entscheidung für Kirchentag ohne AfD ist gefallen

Bischof Abromeit akzeptiert die Entscheidung der Synodalen. „Die Frage zum Umgang des Deutschen Evangelischen Kirchentags mit der AfD entscheidet und verantwortet allein das Präsidium des Kirchentages“, sagte Abromeit auf OZ-Anfrage. „Diese Entscheidung ist gefallen und wird für den Kirchentag in Dortmund 2019 auch nicht mehr verändert werden.“ Auf die Frage nach seiner persönlichen Meinung, sagte er: „Die Kirche ist gut beraten, auf Abstand zur AfD als Partei zu gehen, sie sollte aber um ihres Auftrages willen das Gespräch mit allen Menschen suchen, auch und gerade mit AfD-Mitgliedern und Wählern.“ Es gelte doch, genau hinzuhören, was diese Menschen bewegt, was sie zornig macht und was ihnen Sorge bereitet. „Dass der Kirchentag dabei Alexander Gauland wegen seiner Verharmlosung der nationalsozialistischen deutschen Vergangenheit und andere AfD-Funktionäre, die rechtspopulistisch bis rechtsextremistisch denken und argumentieren, nicht hören will, liegt auf der Hand“, so Abromeit weiter. „Als Gastgeber könnte der Kirchentag allerdings Kirchenmitglieder, die der AfD angehören, zu Wort kommen lassen.“ Der Deutsche Evangelische Kirchentag als die evangelische Debattierplattform überhaupt halte das seiner Meinung nach aus. „Mir geht es also nicht um ein Votum dafür, die AfD ,auftreten zu lassen’, sondern um mein Anliegen, das Gespräch mit ihren Mitgliedern und Sympathisanten zu suchen“, so Abromeit abschließend.

Haushalt für das Jahr 2019 beschlossen

Beschlossen haben die Synodalen des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises am Sonnabend auch den Haushalt für das 2019 in Höhe von 19 Millionen Euro sowie den Stellenplan. Wie Pressesprecher Sebastian Kühl mitteilte, ist unter anderem die Sanierung der Propstei in Pasewalk Teil des Haushaltsbeschlusses. Teil des Stellenplans sei indes die befristete Einrichtung einer Projektstelle für Orgelunterricht im Stellenumfang von 50 Prozent für die Dauer von vier Jahren bis zum Jahr 2022. Der Bedarf an Organisten in den Gemeinden des Kirchenkreises sei groß. Ebenso Teil des Stellenplans sei die Präventionsarbeit im Kirchenkreis. Dies beinhalte, dass nach dem Beschluss der Synode die Präventionsarbeit zukünftig gemeinsam durch die Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern verantwortet und finanziert wird. Präventionsbeauftragter für Pommern werde demnach Martin Fritz.

„Taufe oft sehr verschüttet“

Die für Vorpommern-Rügen zuständige Pröpstin Helga Ruch setzte unterdessen in ihrem Bericht an die anwesenden 58 Synodalen einen Schwerpunkt auf das Thema Taufe. „Da die Propstei auch die Funktion einer Wiedereintrittsstelle in die evangelische Kirche hat, erlebe ich oft Menschen, deren Beziehung zu ihrer eigenen Taufe oft sehr verschüttet ist und behutsam wieder ‚ausgegraben‘ werden muss“, so die Pröpstin.

Helga Ruch berichtete den Synodalen zudem von zahlreichen Konzerten, von der guten ökumenischen Zusammenarbeit sowie der sich intensivierenden Kooperation vieler Kirchengemeinden mit Städte und Kommunen in der Propstei Stralsund. „Unser Kreisdiakonisches Werk hat mittlerweile mehr als 200 Mitarbeitende, die in den verschiedenen Bereichen beeindruckende Arbeit leisten“, so Helga Ruch. „Der neue Kindergarten auf der Insel Hiddensee wird gerade wieder von den Kindern in Besitz genommen, die während der Bauzeit im Rüstzeitenheim und in der Schlussphase in Räumen der Kommune Obdach gefunden haben.“ Zudem hätten zahlreiche Mitarbeitende das silberne Kronenkreuz, das Dankzeichen der Diakonie, erhalten.

Anne Ziebarth, Martina Rathke und Thomas Pult

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21.10.2018