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Greifswald Kita-Leiterin entlassen: Volkssolidarität in der Kritik
Vorpommern Greifswald Kita-Leiterin entlassen: Volkssolidarität in der Kritik
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21:08 09.03.2019
Die Kindertagesstätte in Züssow wurde mit 1,9 Millionen Euro errichtet und im September 2017 eingeweiht. Die Volkssolidarität finanzierte davon eine halbe Million Euro, der Rest lief über Fördermittel. Quelle: Anne Sylvester
Züssow

Die Nachricht verbreitete sich unter den Eltern in Züssow wie ein Lauffeuer: Jacqueline Streichert, seit 1. September vorigen Jahres neue Leiterin der Kita „Bummi“, muss gehen. Gestern war ihr letzter Tag. Die Volkssolidarität Greifswald-Ostvorpommern als Träger der rund 100 Plätze zählenden Einrichtung sprach die Kündigung aus. Erhalten hat sie den Brief am vorigen Freitag, sie fischte ihn am Abend aus dem heimischen Briefkasten. Ihre sechsmonatige Probezeit hatte am Tag zuvor geendet.

Darüber ist Andrea Windisch, Mutter von zwei Kindern, stinksauer: „Natürlich ist es legitim, dass ein Arbeitgeber innerhalb der Probezeit ohne Angabe von Gründen eine Kündigung ausspricht“, räumt sie ein. „Aber was hier gelaufen ist, überrascht uns doch alle sehr. Viele Eltern sind erbost, da sie am Wochenende aus einer Stellenanzeige in der Zeitung erfahren mussten, dass die Volkssolidarität eine neue Kita-Leiterin sucht.“ Am Montag habe es dann nach einem Gespräch mit Jacqueline Streichert Gewissheit gegeben, die selbst „völlig perplex“ war. Für Andrea Windisch ist das Agieren der Volkssolidarität sehr befremdlich. Sie verstehe die Welt nicht mehr, „denn die Kita-Leiterin hat eine tolle Arbeit geleistet, war sehr engagiert, den Kindern und Eltern freundlich zugewandt“.

Ähnliches berichtet Katrin Wodrig, die einen Sohn in der Kita betreuen lässt: „Frau Streichert hat eine sehr herzliche Art und leistet tolle Arbeit. Ich verstehe nicht, dass die Volkssolidarität sie aus heiterem Himmel vor die Tür setzt. Das ist keine Art im Umgang mit Menschen, weder ihr und den Kollegen gegenüber noch uns als Vertragspartner“, kritisiert die Mutter. Streichert habe sich viel Mühe gegeben, die Dinge wieder zu ordnen, nachdem die Kita vor ihrem Antritt eine Zeit lang ohne feste Leitung war. Nun kündige man ihr. „Wahrscheinlich ohne Plan, wie es weitergehen soll. Das geht mir gegen den Strich“, sagt Wodrig.

Und nicht nur ihr. Auch Vertreter des Elternrates haben kein Verständnis für das Agieren der Volkssolidarität: „So geht man nicht mit Leuten um, das ist unterste Schublade. Dabei wirbt die Volkssolidarität doch mit menschenwürdigem Umgang und Vertrauen“, schimpft Anne Sylvester. Zwar könne sie nicht die fachliche Kompetenz der Leiterin einschätzen. „Aber sie war immer freundlich, ist den Kindern und Eltern immer auf Augenhöhe begegnet. Deshalb ist es schade, dass sie gehen muss“, bedauert die Mutter. Das bekräftigt Antje Kasten, die ebenfalls im Elternrat aktiv ist: „Sie war immer offen für alle, ich kam gut mit ihr klar. Jetzt aus der Zeitung zu erfahren, dass sie geht, hat mich schon sehr überrascht. Egal, welche Gründe es gibt – die Art und Weise ist einfach nicht in Ordnung.“

Anne Sylvester indes weiß, „dass es auch Eltern gibt, die nicht zufrieden waren. Manche fanden das Essen in der Kita zum Beispiel nicht so toll.“ Doch sie habe die Kita-Leiterin stets lösungsorientiert erlebt, „suchte immer das Gespräch“.

Jacqueline Streichert selbst denkt das auch und kann daher die plötzliche Kündigung nicht verstehen: „Ich war an dem Freitagabend über den Brief völlig schockiert, denn es gab vorab nicht einen Hinweis darauf, dass ich gehen muss. Es gab auch kein Gespräch mit mir“, sagt die 43-Jährige. Auf ihre Bitte hin habe sie gestern nun die Möglichkeit erhalten, mit der Personalleitung zu sprechen. Während des Termins „wurden mir keine schwerwiegenden Gründe genannt“, sagt Streichert gegenüber der OZ. Da die Kündigung noch in ihre bis 28. Februar andauernde Probezeit fiel – der Brief sei vom 26. Februar datiert – müsse sie das Ende akzeptieren. Bis 15. März ist sie noch angestellt, musste aber gestern den Arbeitsplatz räumen. Bitter für die Frau, die im vorigen Jahr wegen dieser Stelle von Waren nach Vorpommern kam. An der Müritz leitete sie eine Kita, die aus brandschutz- und weiteren sicherheitstechnischen Gründen vom Träger für immer geschlossen wurde.

Die Volkssolidarität Greifswald-Ostvorpommern möchte sich zur Kündigung nicht äußern. „Wir haben unseren Arbeitnehmern gegenüber eine Fürsorgepflicht. Deshalb werden wir zu Personalentscheidungen öffentlich keine Stellung beziehen“, sagt Frederik Wolf auf OZ-Anfrage. Der Mitarbeiter der Anklamer Geschäftsstelle vertritt nach eigenen Angaben die bis Mai im Urlaub befindliche Geschäftsführerin Kerstin Winter. Die Chefin der Volkssolidarität hatte erst im September 2017 mit großem Bahnhof die für 1,9 Millionen Euro neu errichtete Kindertagesstätte eingeweiht. In jenen Wochen herrschte viel Freude unter den Kindern, Eltern und Erziehern. Damals war noch Petra Götze Leiterin des Hauses, sie verabschiedete sich jedoch 2018 nach 43 Arbeitsjahren in den Ruhestand.

Petra Hase

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